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aktualisiert am: 15.06.2019

 

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Vorsicht bei dem Einsatz von Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone


 


Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone können in seltenen Fällen schwere und anhaltende Schädigungen an Sehnen, Muskeln, Gelenken und am Nervensystem bewir-ken, warnte jetzt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die Behörde hatte vor gut zwei Jahren ein europäisches Risikobewertungsverfahren zu den Antibiotika initiiert, die schon länger im Ruf stehen, schwerwiegende Nebenwirkungen auszulösen. Bereits Ende 2016 hatte die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) über Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der systemischen Anwendung von Fluorchinolonen berichtet und empfohlen, diese Antibiotika restriktiver zu verordnen und nur noch als Reserveantibiotika einzusetzen.

Das Ergebnis des EU-Verfahrens ist ein Rote-Hand-Brief, den das BfArM jetzt zusammen mit den Pharmafirmen veröffentlichte. Darin wird über Einschränkungen der Anwendungsgebiete und eine Präzisierung der verbleibenden Indikationen informiert. Von den Änderungen betroffen sind alle Fluorchinolone, die oral eingenommen, injiziert oder inhaliert werden. Konkret geht es um die in Deutschland zugelassenen Wirkstoffe Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin.

Im Rote-Hand-Brief wird nun explizit empfohlen, Fluorchinolone bei nicht schweren oder selbstlimitierenden Infektionen wie Pharyngitis, Tonsillitis oder akuter Bronchitis nicht mehr einzusetzen. Das gleiche gilt für andere leichte bis mittelschwere Infektionen, zum Beispiel eine unkomplizierte Zystitis oder die Exazerbation einer chronischen Bronchitis und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD).

Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hat nun zur Veranschaulichung die Risiken für die Bevölkerung durch Fluorchinolone hochgerechnet: Etwa fünf Prozent der GKV-Versicherten hätten 2018 ein Fluorchinolon-Antibiotikum verordnet bekommen, meldete das WIdO jetzt. Bei schätzungsweise 3,3 Millionen Patienten, die in Deutschland im Rahmen von 3,5 Millionen Therapien in dem Jahr mit Fluorchinolonen behandelt worden seien, sei davon auszugehen, dass mehr als 40.000 Patienten zusätzlich von Nebenwirkungen wie einer Schädigung des Nervensystems, der Hauptschlagader oder einem Sehnenriss betroffen gewesen seien und sich 140 zusätzliche Todesfälle ereignet hätten. "Zukünftig müssen Patienten intensiv über die Gefahren und Alternativen dieser Medikamente aufgeklärt werden und im Schadensfall gezielt Unterstützung bekommen", forderte daher Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO.

Verfasser/in:
Inge Wünnenberg
Redakteurin niedersächsisches ärzteblatt




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