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nä 03/2020
aktualisiert am: 16.03.2020

 

  Selbstverwaltung

Zuwachs ohne Gewinn

Vorstand der KVN stellte Auswirkungen der neuen Bedarfsplanung der Öffentlichkeit vor


 


Vorstand der KVN stellte Auswirkungen der neuen Bedarfsplanung der öffentlichkeit vor
Auf einer Pressekonferenz haben KVN-Chef Mark Barjenbruch und KVN-Vize Dr. Jörg Berling am 18. Februar in Hannover der Presse die Auswirkungen der neuen Bedarfsplanung für Niedersachsen vorgestellt. Ihre klare Botschaft an die öffentlichkeit: Der Stellenzuwachs für Niedersachsen, zumal im haus- und kinderärztlichen Bereich, ist zwar erfreulich. Doch diese Stellen auch zu besetzen werde in Zukunft schwierig werden. Barjenbruch und Berling forderten von der Politik eine zügige Umsetzung ihrer Zusage, 200 neue Studienplätze im Fach Humanmedizin zu schaffen.

Von dem geplanten Zuwachs seien bislang lediglich 40 Studienplätze auch realisiert worden - an der European Medical School in Oldenburg/ Groningen, rechnete Dr. Jörg Berling vor. Die Medizinische Hochschule Hannover habe zwar 50 neue Studienplätze zum Wintersemester 2020/2021 zugesagt, stoße jedoch auf räumliche Grenzen. Die Ausweiterung der Studienkapazitäten der Universitätsmedizin Göttingen durch einen neuen Campus in Braunschweig sei vorerst ins Stocken geraten. Berling unterstich noch einmal die Dringlichkeit des Anliegens: "Wenn wir von sechs Jahren Regelstudienzeit ausgehen und anschließender sechsjähriger Weiterbildungszeit, dann dauert es 12 Jahre, bis der ärztliche Nachwuchs in der Versorgung ankommt."

Und noch etwas hat die KVN auf dem Herzen: Die Finanzierung der neuen Arztsitze. Bislang sei nicht gesichert, ob für mehr Ärzte auch entsprechend mehr Honorar fließt. Müssten die neuen Ärzte aus den bestehenden Honorartöpfen der bereits niedergelassenen Kollegen bezahlt werden, könne man sich für jede Fachgruppe ausrechnen, welche Honorareinbußen auf die niedergelassenen Ärzte zukäme. Hier richtete die KVN eine klare Forderung an die Krankenkassen, die Gesamtvergütung entsprechend aufzustocken.

Mit der rein rechnerischen Ausweiterung der Arztsitzzahlen ist also noch nichts gewonnen - im Gegenteil. Der Druck wächst, auch den entsprechenden ärztlichen Nachwuchs zu finden. Und wenn der sich partout nicht finden lässt? hakten die Medienvertreter nach. Müssten dann nicht die ambulanten Versorgungsstrukturen insgesamt in Frage gestellt werden? Wäre nicht die flächendeckende Einführung von Medizinischen Versorgungszentren eine Alternative, zumal junge Ärzte sowieso offenbar Anstellungsverhältnisse bevorzugten?

Eine naheliegende Schlussfolgerung, der KVN-Chef Barjenbruch aber so nicht folgen wollte. Erfahrungen hätten gezeigt, dass sich ausscheidende Praxisinhaber nicht eins zu eins durch angestellte Ärzte in Zentren ersetzen ließen. "Durch die Angestelltenverhältnisse ist die Produktivität insgesamt geringer", so Barjenbruch. "Ein angestellter Arzt erbringt etwa 0,7 Prozent der Arbeitsleistung eines freiberuflich tätigen." Bei fortschreitendem Ärztemangel wäre daher die vermehrte Einrichtung von MVZ keine Lösung.

Barjenbruch richtete seine Hoffnung eher auf ein anderes Phänomen: Bei sinkender Arztzahl werden es tendenziell lukrativer, als selbständig niedergelassener Arzt zu arbeiten. Dies könnte dann mittelfristig wieder zu positiven Bewerberzahlen führen.

Welche Situation sich in Zukunft ergeben wird, ist offen. Allenfalls Szenarien lassen sich entwickeln. Derzeit erarbeitet die KVN eine Bedarfsanalyse, die bis zum Jahr 2035 reichen soll. In der zweiten Jahreshälfte will sie auch damit an die öffentlichkeit treten.

Verfasser/in:

KVN




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