Logo Hannoversche Ärzte-Verlags-Union
Karl-Wiechert-Allee 18-22
30625 Hannover
info@haeverlag.de
nä 08/2019
aktualisiert am: 15.08.2019

 

  Ehrenamt

Hilfe für Menschen in Not

Die Niedergerke Stiftung in Hannover, die Orgelfreunde Osnabrück und die Dr.-Gabriele-Ruge-Stiftung aus Friesland: Ärzte engagieren sich für Obdachlose, Geflüchtete, Mittellose, Kranke sowie für Kinder und Jugendliche


 


Den Mitmenschen zu helfen, gehört bei Ärztinnen und Ärzten zur Urmotivation für den eigenen Beruf. Viele von ihnen engagieren sich deshalb immer wieder in den sogenannten Entwicklungsländern, um auch den Menschen dort medizinisch zu helfen. Das haben die Niedergerkes - ein Arztehepaar aus Hannover - früher ebenfalls gemacht. Es ist schon etliche Jahre her, da beteiligten sie sich mit einem größeren Betrag an einem Beatmungsgerät und schickten es in ein Krankenhaus in Addis Abeba. "Aber anschließend haben wir nie wieder etwas davon gehört", erinnern sich Ricarda und Udo Niedergerke. Inzwischen sind die Gynäkologin und der Internist im Ruhestand. Aber sie wollten mehr, als nur zu reisen und sich um Haus wie Garten zu kümmern: Schon in ihrer aktiven Zeit als Ärzte haben sie Menschen geholfen, die in ihre Praxen kamen und in Not waren. Deshalb entschied das Arztehepaar Ende 2008, unter dem Dach der Bürgerstiftung Hannover eine eigene Stiftung zu gründen und Menschen in Hannover und in der Region zu helfen, "die keine Lobby haben", wie Udo Niedergerke sagt - "und mit denen niemand etwas zu tun haben will", wie seine Frau Ricarda ergänzt.

Hilfe für all jene, die keine Lobby haben und mit denen niemand etwas zu tun haben will


Mittlerweile haben sie fast 400.000 Euro Spenden gesammelt, mit denen sie Projekte, aber auch einzelne Menschen unterstützten oder medizinische Geräte - etwa für die Malteser Migranten Medizin - kauften. Dabei liegen den Niedergerkes die Wohnungs- und Obdachlosen besonders am Herzen. "Die Straße tötet", sagt Udo Niedergerke, "ihre Lebenserwartung liegt unter 50 Jahren." Deshalb versucht das Ehepaar auf vielfältige Weise, diesen Menschen beizustehen. Die Verkäufer des Obdachlosenmagazins "Asphalt" statteten sie zum Beispiel mit warmen Jacken für die Winterzeit aus. 155 warme Mützen aus Fleece-Stoff steuerten zudem Schüler des Erich-Kästner-Gymnasiums aus Laatzen bei, die sie eigens für die Straßenverkäufer genäht hatten. Dann initiierten die Niedergerkes 2017 zusammen mit dem Diakonischen Werk und der Stadt Hannover die Aktion "Mein Hannover - Menschen ohne Wohnung fotografieren ihre Stadt". Mit von dem Unternehmen Rossmann gespendeten Einwegkameras dokumentierten Wohnungslose ihre Sicht auf die Stadt. Das Ergebnis war neben einem Katalog eine viel beachtete Wanderausstellung. Die Fotografen erhielten für ihren abgegebenen Film wiederum einen Einkaufsgutschein in Höhe von 40 Euro.

Neue Perspektiven für Wohnungslose


Ende des vorigen Jahres starteten die Niedergerkes gemeinsam mit dem Caritasverband unter dem Motto CariHope erneut ein größeres Projekt für Obdachlose. Das Ziel ist, Betroffenen langfristig den Ausstieg aus der Wohnungslosigkeit zu ermöglichen. Dafür wird ihnen in einem ersten Schritt in Metallspinden im Caritas-Gebäude ein sicherer, trockener Aufbewahrungsort für ihre Habseligkeiten angeboten. Durch die Anschubfinanzierung der Niedergerke Stiftung in Höhe von 25.000 Euro erhielt zudem ein ehemaliger Wohnungsloser als Betreuer der Schränke und der Räumlichkeiten einen Arbeitsplatz.

