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nä 02/2020
aktualisiert am: 14.01.2020

 

  Selbstverwaltung

Mehr Stellen, mehr Mangel

312,5 zusätzliche Niederlassungsmöglichkeiten für Ärzte und Psychotherapeuten in Niedersachsen schafft die neue Bedarfsplanung. Doch das Problem des Ärztemangels löst sie nicht


 


112,5 zusätzliche Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte, 151 für Fachärzte und 49 für Psychotherapeuten gibt es nach der jetzt in Niedersachsen umgesetzten, auf der neuen Bedarfsplanungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), beruhenden Reform der Bedarfsplanung. Die Bedarfsplanung legt fest, wie viele Hausärzte, Fachärzte oder Psychotherapeuten sich in einem bestimmten Gebiet - dem sogenannten Planungsbereich - niederlassen dürfen. Der Gesetzgeber hatte eine Neuregelung veranlasst, die der GBA in Berlin im Sommer 2019 abgeschlossen hat und in den einzelnen Bundesländern umzusetzen war.

Demnach gibt es aktuell im hausärztlichen Bereich 486 Zulassungsmöglichkeiten, im fachärztlichen Bereich 190,5 und im psychotherapeutischen Bereich 87,5 Zulassungsmöglichkeiten - insgesamt also 764 - im Land Niedersachsen.

"Dank der Reform der Bedarfsplanung können sich rein rechnerisch in vielen Regionen Niedersachsens, insbesondere auf dem Land, Möglichkeiten ergeben, die ambulante Versorgung punktuell zu verbessern", erklärte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Mark Barjenbruch, in Hannover.

Zugleich gibt der KVN-Vorstand aber zu bedenken: "Neue Regeln für alte Probleme! Wer glaubt, dass mit der Einführung der neuen Bedarfsplanung die flächendeckende Versorgung im ambulanten Bereich langfristig sichergestellt ist, sollte sich nicht täuschen. Durch die Reform der Bedarfsplanung ergeben sich zwar rein rechnerisch 312,5 neue Niederlassungsmöglichkeiten in Niedersachsen. Dies ist aber lediglich ein Rechenmodell. Mit der neuen Richtlinie backen wir keinen einzelnen neuen Arzt oder Psychotherapeuten für Niedersachsen", so Barjenbruch.

Wegen des zunehmenden Ärztemangels sei es eine große Herausforderung für alle Beteiligten, die neu entstehenden Sitze auch zu besetzen. Der Vorstandsvorsitzende der KVN wies darauf hin, dass die Entscheidung über die Besetzung der neuen Vertragsarztsitze und Vertragspsychotherapeutensitze nicht bei der KVN liegt. Dafür sind die Zulassungsausschüsse in den einzelnen Bezirksstellen zuständig. Diese sind per Gesetz unabhängig, nicht an Weisungen gebunden und besetzt mit Vertretern der Ärzte beziehungsweise Psychotherapeuten und der Krankenkassen.

Grundsätzlich begrüßt die KVN die neue Bedarfsplanung. "Die neue Richtlinie bildet den fiktiven Bedarf noch besser ab als bisher und ermöglicht eine passgenaue Planung. Allerdings müssen die Krankenkassen auch zusätzliches Honorar für neue Ärzte und Psychotherapeuten zur Verfügung stellen. Es kann nicht sein, dass die im System tätigen Ärzte die neuen Kollegen bezahlen", sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVN, Dr. Jörg Berling. Deutlich machte er es an einem Beispiel: "Wenn sich in Zukunft in Niedersachsen tatsächlich 63 Kinder- und Jugendmediziner neu niederlassen - was nicht unwahrscheinlich ist - dann werden sie aus dem bestehenden Honorartopf der jetzt tätigen 500 Ärztinnen und Ärzte bezahlt. Das bedeutet ein Honorarverlust von fast 13 Prozent für jeden Kinder- und Jugendarzt. Dies ist nicht hinnehmbar", so Berling.

Was ist neu an der Bedarfsplanung? Bei der Festlegung des Bedarfs an Ärzten und Psychotherapeuten wird neben der Zahl der Einwohner sowie deren Alter und Geschlecht in Zukunft noch stärker die Häufigkeit der Erkrankungen innerhalb einer Bevölkerungsgruppe berücksichtigt. Aufgrund des neuen Erkrankungsfaktors wurden die Verhältniszahlen aller Ärzte und Psychotherapeuten zur Einwohnerzahl in einem Planungsbereich neu berechnet. Für einige Fachgruppen wurde zudem das Versorgungsniveau systematisch angehoben. Die Berechnungen finden zweimal im Jahr statt.

Die hausärztliche Versorgung wird in 104 Planungsbereichen, die allgemeine fachärztliche Vereinigung in 43 Planungsbereichen und die spezialisierte fachärztliche Versorgung in 13 Planungsbereichen berechnet.

Den größten Zuwachs verzeichnen Hausärzte mit 112,5, Kinder- und Jugendmediziner mit 63, Psychotherapeuten mit 49 und Nervenärzte mit 43 neuen zusätzlichen Sitzen.

Inhaltliche Änderungen gibt es bei der Planung von Sitzen für Facharztinternisten mit bestimmten Schwerpunkten. Die Gruppe wird zwar weiterhin in ihrer Gesamtheit geplant. Neu sind aber Mindestquoten und Maximalquoten, um ein ausgewogenes Verhältnis unterschiedlicher Schwerpunkte sicherzustellen. So wurde für Kardiologen, Gastroenterologen, Pneumologen und Nephrologen eine Obergrenze eingeführt. Sie legt letztlich fest, wie viele Internisten eines Schwerpunktes es in einem Planungsbereich maximal geben soll.

Bei den Rheumatologen wird eine Mindestquote von zunächst acht Prozent eingeführt. Das heißt: Acht Prozent der Facharztinternisten sollen laut Bedarfsplanung Rheumatologen sein. In Planungsbereichen, wo die Quote nicht erreicht wird, können sich Bewerber in dem sonst für Internisten gesperrten Bereich niederlassen. So entstanden zusätzliche neun Niederlassungsmöglichkeiten für Rheumatologen. Weitere Mindestquoten gibt es für Nervenärzte, Psychiater und Neurologen sowie für Psychosomatiker.

Die neue Bedarfsplanung enthält auch Vorgaben für die Erreichbarkeit von Ärzten. Danach sollen 95 Prozent der Patienten einer Region zum Hausarzt nicht länger als 20 Minuten Fahrtzeit mit dem Auto benötigen. Die Erreichbarkeit für Kinder- und Jugendmediziner wurde auf 30 Minuten, für Gynäkologen und Augenärzte auf 40 Minuten festgelegt.

Verfasser/in:

KVN




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