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nä 03/2020
aktualisiert am: 16.03.2020

 

  Editorial

Mehr Unterstützung für die Gesundheitsämter


 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

die Digitalisierung schickt sich an, die Medizin von Grund auf zu verändern. Auch die ambulante Medizin kann sich dem nicht entziehen. Also sollte sie auf den Nutzen der neuen Technik setzen. Wenn die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten sich an die Spitze des digitalen Fortschritts stellen, laufen sie nicht Gefahr, irgendwann zu seinen Opfern zu werden. Er kommt ohnehin.

Alles richtig. Vom Ziel her. Aber wie die Bundespolitik, die gematik und die KBV es angehen, macht allmählich sprachlos. Die Einführung der Telematik-Infrastruktur war von Pannen und Pleiten begleitet. Ausbaden müssen es nun die Praxen. Wer noch nicht an die TI angeschlossen ist, wird bestraft. Dass vielerorts der Anschluss mangels Geräten überhaupt nicht möglich war, interessiert die Politik nicht.

Beim Datenschutz soll dasselbe Prinzip gelten. Bedenken gegen die Sicherheit des TI-Anschlusses haben die Verantwortlichen lange Zeit einfach abgebügelt. Jetzt erreichen uns fast wöchentlich neue Hiobsbotschaften über potentielle Datenlecks. Und allen dämmert: Bei dieser Technik kann man sich a priori auf nichts verlassen! Die filigrane Installationsarchitektur in den Praxen bringt Experten und Dienstleister an ihre Grenzen. Hier ein Haken nicht gesetzt, dort ein Passwort nicht aktiviert - und schon hätten gewiefte Hacker Zugriff auf Patientendaten. Und was nützt es, wenn alle Lücken geschlossen sind, aber Unbefugte sich per Post Praxisausweise bestellen und damit legal im Medizinernetz einloggen können?

Der eigentliche Skandal besteht darin, dass den Ärzten die Verantwortung für die Datensicherheit in die Schuhe geschoben wird. "Praxen sind ohnehin in der Pflicht, ihre Daten zu schützen. Die TI-Anbindung ändert daran nichts", hieß es bislang lapidar aus Berlin. Doch wenn selbst Experten das vielerorts nicht hinbekommen - was darf man dann von Ärzten verlangen? Der Anschluss an das digitale Netz wird den Praxisinhabern erst aufgezwungen - und dann sollen sie haftbar sein für Gefahren, die den Netzarchitekten selbst erst nach und nach bewusst werden!

Kein Wunder, dass sich unter Medizinern nicht so recht Vertrauen in die Digitalisierung einstellen will. Das brauchen wir aber, um unseren digitalen Rückstand im Vergleich zu anderen Ländern aufzuholen. Berlin ist in der Pflicht, die Standards zu setzen, um digitale Medizin rechtssicher betreiben zu können. Absolute Sicherheit mag es im Netz vielleicht nie geben - aber unsere Praxen brauchen wenigstens die Sicherheit, nicht die Fehler anderer ausbaden zu müssen.

Herzlichst

Mark Barjenbruch
Vorstandsvorsitzender der KVN

Dr. Jörg Berling
Stellv. Vorstandsvorsitzender der KVN

Verfasser/in:
Dr. med. Martina Wenker
Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen
Kreiskrankenhaus Diekholzen, Am Bahnberg 5, 31199 Diekholzen

Marion Charlotte Renneberg
Allgemeinärztin
Eichstraße 5, 31241 Ilsede



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