Besonders freut es die Stifter allerdings, wenn sie Menschen persönlich helfen können: Wie Dieter Joachim aus einem Männerwohnheim in Hannover, der mit Schuhgröße 48 kein passendes Schuhwerk zu finden wusste und dessen Füße in der Folge wund wurden und sich entzündeten. Er erhielt ein robustes Paar neue Lederschuhe und die Wunden heilten ab. Aber auch bei medizinischen Notfällen wie der kleinen Celina aus Lehrte, die mit einer Kopfasymmetrie auf die Welt kam, springen die Niedergerkes immer wieder ein. Die Krankenkasse hatte die Finanzierung einer Regulierung abgelehnt, da die Erkrankung nicht lebensbedrohlich war. Auf Ersuchen der Ärztin Hannelore Willenborg aus dem Diakovere Annastift in Hannover habe die Stiftung die Kosten für die Behandlung in Höhe von 1.519 Euro übernommen, erzählt Ricarda Niedergerke. Für sie und ihren Mann stehen die Menschen im Mittelpunkt. Als sie 2015 von 15 Männern, die aus dem Sudan und von der Elfenbeinküste nach Lehrte gekommen waren, hörten, entschied sich das Paar spontan, der Gruppe einen Sprachkurs zu finanzieren. Um auch Flüchtlingen oder Aussiedlern helfen zu können, haben die Niedergerkes daher 2014 den Stiftungszweck erweitert.

Denn bereits 2013 unterstützten sie das Caritas-Projekt "Raphaelo" mit 31.000 Euro, das Familien und einzelnen Personen beim Auszug aus hannoverschen Flüchtlingswohnheimen eine persönliche Betreuung zur Seite stellte. Frisch begonnen hat ferner in diesem Sommer ein gemeinsam mit der AWO - Arbeiterwohlfahrt Region Hannover e.V. organisiertes Projekt unter dem Titel "Fit in den Kindergarten". Es richtet sich hauptsächlich an in einer städtischen Unterkunft in Hannover untergebrachte Roma-Familien, deren Kinder meist noch keinen Platz in einer Tagesstätte erhalten haben. Das Angebot in den Räumen der Obdachlosenunterkunft bietet Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren die Gelegenheit, mit einer Sozialpädagogin zu spielen, zu basteln und auch auf Deutsch vorgelesen zu bekommen.

Schwimmkurse für Geflüchtete


Inzwischen starteten die beiden Ärzte außerdem zum zweiten Mal Schwimmkurse für Menschen mit Migrationshintergrund. Diesmal finden die Anfängerkurse in Kooperation mit dem Unterstützerkreis Flüchtlingsunterkünfte Hannover e.V. (UFU) statt, gefördert mit 15.000 Euro durch die niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung. Noch werden Paten für die verschiedenen Kurse gesucht, um die Teilnehmergebühren in Höhe von 100 Euro zu finanzieren.

Aber nicht nur für die Schwimmkurse benötigen die Niedergerkes Unterstützung. Um Menschen in Notlagen helfen zu können, sind sowohl Mitstreiter und Helfer als auch Gelder vonnöten. Einen Großteil ihres Etats erzielt die Stiftung durch ihre jährliche Benefizgala im GOP in Hannover. Unter dem Motto "Wir lassen niemandem im Regen stehen ..." wird auch in diesem Jahr am Montag, 14. Oktober 2019 ab 19.30 Uhr unter der Schirmherrschaft des niedersächsischen Ministerprä­sidenten Stephan Weill ein kurzweiliges Varieté-Programm geboten. (Karten sind ab sofort unter http://www.variete.de erhältlich.)

