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aktualisiert am: 15.11.2019

 

  Selbstverwaltung

Die Lücke zwischen Alt und Jung wird immer größer

KVN: Regionen Bad Pyrmont, Springe, Celle-Nord und Nenndorf besonders betroffen


 


Bei der Entwicklung der Arztzahl-Statistik geht die Schere zwischen Alt und Jung weiter auseinander. Aktuelle Zahlen der Bezirksstelle Hannover der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) zeigen, dass immer mehr Ärztinnen und Ärzte immer näher an die Phase ihres Ruhestandes kommen, aber immer weniger junge Mediziner nachrücken. Statistisch gesehen ist jeder zweite berufstätige Arzt 50 Jahre und älter. Die ärztliche Versorgung im Bereich der Bezirksstelle Hannover ist langfristig gefährdet.

Anlass genug für Dr. Eckart Lummert, Vorsitzender des Bezirksausschusses, und Dr. Bernhard Specker, Geschäftsführer der Bezirksstelle Hannover, auf einem Herbsttreffen am 22. Oktober in Hannover diese Situation mit Landräten, Bürgermeistern und Landtagsabgeordneten aus der Region Hannover und den Landkreisen Celle, Schaumburg und Hameln-Pyrmont zu diskutieren.

"Im Bereich der KVN-Bezirksstelle Hannover, der die Landkreise Celle, Schaumburg, Hameln-Pyrmont und die Region Hannover umfasst, ist die Versorgung mit Hausärzten im Vergleich zu anderen Regionen Niedersachsens noch gut. Das kann sich in Zukunft allerdings ändern", so Dr. Lummert in seiner Begrüßung.

Region Hannover


Dr. Specker stellte in einem Impulsvortrag die aktuellen Zahlen vor. Die Region Hannover teilt sich in die sogenannten Mittelbereiche Barsinghausen, Burgdorf, Garbsen, Großburgwedel, Hannover (Stadt), Isernhagen, Laatzen, Langenhagen, Lehrte, Neustadt, Springe und Wunstorf auf. Die Versorgungsgrade in den meisten Bereichen liegen bei über 100 Prozent. Ausgenommen sind die Mittelbereiche Großburgwedel (94,9 Prozent) und Langenhagen (98,4 Prozent). Die Bereiche Burgdorf, Hannover-Stadt, Laatzen und Wunstorf sind für weitere Hausarztniederlassungen gesperrt. Niederlassungsmöglichkeiten gibt es in den Bereichen Barsinghausen (1 Sitz), Garbsen (1,5 Sitze), Großburgwedel (5 Sitze), Isernhagen (1 Sitz), Langenhagen (4 Sitze), Lehrte (2,5 Sitze), Neustadt (2,5 Sitze) und Springe (1,5 Sitze).

Problematisch ist die Altersstruktur der Ärztinnen und Ärzte in den Regionen. In Barsinghausen sind 28,9 Prozent der Ärzte älter als 60 Jahre, in Burgdorf 23,4 Prozent, in Garbsen 14,3 Prozent, in Großburgwedel 17 Prozent, in Hannover 26,9 Prozent, in Isernhagen 31,3 Prozent, in Laatzen 13,5 Prozent, in Langenhagen 9,4 Prozent, in Lehrte 30,8 Prozent, in Neustadt 29,1 Prozent, in Springe 52,6 Prozent und in Wunstorf 24,2 Prozent.

Landkreise Hameln-Pyrmont, Celle und Schaumburg


Im Landkreis Hameln-Pyrmont gibt es die Mittelbereiche Bad Pyrmont und Hameln. Die Versorgungsgrade in Bad Pyrmont betragen 109 Prozent (0,5 Sitze noch frei) und in Hameln 110,4 Prozent (gesperrt). Von den im Bereich Hameln tätigen 14 Hausärzten sind 10 älter als 60 Jahre - das sind 71,4 Prozent. In Hameln sind von den 89,5 Hausärzten 24 älter als 60 - das sind 26,8 Prozent.

Im Landkreis Celle gibt es die Mittelbereiche Celle und Celle-Nord. Die Versorgungsgrade in Celle betragen 111,9 Prozent (gesperrt) und in Celle-Nord 87,2 Prozent (5,5 Sitze frei). Von den im Bereich Celle tätigen 97 Hausärzten sind 29 älter als 60 Jahre - das sind 30 Prozent. In Celle-Nord sind von den 20,5 Hausärzten 10 älter als 60 - das sind 48,8 Prozent.

