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aktualisiert am: 15.10.2019

 

  Patientensicherheit

Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei

Mit multiprofessionellen Teams zu mehr Patientensicherheit


 


Ob in Praxen, ambulanten Einrichtungen, auf den Stationen von Krankenhäusern, im Operationssaal oder bei einzelnen Projekten: Ein Großteil der Patientenbehandlung geschieht heute im Team. Eine gelungene Teamarbeit ist somit aus dem Alltag des Gesundheitswesens nicht mehr wegzudenken und zählt vielmehr zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren. Dabei stellt die hohe Interdisziplinarität der Teams eine besondere Herausforderung dar.

Aber was macht nun gute Teamarbeit aus - beziehungsweise wann arbeiten Teams effektiv? Um das herauszufinden hat ein Forscherteam von Google im Rahmen des "Project Aristotle" 180 herausragende sowie weniger leistungsstarke Teams des Unternehmens in Hinblick auf ihre Effektivität verglichen. Der Name des Projekts wurde dabei nicht grundlos gewählt. Er leitet sich aus dem Zitat "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile" des Philosophen Aristoteles ab.

Das Projektteam kam zu dem Ergebnis, dass Teameffektivität weniger von den einzelnen Personen im Team abhängt, sondern eher von der Art und Weise, wie sie zusammenarbeiten. Als wichtigster Erfolgsfaktor wurde die psychologische Sicherheit ermittelt. In einem Team mit hoher psychologischer Sicherheit können Teammitglieder selbstsicher alles äußern, ohne befürchten zu müssen, dass andere Mitglieder sie be- oder verurteilen.

Der amerikanische Unternehmensberater Patrick Lencioni beschreibt in seinem Buch "Die 5 Dysfunktionen eines Teams" durch welche Fehlfunktionen Bestleistungen von Teams verhindert werden:

- Fehlen von Vertrauen: Offene Kommunikation wird durch die Angst, verletzlich zu sein, verhindert.
- Angst vor Konflikten: Kritische Auseinandersetzungen werden durch den Wunsch nach Harmonie verhindert.
- Fehlen von Selbstverpflichtung: Teammitglieder bringen ihre Meinung nicht offen zur Sprache und stehen deshalb anschließend nicht hinter den im Team getroffenen Abmachungen.
- Keine gegenseitige Verantwortlichkeit: Teammitglieder werden aufgrund des Wunsches, Konflikte zu vermeiden, daran gehindert, sich gegenseitig verantwortlich zu machen.
- Keine Ergebnisorientierung: Teammitglieder stellen ihre individuellen Ziele oder die Bedürfnisse ihrer Abteilung über die Teamziele.

Die Basis jeder herausragenden Teamleistung ist also die Interaktion im Team und das gegenseitige Vertrauen der Teammitglieder. Hochleistungsteams bestehen aus Fachkräften, die das Zusammenarbeiten im Team trainieren und sich regelmäßig weiterbilden. Zurzeit werden im Gesundheitswesen immer häufiger vorbildliche Verfahren aus anderen Branchen adaptiert: Teamtrainings in Simulationsumgebung, Debriefings zur Evaluation der Zusammenarbeit oder die chirurgische Checkliste zum Beispiel. Sind sich die Führungskräfte dieser Tatsachen bewusst, können sie optimale Bedingungen für ihre Teams und damit die sichere Behandlung der Patienten schaffen.

Verfasser/in:
Lena Strodtmann, M.A.
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Literatur:


Duhigg, Charles (2016) What Google Learned From Its Quest to Build the Perfect Team. The New York Time Magazine. Abrufbar unter: https://www.nytimes.com/2016/02/28/magazine/what-google-learned-from-its-quest-to-build-the-perfect-team.html?smid=pl-share . Letzter Aufruf: 17.04.2019.

Lencioni, Patrick (2002) The Five Dysfunctions of a Team - A Leadership Fable. San Francisco, CA: Jossey-Bass.


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