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nä 02/2020
aktualisiert am: 14.01.2020

 

  Digitalisierung

Therapieunterstützung ortsunabhängig und rund um die Uhr

Tagung zum Thema „Smart Phone – Smart Health“ im Zentrum für Gesundheitsethik der Evangelischen Akademie Loccum / Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Gesundheits-Apps wie die Migränetherapie SMARTGEM.


 


In Smartphones mit ihrer immensen Rechenleistung steckt das Potenzial, die eigene Gesundheit mithilfe von Sensoren nahezu umfassend zu überwachen und zu dokumentieren. Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz werden die Einsatzmöglichkeiten von Mobile Health (mHealth) - die Unterstützung medizinischer Verfahren durch Smartphones oder Tablets - weiter zunehmen. Dieser Thematik widmete das Zentrum für Gesundheitsethik der Evangelischen Akademie Loccum Anfang Dezember vorigen Jahres eine Vortragsveranstaltung unter dem Titel "Smart Phone - Smart Health".

Zum eher allgemeinen Thema "mHealth und Gesundheits-Apps - Potenziale und Perspektiven" referierte Privatdozent Dr. med. Urs-Vito Albrecht, stellvertretender Direktor des Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik. Albrecht machte für den Erfolg der Smartphones unter anderem den Komfort dieser Geräte verantwortlich, den sie zur Erfüllung unterschiedlichster Aufgaben bieten. Die stetige technische Weiterentwicklung hinsichtlich Rechenleistung, Miniaturisierung und Vernetzung erweitere rasant die Möglichkeiten. Werde diese Technologie verantwortungsvoll eingesetzt, könne sie helfen, zeitgemäße und ressourcenschonende Angebote der Gesundheitsversorgung bereitzustellen.

Mobile Technologien können Albrecht zufolge breiten Bevölkerungsschichten die Möglichkeit zur besseren Teilhabe an Gesundheitsprozessen geben: "Wo Patienten in der Versorgung eher eine passive Rolle innehatten, können sie nun aktiv eingebunden werden und Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen."

Die entsprechenden Potenziale würden allerdings bisher kaum genutzt. Von gesetzgeberischer Seite sei zudem eine aufmerksame Begleitung der Entwicklungen des mobilen Sektors geboten. "Die Politik sollte mit Vorsicht, aber dennoch wohlwollend tätig werden, um Entwicklungspotenziale nicht bereits im Keim zu ersticken", sagte der Referent.

Vor dem Hintergrund der älter werdenden Bevölkerung und häufig damit einhergehenden körperlichen Einschränkungen sind die Anbieter von Apps Albrecht zufolge zusätzlich gefordert: "Von einer ansprechend gestalteten, einfach zugänglichen und angenehm zu bedienenden App können alle Anwender profitieren." Dazu zählten Gesundheitsinteressierte ebenso wie akut oder chronisch erkrankte Patienten, aber auch medizinisches Fachpersonal.

"Qualität" ist das Stichwort, wenn mobile Technologien Erfolg haben sollen. Liegen Qualitätsprobleme oder Mängel bei der Sicherheit einer App vor, beruht dies nur selten auf einer Absicht der Programmierer. Oft werden aus Unkenntnis die entsprechenden Anforderungen vernachlässigt, was im Zweifelsfall haftungsrechtliche Konsequenzen zur Folge haben kann. App-Hersteller werden von den App-Stores obendrein größtenteils mit ihrer Verantwortung allein gelassen. So liegt es in ihrem eigenen Interesse, sich nicht nur über den Markt, sondern vor allem auch über regulatorische Erfordernisse und bindende Vorgaben zu informieren und diese im gesamten Lebenszyklus der Apps zu berücksichtigen.

Projekt "SMARTGEM"


Ein Projekt, welches bereits seit Juli 2018 erfolgreich läuft, ist SMARTGEM. Dabei handelt es sich um eine Smartphone-gestützte Migränetherapie. Vorgestellt wurde das Projekt auf der Veranstaltung von Dr. med. Lars Neeb, Oberarzt an der Klinik für Neurologie der Charité und Projektleiter von SMARTGEM.

Drei Millionen Menschen in Deutschland leiden an regelmäßigen Migräneanfällen. Ein Kernziel des Projekts SMARTGEM ist die Reduktion der Migräneattacken und des Schmerzmittelverbrauchs. Dadurch wird eine wesentliche Verbesserung der Lebensqualität der Patienten erreicht. "Diese Art der Therapieunterstützung ist ortsunabhängig und rund um die Uhr einsetzbar", erläuterte Neeb.

SMARTGEM besteht im Wesentlichen aus der App "M-Sense" in Verbindung mit digitalen Angeboten wie Sporttrainingsplänen und Entspannungsübungen. Weiteren Anteil an SMARTGEM haben Onlinesprechstunden, ein Expertenchat und ein von Ärzten moderiertes Patientenforum. Außerdem soll durch die App die Kommunikation zwischen Patienten, universitärer Kopfschmerzambulanz und niedergelassenen Ärzten verkürzt und dadurch beschleunigt werden. "Besonders im ländlichen Bereich lebende Menschen können von den Möglichkeiten der App profitieren", sagte Neeb.

Teilnehmen an dem Projekt können Patienten aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, die an mindestens fünf Tagen im Monat an Migräne leiden. Nach Anmeldung in der jeweiligen Kopfschmerz­ambulanz erhalten die Teilnehmer einen Link, der den Zugang zur App "M-Sense Basis" ermöglicht. Die App fragt nach einer Reihe von Daten zur Kopfschmerzerkrankung, der momentanen Lebensqualität und einer möglicherweise vorhandenen Depression. In den darauf folgenden Wochen bis zur persönlichen Vorstellung in der Kopfschmerzambulanz muss man die Einnahme von Medikamenten dokumentieren. Diese Angaben dienen dem behandelnden Arzt zur optimalen Beratung des Patienten.

Die Wirksamkeit von SMARTGEM wird begleitend in einer randomisierten Studie untersucht. Am Projekt SMARTGEM nehmen die Universitätsmedizin Rostock, die Charité - Universitätsmedizin Berlin und das Universitätsklinikum Halle teil. SMARTGEM wird mit Mitteln des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert.

Verfasser/in:
Andreas Pagel
Online-Redaktion der ÄKN




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