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aktualisiert am: 15.11.2019

 

  Klinik

Bauen an der Zukunft von Gesundheit

Zu Besuch am University Medical Center Groningen (UMCG): Informationsreise der Enquetekommission zur „Sicherstellung der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung in Niedersachsen“


 


Ende 2018 richtete der niedersächsische Landtag die Enquetekommission zur "Sicherstellung der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung in Niedersachsen - für eine qualitativ hochwertige und wohnortnahe medizinische Versorgung" ein. Auf einer der Sitzungen - am 1. April 2019 - stellte zum Beispiel Professor Dr. med. Alexander Friedrich, Leiter der Abteilung für medizinische Mikrobiologie am University Medical Center Groningen (UMCG), den Mitgliedern der Kommission das niederländische Gesundheitswesen vor und präsentierte Aspekte grenzübergreifender Versorgung. Das gab den Ausschlag für das Gremium, sich noch eingehender über das niederländische Gesundheitssystem zu informieren und das UMCG am 25. und 26. August zu besuchen. Dort erhielten die Teilnehmer der Kommission Einblick in das umfangreiche Leistungsspektrum der Groninger Einrichtung hinsichtlich Patientenversorgung, Forschung, Lehre, Weiterbildung und Innovationen.

Facharztbehandlung ist im Krankenhaus angesiedelt


Das niederländische Krankenversicherungssystem basiert auf einer Versicherungspflicht für alle Bürger mit freier Kassenwahl, Kopfpauschalen und reguliertem staatlichen Wettbewerb. Es gilt das Primärarztsystem mit ambulanter ärztlicher Versorgung durch freiberuflich praktizierende Allgemeinärzte. Der Hausarzt fungiert als Lotse, eine fachärztliche Behandlung findet fast ausschließlich im Krankenhaus statt.
Professor Dr. Ate van der Zee, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Groningen, stellte den Teilnehmern der Enquetekommission das Leistungsspektrum seiner Einrichtung vor, die eine von sieben Universitätskliniken in den Niederlanden ist. Als Haus der Maximalversorgung versorgt das UMCG im Gebiet der Nord-Niederlande circa 3,5 Millionen Einwohner, verfügt über ein Traumzentrum mit Trauma­helikopter und beherbergt das größte niederländische Transplantationszentrum. Unter dem Motto "Bauen an der Zukunft von Gesundheit" skizzierte Van der Zee die Exzellenzstrategie in folgenden vier Bereichen:
- Patientenversorgung: Transplantation, Onkologie, Akutversorgung sowie Qualität und Patientensicherheit als Top-Priorität
- Forschung: Healthy Aging
- Lehre und Weiterbildung: Medizin, Zahnmedizin, Biomedical Science, Bewegungswissenschaften sowie die European Medical School Groningen-Oldenburg (EMS)
- Innovation: Regionalisierung, Lifelines, Protonenbehandlung

Ein weiterer Schwerpunkt des UMCG ist die regionale Zusammenarbeit mit Netzwerken von Gesundheitsversorgern und die sektorenübergreifende Versorgung, bei der Hausärzte, Krankenhäuser, Rehakliniken, Pflegeheime, Patiententransporte, Geburtshilfe und ambulante Versorgung kooperieren.

Grenzüberschreitend genutztes Protonentherapiezentrum


Weitere Referenten widmeten sich konkreten Aspekten wie zum Beispiel Optionen, dank derer sich steigende Gesundheitskosten mit der Verfügbarkeit einer guten Gesundheitsversorgung vereinbaren lassen. Zur Sprache kam ebenfalls die Situation der Pflegekräfte einschließlich der Kooperationen zwischen Arzt und Fachpflege. Ferner wurde der Aufbau des Protonentherapiezentrums mit Unterstützung des Euregio als grenzüberschreitendem niederländisch-deutschen Zweckverband vorgestellt.

Als abschließendes Resümee der Teilnehmer und der sehr engagierten Referenten kristallisierte sich die Erkenntnis heraus, dass sich länderübergreifende Herausforderungen wie Fachkräftemangel, steigende Gesundheitskosten und die Gewährleistung einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung - selbst bei unterschiedlich ausgestalteten Gesundheitssystemen - durchaus für länderübergreifende Lösungen eignen.

Verfasser/in:
Dr. med. Martina Wenker
Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen
Kreiskrankenhaus Diekholzen, Am Bahnberg 5, 31199 Diekholzen



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Die Enquetekommission des niedersächsischen Landtags

Am 10. Dezember 2018 beschloss der Niedersächsische Landtag entsprechend der Beschlussempfehlung des Ältestenrats die Einrichtung einer Enquetekommission zum Thema "Sicherstellung der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung in Niedersachsen - für eine qualitativ hochwertige und wohnortnahe medizinische Versorgung". Der Kommission gehören 27 Mitglieder an, 15 Mitglieder des Landtags und zwölf Sachverständige, die keine Abgeordnete sind. Von den Abgeordneten wurden je sechs Abgeordnete von den Fraktionen der SPD und CDU und je ein Mitglied von den Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, FDP und AfD benannt.

Die Sachverständigen wurden im Einvernehmen der Fraktionen benannt, im Einzelnen je ein Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG), der Pflegekammer, des Verbands der Ersatzkassen, der AOK, der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), des Landkreistags, des Städtetags sowie ad personam Professor Dr. rer. pol. Johann-Matthias Graf von der Schulenburg, Vivien Weiß MPH, Professor Dr. med. Nils Schneider, Erwin Jordan. Gemäß Beschluss des Landesvorstands wird die ÄKN von der Präsidentin Dr. med. Martina Wenker vertreten, als Stellvertreter wurden Vizepräsidentin Marion Renneberg und Hauptgeschäftsführer Professor Dr. med. Nils Frühauf benannt.

Unter dem Vorsitz der Abgeordneten Petra Joumaah (CDU) sowie der Stellvertretung Oliver Lottke (SPD) fand am
21. Januar 2019 die konstituierende Sitzung der Enquetekommission statt mit Informationen der Landesregierung über rechtliche Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen, landespolitische Handlungsspielräume sowie gesetzgeberische Kompetenzen und Zuständigkeiten. Die Kommission tagt seither jeweils montags und berät die Themenfelder Notfallversorgung, ambulante und stationäre Versorgung sowie die Versorgung im öffentlichen Gesundheitsdienst. Hauptanliegen der Enquetekommission ist die Erarbeitung von Lösungsansätzen im Gestaltungs- und Ermessensbereich des Landes und der niedersächsischen Kommunen sowie der landesunmittelbaren Leistungserbringer und Kostenträger. Dabei sind der demografische Wandel, der medizinische Fortschritt und Möglichkeiten der zunehmenden Digitalisierung einzubeziehen.


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