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nä 10/2019
aktualisiert am: 15.10.2019

 

  Telemedizin & Digita

Reden genügt oft schon

„Arbeitskreis Patienteninformation“ der Landesvereinigung für Gesundheit feierte 20jähriges Bestehen mit Symposium zu aktuellen Fragen der Gesundheitskompetenz und der Wissensvermittlung zur Gesunderhaltung


 


Trotz oder vielleicht auch wegen medialer Reizüberflutung ist es mit der "Gesundheitskompetenz" der Patienten hierzulande neuesten Untersuchungen zufolge nicht sehr gut bestellt. Für den "Arbeitskreis Patienteninformation" der Landesvereinigung für Gesundheit war das Datum seines 20jährigen Bestehens am 24. September daher Anlass, zu einem Symposium über "Anforderungen an gesundheitskompetente Organisationen" einzuladen.

Gesundheitskompetenz beschreibt die Fähigkeit, gesundheitsrelevante Informationen finden, verstehen, beurteilen und anwenden zu können. Doch ist diese Definition nach der Erkenntnis, dass mehr als 50 Prozent der Deutschen nicht gesundheitskompetent sind, eigentlich noch zutreffend? Prof. Dr. Marie-Luise Dierks, MHH, sprach sich für eine veränderte Fragestellung aus: "Wie unterstützen wir das Gesundheitssystem, Gesundheitskompetenz zu fördern?" Nicht der Patient habe sich mit dem komplexen Gesundheitssystem auseinanderzusetzen, sondern "das System hat sich mit der Komplexität des Patienten zu befassen." Bei den Gesundheitsorganisationen allerdings habe sich diese Zielsetzung noch nicht sehr herumgesprochen.

Informationsvermeidungskompetenz?


Dass der Patient aber kein einfach zu informierendes Wesen ist nach der Devise "Informationsvermittlung - Informationsaufnahme - Verhaltensänderung", betonte Prof. Dr. Eva Baumann von der Hochschule für Musik, Theater und Medien, Hannover. Das soziale, ökonomische und kulturelle Umfeld des Patienten, seine individuellen Voraussetzungen, aber auch Kommunikationshemmnisse und schließlich auch eine mögliche Tendenz zur Informationsvermeidung müssten bei allen Versuchen, Patienten über gesundheitliche Aspekte zu informieren, berücksichtigt werden.

Wie das in der Praxis aussehen kann, referierten Torsten Stiewe vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Dr. Ralf Suhr von der Stiftung Gesundheitswissen sowie Christina Merkel von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Ihre Organsiationen stellen in zunehmendem Maße auf die digitalen Medien ab. Kurze Filme zu gesundheitlichen Themen treten mehr und mehr an die Stelle von Textinformationen; unter ihnen stoßen animierte Erklärfilme auf mehr Zuspruch beim Publikum im Vergleich etwa zu Clips mit Experteninterviews zu bestimmten Themenstellungen. Rund ein Drittel der Adressaten sehen sich YouTube-Videos zu gesundheitlichen Themen an, darunter überwiegen, wenig überraschend, die Altersgruppe der 18- bis 39jährigen und Gruppen mit niedrigem sozioökonomischem Status. Zwar sind Patientenfilme "der Renner", so Dr. Ralf Suhr. Dennoch betonte Christina Merkel, eine "ausgewogene Mischung aller bewährten Komponenten zur optimalen Erreichbarkeit der Zielgruppe" sei unverzichtbar.

Information ist ökonomie


Sind das nun kommunikationstheoretische Spielwiesen auf hoher Abstraktionsebene? Keineswegs, waren sich die Patientenfürsprecher und Juristen einig, die in einer abschließenden Gesprächsrunde ihre persönlichen Erfahrungen einbrachten. Noch immer werde aus ökonomischen Gründen an einer intensiven Patienteninformation gespart. Es gebe zu wenig Kommunikation, das werde nur zögernd anerkannt. Dabei zeigten Untersuchungen, dass rund 20 Prozent der Patienten beispielsweise mit dem Ergebnis orthopädischer Operationen nicht zufrieden seien. Mehr Zeit für Patientengespräche könnten oft im Vorfeld falsche Erwartungen korrigieren und unnötige Behandlungsschritte auch vermeiden. Damit käme der Patientenaufklärung dann auch ein hoher ökonomischer Nutzen zu. "Reden genügt oft schon", brachte Patientenfürsprecher Hans-Joachim Mahnkopf seine Erfahrung aus langjähriger Tätigkeit auf den Punkt.

Verfasser/in:
Dr. Uwe Köster
Pressestelle der KVN
Berliner Allee 22, 30175 Hannover



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KBV-Zukunftspraxis: Smarter Telefonassistent startet in Praxen

In rund 50 Praxen, auch in Niedersachsen, soll ab sofort die Software Aaron.ai getestet werden. Erste Praxen haben mit der Evaluation des smarten Telefonassistenten begonnen. Die Software verspricht eine bessere telefonische Erreichbarkeit und Entlastung des Empfangs in den Praxen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Dabei wird in Einzelpraxen, aber auch in Medizinischen Versorgungszentren untersucht, welche Auswirkungen der Einsatz des interaktiven Anrufbeantworters auf Effizienz, Effektivität und Qualität der Versorgung hat sowie seine Akzeptanz bei den Patienten. Des Weiteren werden mögliche organisatorische und technische Herausforderungen bei der Implementierung in vorhandene Praxisstrukturen analysiert.

Aaron.ai ist die erste Anwendung aus dem Projekt "KBV-Zukunftspraxis", die in die Phase der Evaluation geht. Mit dem Projekt KBV-Zukunftspraxis treibt die KBV die Digitalisierung im Gesundheitswesen weiter voran. In einem Ideenwettbewerb wurden 2018 zehn Unternehmen ausgewählt, mit deren innovativen Produkten gezeigt werden soll, wie sich eine sinnvolle Digitalisierung der Gesundheitsversorgung in Deutschland gestalten lässt.

Die KBV will allen Teilnehmern einen Start des Praxistests in den nächsten Monaten ermöglichen. Dazu gehören:
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- KLINDO -digitale Erfassung und Auswertung von standardisierten psychometrischen Fragebögen
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