Im Landkreis Schaumburg gibt es die Mittelbereiche Bückeburg, Nenndorf, Rinteln und Stadthagen. Die Versorgungsgrade in Bückeburg betragen 108,8 Prozent (0,5 Sitze frei), in Nenndorf 111,7 (gesperrt), in Rinteln 93,5 Prozent (3 Sitze frei) und in Stadthagen 92,6 Prozent (8 Sitze frei). Von den im Bereich Bückeburg tätigen 18 Hausärzten sind 4 älter als 60 Jahre - das sind 22,2 Prozent. In Nenndorf sind von den 23,5 Hausärzten 11 älter als 60 Jahre - das sind 46,8 Prozent. In Rinteln sind von 15 Hausärzten 6 älter als 60 Jahre (40 Prozent) und in Stadthagen von 42 Ärzten 11 älter als 60 (26,2 Prozent).

Fishbowl-Diskussionsrunde


In der anschließenden Fishbowl-Diskussionsrunde, moderiert von Dr. Lummert, äußerte sich Klaus Blome, Bürgermeister von Bad Pyrmont zur ärztlichen Versorgung. "Wir müssen uns um junge Ärzte frühzeitig kümmern. In Bad Pyrmont zeichnen sich schon jetzt Probleme ab", so Blome. Zwar sei die KVN für die Sicherstellung der Versorgung zuständig; doch auch die Gemeinden und Kommunen stünden in der Verantwortung und müssten überlegen, was sie dazu beitragen könnten, dass sich junge Ärzte auch außerhalb der Großstädte niederlassen.

"Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache", sagte Jörg Farr, Landrat des Landkreises Schaumburg. Die statistische Entwicklung zeige klar, dass die demografischen Veränderungen sich auf die ärztliche Versorgung auswirken werden. "Hier besteht dringender Handlungsbedarf, um eine flächendeckende Versorgung aufrechtzuhalten", so der Landrat. Er ist aber der überzeugung, dass alle Beteiligten gemeinsam die Probleme lösen könnten. Das neue Krankenhaus in Vehlen kompensiere einen Teil der Versorgungslücken im Landkreis Schaumburg. "Durch den wegweisenden Zusammenschluss von drei Krankenhäusern kann nun ein deutlich größeres medizinisches Leistungsspektrum auf hohem Niveau wohnortnah angeboten werden", sagte Farr.

Der Landtagsabgeordnete Jörn Schepelmann aus Celle plädierte für eine Aufstockung der Medizinstudienplätze und die Möglichkeit, dass der ärztliche Berufsnachwuchs schneller eingegliedert werden kann. Dies sei für die Zukunft unumgänglich, ergänzte er: "Die Rahmenbedingungen in ländlichen Regionen Niedersachsens müssen verbessert werden, damit das Leben und Arbeiten auch für Mediziner attraktiv bleibt. Der Ausbau der Internetstrukturen und die Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs sind unerlässlich."

Dr. Annegret Vahlbruch, Vorsitzende der KVN-Kreisstelle Burgdorf und Hausärztin in Lehrte, plädierte dafür, die Bedürfnisse der jungen Ärztinnen stärker zu berücksichtigen. "Die Kinderbetreuung für Arztfamilien und die Organisation eines Arbeitsplatzes für Partner oder Partnerin sollten Thema der Gemeinden sein", sagte Dr. Vahlbruch. "Die Gemeinden müssen ihre Attraktivität für Arztfamilien aktiv in die öffentlichkeit tragen", schlug die Hausärztin vor. Die gesunkene durchschnittliche Arbeitszeit und der gestiegene Mehrbedarf müsse logischerweise auf mehr Köpfe verteilt werden. "Der Wunsch nach mehr Teilzeitstellen steigt. Insbesondere Ärztinnen wünschen dies, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Eine gute Kinderbetreuung ist deshalb mehr als nötig - gerade auch zu Zeiten außerhalb des klassischen Betreuungsangebots von neun bis fünf Uhr."

Verfasser/in:
Detlef Haffke
Pressesprecher der KVN
Berliner Allee 22, 30175 Hannover



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