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nä 08/2019
aktualisiert am: 15.08.2019

 

  Editorial

Sicherstellung nine to five?


 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plant, die Notfallversorgung in Deutschland auf ganz neue Grundlagen zu stellen. Ein Kerngedanke dabei: Der Sicherstellungsauftrag der KVen für diesen Bereich soll auf die Länder übergehen, die dann die Hoheit bei der Notfallversorgung haben.

Na und? mag manch einer jetzt aufatmen - dann wäre es ja endlich vorbei mit den Bereitschaftsdiensten. Die KVN kümmert sich um die ambulante Versorgung von 9 bis 17 Uhr - für den Rest ist dann das Land zuständig. Doch das wäre zu kurz gedacht. Der Spahn-Ansatz käme wie ein Bumerang auf die niedergelassenen Ärzte zurück.

Ganz raus aus der Notfallversorgung wären die KVen ohnehin nicht. Die Nummer 116117 sollen sie für Terminvermittlungen und die Telefontriage weiterhin betreiben, aber zusammen mit der 112 der Rettungsdienste. Der Koordinationsbedarf wäre enorm.

Die Versorgung der Patienten könnten wir nicht einfach den Krankenhaus-Notaufnahmen in die Hand drücken. Dort sollen "Integrierte Notfallzentren" entstehen, die rund um die Uhr die Ersteinschätzung und -versorgung der Notfälle vornehmen. Krankenhäuser und KVen werden vergattert, sie gemeinsam zu betreiben. Dann hätten wir einen neuen medizinischen Sektor, der von den anderen Bereichen finanzielle Mittel und Personal absaugt. Kaum vorstellbar, dass die Krankenkassen ihn finanzieren, ohne an anderer Stelle die Vergütungsschraube zurückzudrehen. Und woher sollen die Ärzte für die Notfallzentren kommen? Gibt es dann noch eine Dienstverpflichtung für Niedergelassene? Werden die Dienste ganz auf Freiwilligkeit abgestellt? Oder müssen dafür Ärzte angestellt werden, die uns dann in der Niederlassung fehlen?

Die Bundesländer hätten kaum die Kompetenz, dies umzusetzen. Sie erhielten zwar den Sicherstellungsauftrag, würden dann aber wahrscheinlich die KVen beauftragen, ihn wahrzunehmen.

"Von der Pflicht zum Recht" - unter diesem Motto wollten wir den Bereitschaftsdienst auf freiwillige Teilnahme abstellen. Für die KVen käme es wohl umgekehrt: Aus dem Auftrag zur Sicherstellung würde eine Pflicht. Am Ende müssten wir uns weiter um die Notfälle kümmern - aber nicht mehr als unabhängiger Gestalter, sondern als reglementierter Dienstleister für das Land. Damit wäre nichts gewonnen, aber viel verloren.

Herzlichst Ihre

Mark Barjenbruch
Vorstandsvorsitzender der KVN

Dr. Jörg Berling
Stellv. Vorstandsvorsitzender der KVN

Verfasser/in:
Mark Barjenbruch
Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen
Berliner Allee 22, 30175 Hannover

Dr. med. Jörg Berling
Stellvertr. Vorstandsvorsitzender der KVN
Berliner Allee 22, 30175 Hannover



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