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nä 06/2019
aktualisiert am: 15.06.2019

 

  Selbstverwaltung

Noch einmalig in Niedersachsen

KVN-Vize Dr. Jörg Berling besichtigte ein Stück Pionierarbeit: Das erste Medizinische Versorgungszentrum in Niedersachsen in kommunaler Trägerschaft


 


Vor knapp einem Jahr hat das erste und bisher einzige Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in kommunaler Trägerschaft seine Tätigkeit aufgenommen. In Werlte im Emsland, das sich mit seinen gut 10.000 Einwohnern seit 2017 Stadt nennen darf, hat die Verwaltung der Stadt einen Auftrag aufgrund eines Stadtratsbeschlusses von 2016 umgesetzt und eine kommunale Anstalt des öffentlichen Rechts (KAöR) als Träger des MVZ Werlte gegründet. Unmittelbarer Anlass dafür war, dass eine der drei hausärztliche Praxen vor Ort im Sommer 2018 ohne einen Nachfolger ihre Türen schloss. Am 25. April nahm KVN-Vize Dr. Jörg Berling die Einrichtung in Augenschein.

"Wir haben damit für uns völlig unbekanntes Neuland betreten" erklärt der erste Stadtrat Christian Rüve gegenüber Dr. Jörg Berling, stv. Vorstandsvorsitzender der KVN, anlässlich dessen Hospitation am 25. April. "Wir mussten uns sowohl medizinische Fachexpertise als auch fachjuristischen Rat einholen" bekennt Rüve und ergänzt: "Dabei war und ist uns ein wichtiges Anliegen, den anderen traditionell selbständig tätigen Ärzten in Werlte und Umgebung keine ungeliebte Konkurrenz zu sein. Darum haben wir sie frühzeitig in unsere überlegungen einbezogen."

Berling, selbst Hausarzt, durfte sich bei seinem Besuch davon überzeugen, dass die beiden angestellten Hausärzte Khalouh Almoalem und Hedwig Kröger das übliche diagnostische und therapeutische Spektrum aus der typischen hausärztlichen Versorgung anbieten mit Vorsorgeuntersuchungen, Sonografien, EKG, Lungenfunktionsprüfung etc. Attraktiv dürfte für die beiden Kollegen und möglicherweise zukünftige junge Ärzte sein, dass sie sich im MVZ Werlte auf ihre ärztliche Tätigkeit konzentrieren können. Sie werden nahezu komplett von administrativen Aufgaben und betriebswirtschaftlichen Arbeiten inklusive Honorarabrechnung für GKV- Patienten und Privatpatienten und Personalführung und -planung entlastet", hob Berling hervor. Diese Arbeiten werden von Johannes Kassens als Geschäftsführer des MVZ und seinem Stellvertreter sowie Claudia Schwarte als medizinischer Fachangestellter erledigt.
"Für ein MVZ in kommunaler Trägerschaft, wie es der Gesetzgeber erst seit 2015 möglich gemacht hat, müssen aber die Konstellationen so günstig liegen wie in Werlte, sonst bleibt es einmalig", resümierte Berling. In Werlte passte alles zusammen: die mutige politische Entscheidung der Stadt, die mit einer finanziellen Bürgschaft gegenüber der KVN das Risiko trägt; die Errichtung und Vermietung einer geeigneten Immobilie durch die Volksbank; die sektorenverbindende Zusammenarbeit mit der Orthopädie aus dem Krankenhaus Hümmling in Sögel, die im MVZ Werlte tageweise zusätzliche Sprechstunden anbietet, die Zustimmung der anderen niedergelassenen Kollegen und nicht zuletzt der Hausärzte, die sich mit 40 Wochenstunden Arbeitszeit im MVZ anstellen ließen. Stadtrat Rüve betonte, dass das MVZ auf Zuwachs gebaut sei und dass man sich weitere junge Hausärzte und auch Fachärzte, voran eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt wünscht. Und natürlich könnten die Ärzte die Trägerschaft irgendwann auch eigenständig übernehmen. "Die Stadt ist nur vorübergehend eingesprungen, weil sich niederlassungswillige Ärztinnen und Ärzte, die auf eigenes Risiko als Vertragsärzte eine Praxis führen, nicht finden ließen", so Rüve.

Verfasser/in:

KVN




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