Vorweihnachtliches Drehorgelspiel zur Unterstützung von Osnabrücker Kindern


Aber es gibt noch mehr Ärzte, die sich engagieren: über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg galt der Drehorgelspieler Aloys Mussenbrock als Institution in Osnabrück. Seit 1981 sammelte er mit seiner Orgelmusik unermüdlich Spenden für behinderte Menschen. Als das stadtbekannte Original 2004 starb, entschieden die beiden Osnabrücker Kinderärzte Dr. med. Michael Ollefs und Dr. med. Ekkehard Thiele, in die Fußstapfen des sozialen Wohltäters zu steigen: "Wir besorgten uns ei­ne Orgel und sind seitdem jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit an den Adventsamstagen unterwegs", erzählt Ollefs. Das unterstützte Projekt wird dem Mitbegründer der "Orgelfreunde Osnabrück" zufolge jedes Jahr neu ausgewählt. "Aber es müssen immer Organisationen aus Osnabrück sein und das Geld muss Kindern zugute kommen", beschreibt Ollefs die Voraussetzungen. Waren es früher vor allem Kinderärzte, die sich bei den Orgelfreunden engagierten, so hat sich der Mitgliederkreis inzwischen ein wenig erweitert. In diesem Jahr sammeln die Orgelfreunde für die Behindertenhilfe St. Johann Osnabrück. Im vorigen Jahr konnten sie das Projekt "Jedes Kind braucht einen Engel" der Petrusgemeinde mit der Rekordsumme von 13.800 Euro unterstützen.

Hilfe für krebskranke Kinder und Jugendliche von der Dr.-Gabriele-Ruge-Stiftung


Dem Andenken an eine Kinderärztin aus Jever gewidmet ist die Dr.-Gabriele-Ruge-Stiftung. Von Dr. med. Gabriele Ruges Schwestern 1998 gegründet, konzentriert sich diese kleine Stiftung auf die Unterstützung von an Krebs erkrankten Kindern sowie deren Eltern im Raum Wilhelmshaven, Friesland und Ostfriesland. Die Mittel sollen sowohl der Ausstattung von Therapieeinrichtungen als auch der Rehabilitation der Patienten zugute kommen. Des Weiteren werden die Familien der Patienten unterstützt. In der Vergangenheit erhielten zum Beispiel Angehörige aus der Region Weser-Ems eine psychotherapeutische Betreuung - finanziert durch die Stiftung.

Seit 2010 engagiert sich die Dr.-Gabriele-Ruge-Stiftung gemeinsam mit Eltern- und Selbsthilfevereinen außerdem für das Projekt SpielRAUM auf der kinderonkologischen Station im Klinikum Oldenburg. Inzwischen werden die Kosten zu fünfzig Prozent vom Kostenträger übernommen. In dem Spielzimmer auf der Station 262 bietet Heilpädagogin Daniela Lüker den krebskranken Kindern nun während ihres stationären Aufenthalts Entspannung und Abwechslung an. Aber sie begleitet die Patienten auch bei medizinischen Maßnahmen. "Ihr ist es zu verdanken, dass manch eine Untersuchung ohne Narkose gemacht werden kann", weiß Dr. med. Barbara Wickenburg-Ennen, die als Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin dem Beirat der Stiftung angehört. Die in Schortens niedergelassene Ärztin, die ihre Zeit als Assistenzärztin selbst in der Oldenburger Kinderklinik verbracht hat, plant im nächsten Jahr beim traditionellen Jever-Fun-Lauf für die Dr.Gabriele-Ruge-Stiftung anzutreten: "Ich habe überlegt, auch interessierte Kollegen anzusprechen, damit sie sich sponsern lassen. Mal sehen, was wir zusammenbekommen können."

Verfasser/in:
Inge Wünnenberg
Redakteurin niedersächsisches ärzteblatt




inhalt 08/ 19
service
anzeigenaufgabe
leserbrief
umfragen
archiv
 



Bezirksstelle Hannover sucht Paten für Schwimmkurse


Mit Unterstützung der niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung und der Bezirksstelle Hannover der Ärztekammer Niedersachsen bieten die Niedergerke Stiftung aus Hannover und der Unterstützerkreis Flüchtlingsunterkünfte Hannover e.V. (UFU) wieder Schwimmkurse für Geflüchtete an. Die Unkosten sind durch eine Spende der Lotto-Sport-Stiftung abgedeckt, aber für die Teilnehmer fallen noch Gebühren in Höhe von jeweils 100 Euro an. Den Geflüchteten fehlt allerdings dafür in der Regel das Geld. Deshalb sucht die Bezirksstelle Hannover nach Spendern, die eine Patenschaft übernehmen. Interessierte können sich an die Ärztekammer Niedersachsen unter der Telefonnummer 0511 380-2620 wenden oder unter der E-Mail-Adresse niedergerke-hannover@t-online.de an die Ricarda und Udo Niedergerke Stiftung.


Alle Inhalte © Hannoversche Ärzte-Verlags-Union 1998-2019. Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 15.08.2019.
Design by webmaster[at]haeverlag[punkt]de, Support. | Impressum & Datenschutzerklärung