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nä 06/2019
aktualisiert am: 15.06.2019

 

  Telemedizin & Digita

App auf Rezept

Das Digitale Versorgungs-Gesetz (DVG) ist das nächste Vorhaben aus dem Hause Spahn. Es soll die Gesundheitsversorgung in Deutschland endgültig auf die Datenautobahn bringen. Was steht Ärzten und Patienten bevor?


 


Mit einem neuen Gesetzentwurf will Bundesgesundheitsminister Spahn die digitale Versorgung verbessern. Seit Anfang Mai liegt der Referentenentwurf vor, der digitale Anwendungen im Versorgungsalltag verankern soll. Besonderer Clou: Patientinnen und Patienten können sich dann Gesundheits-Apps wie Arzneimittel vom Arzt verschreiben lassen können.

Ein ganzes Maßnahmenbündel will Gesundheitsminister Jens Spahn auf den Weg bringen, um im deutschen Gesundheitswesen die digitale Wende zu erreichen:

Leistungsanspruch: Versicherte erhalten einen Anspruch auf digitale Gesundheitsanwendungen. Beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte wird ein Verfahren etabliert, das über die Einführung digitaler Leistungen in die Regelversorgung entscheidet. Dort wird ein amtliches Verzeichnis erstattungsfähiger digitaler Gesundheitsanwendungen erstellt.

Telematikinfrastruktur: An die Telematikinfrastruktur müssen sich auch Apotheker (bis 31. März 2020) und Krankenhäuser (bis 1. März 2021) andocken. Hebammen, Physiotherapeuten und Pflege- und Reha-Einrichtungen erhalten die Möglichkeit, sich freiwillig anzuschließen.

Elektronische Patientenakte (ePA): Ab 1. Januar 2021 erhalten Versicherte einen Anspruch auf Speicherung ihrer medizinischen Daten aus der vertragsärztlichen Versorgung auf einer ePA. Die Krankenkassen müssen zertifizierte ePA zur Verfügung stellen. Das Anlegen der ePA und die Datenspeicherung wird den Ärzten vergütet. Ärzte müssen Patienten bei der Verwaltung der ePA unterstützen. Die Gematik muss bis zum 31. März 2021 die technischen Voraussetzungen dafür schaffen, dass Impfausweis, Mutterpass, Kinder-Untersuchungsheft und das Zahn-Bonusheft Bestandteil der ePA werden.

Telemedizin: Telekonsile werden ermöglicht und extrabudgetär vergütet. Die Möglichkeiten, eine Videosprechstunde in Anspruch zu nehmen, werden vereinfacht.

Einfachere Verwaltung: Der freiwillige Beitritt zu einer gesetzlichen Krankenkasse soll künftig elektronisch möglich sein. Kassen dürfen dann elektronisch über neue Versorgungsangebote informieren. Der elektronische Arztbrief wird weiter gefördert. Die Selbstverwaltung wird verpflichtet, die Voraussetzungen für eine elektronische Verordnung von Heil- und Hilfsmitteln zu schaffen.

Digitale Innovationen: Krankenkassen sollen künftig die Entwicklung digitaler Innovationen fördern und dafür bis zu zwei Prozent ihrer Finanzreserven einsetzen können.

Innovationsfonds: Der Innovationsfonds wird weitergeführt und bis 2024 mit 200 Millionen Euro jährlich gefördert. Der Förderverfahren wird weiterentwickelt, auch Leitlinien sollen künftig über den Innovationsfonds gefördert werden können.

Regelversorgung: Es soll ein Verfahren entwickelt werden, mit dem erfolgreiche Versorgungsansätze aus der Förderung des Innovationsfonds in die Regelversorgung überführt werden.

Die Technik soll bei der Masse der Patienten ankommen. Sie werden in Zukunft einen Anspruch auf digitale Medizinprodukte haben, die bei Verletzungen oder Behinderungen zur überwachung, Linderung, Behandlung oder Kompensation dienen. Mit einem Wort: Die "App auf Rezept" kommt - im Idealfall wohl gleich auf eRezept, das dann zum Download eines zertifizierten Programms berechtigt. Mit einem Wort: Versicherte sollen sich in Zukunft Apps verschreiben lassen können, die der Gesunderhaltung dienen oder einen Genesungsprozess unterstützen.

Wie schon bei der Einführung des TSVG zögert Jens Spahn nicht, auch Druck auszuüben, um seine Ziele durchzusetzen. Es ist das bekannte "Zuckerbrot und Peitsche - Prinzip":
- Bessere Vergütung für die Nutzung digitaler Prozesse, dafür aber geringere Vergütung des Telefaxes
- Honorarkürzung für TI-Verweigerer in Höhe von 2,5 Prozent ab dem 1. März 2020

Anders als beim TSVG sind für die Umsetzung des Digitale Versorgungs-Gesetzes jedoch technische Entwicklungen erforderlich. Es bleibt abzuwarten, ob Entwickler und Industrie sich in die ehrgeizigen Pläne des Ministers einfügen werden.

Verfasser/in:

KVN




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