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nä 02/2020
aktualisiert am: 14.01.2020

 

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Plädoyer für mehr Ärzte und eine rationale Gesundheitspolitik

Neujahrsempfang der KVN/ÄKN-Bezirksstelle Stade bot Bestandsaufnahme der aktuellen Gesundheitspolitik. Mehr Medizinerausbildung und sorgfältige Auswahl von Therapie­optionen bei steigendem Kostendruck gefordert


 


Der traditionelle Neujahrsempfang der KVN Bezirksstelle Stade am 15. Januar im neuen Gebäude der Bezirksstelle am Güterbahnhof bot den rund 150 geladenen Gästen eine Bestandsaufnahme der aktuellen Gesundheitspolitik - in der Region wie auch auf Bundesebene.

Das Umfeld für die medizinische Versorgung werde nicht einfacher, betonte Dr. med. Stephan Brune als Bezirksausschussvorsitzender der KVN Bezirksstelle Stade in seiner Begrüßung. Er bezeichnete die Versorgungssituation in Stade als "angespannt" - viele Ärzte hätten bereits das 70. Lebensjahr überschritten, praktizierten aber immer noch. Oft notgedungen, da sie keine Nachfolger für ihre Praxen fänden. "Und es wird noch schwieriger", prognostizierte Brune. "Wir brauchen mehr Arzt und weniger Bürokratie." Ob Honorarabzüge für Ärzte bei verzögertem TI-Anschluss, ob Chaos bei der Zusammenlegung von Terminvermittlung und kassenärztlichem Bereitschaftsdienst - "das ist kein korrekter Umgang mit den Ärzten und der Bevölkerung!"

Immerhin hatte die niedersächsische Sozialministerin Dr. Carola Reimann eine gute Botschaft im Gepäck: Der Mangel an Medizinern ist auch in der Politik wahrgenommen worden. "Wir müssen mehr ausbilden. Wir brauchen eine Landarztquote. Sie ist kein Allheilmittel, aber ein Baustein." Zahlreiche andere Bundesländer hätten bereits diesen Weg eingeschlagen.

Der Gastredner der Veranstaltung, Prof. Josef Hecken, Vorsitzender des gemeinsamen Bundesausschusses für Ärzte und Krankenkassen, erwies sich einmal mehr als ebenso eloquenter wie kenntnisreicher Beobachter und Kritiker gesundheitspolitischer Entscheidungen. "Das vergangene Jahr war im Gesundheitswesen durch hektischen Aktionismus geprägt, weil die Schlagzeile oft wichtiger war als das Ergebnis."

Auch Hecken sprach sich für eine vermehrte Ausbildung von Ärzten aus. Zugleich forderte er eine Reform der Notfallversorgung und eine bessere Vergütung der Behandlung von Notfallpatienten. Kernproblem der Gesundheitsversorgung sei jedoch ihre Finanzierung. Die Ausgaben im Gesundheitswesen lägen mit 387 Milliarden Euro im Jahr deutlich höher als der gesamte Bundeshaushalt. Die demographische Entwicklung werde diese Tendenz in den nächsten Jahrzehnten verstärken. Dann stünden immer mehr Rentnern immer weniger Erwerbstätige gegenüber.

Gleichzeitig erhöhten sich ständig die Behandlungskosten. Beispiel Krebsbehandlung: Bei 7,7 Prozent der Krebspatienten würde in der letzten Woche vor ihrem Tod noch eine neue Chemotherapie eingeleitet, 15 Prozent würden noch operiert und bei 33 Prozent werde eine Computertomographie veranlasst. "Ist es das, was der Patient will, oder was die Vergütung zulässt und die Klinik verdient?" formulierte Hecken pointiert seine Botschaft: Nur streng evidenzbasierte Kriterien dürften die Auswahl medizinischer Therapien bestimmen. "Sonst müssten wir für Katholiken auch eine Pilgerfahrt nach Lourdes von den Krankenkassen bezahlen lassen."

In seinem Schlusswort rief Dr. med. Volker von der Damerau-Dambrowski als Vorstandsvorsitzender der Ärztekammer Niedersachsen, BZ Stade, die Ärzteschaft zum Zusammenstehen und geschlossenen Handeln auf. Die Kreisverbände seien der geeignete Rahmen, um das Wirgefühl der Ärzteschaft zu stärken.

Verfasser/in:

KVN




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