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aktualisiert am: 15.05.2019

 

  Qualitätsmanagement

Qualitätsindikatoren in der Geburtshilfe – neuer Index zu Dammrissen Grad IV


 


Das Qualitätssicherungsverfahren Geburtshilfe, auch bekannt als Modul 16/1 der indirekten Verfahren, ist seit 2001 bundesweit verpflichtend. Zur Beurteilung der Versorgungsqualität geburtshilflicher Abteilungen / Kliniken wurden seither Kennzahlen und Qualitätsindikatoren eingesetzt. Während Erstgenannte aufgrund des fehlenden Referenzbereichs keine Bewertung der Ergebnisse zulassen, wird bei Letzteren der Indikatorwert genutzt, um den Erfüllungsgrad von Qualitätszielen zu messen und zu bewerten. [1]

Ein Bereich der geburtshilflichen Qualitätssicherung bezieht sich auf das Ziel einer möglichst geringen Anzahl von Müttern mit höhergradigen Dammrissen. Diese sogenannten obstetric anal sphincter injuries (OASIS) umfassen Dammrisse dritten und vierten Grads [2]. Dabei handelt es sich entweder um rissbedingte Verletzungen des Musculus sphincter ani externus mit erhaltener Rektumschleimhaut (Grad III) oder um ein eröffnetes Rektum mit freiliegender Schleimhaut (Grad IV). [3]

Ziel: Weniger Dammrisse Grad IV


Bis 2010 wurden ausschließlich rohe, das heißt nicht an Patientenrisiken adjustierte Raten für Dammrisse Grad III oder IV bei spontanen Einlingsgeburten berechnet. Gleichzeitig differenzierte man zwischen Dammrissen mit oder ohne Episiotomie. Mit der Auswertung des Jahrs 2011 kam ein risikoadjustierter Qualitätsindikator hinzu [4], der seit 2016 das oben formulierte Qualitätsziel als alleiniger Indikator abbildete. In der Auswertung des Erfassungsjahrs 2018 wird dieser Indikator nun erstmalig von einem Qualitätsindex abgelöst, der nicht nur ausschließlich Dammrisse Grad IV berücksichtigt, sondern neben spontanen Einlingsgeburten auch vaginal-operative Entbindungen einbezieht. Ähnlich wie bei dem in vier Ebenen unterteilten Qualitätsindex zum kritischen Outcome bei Reifgeborenen werden spontane und vaginal-operative Einlingsgeburten mittels zweier Ebenen im Qualitätsindex zu Dammrissen Grad IV bei Einlingsgeburten operationalisiert. Außerdem findet eine ebenenspezifische Risikoadjustierung statt, die das Alter und die Größe der Mutter, die Parität, das Geburtsgewicht des Kinds sowie die Geburtsrisiken hintere Hinterhauptslage und sonstige regelwidrige Schädellagen zur Beurteilung heranzieht. Gleichzeitig ändert sich damit auch das Bestreben bezüglich dieses Indikators, das heißt, nunmehr ist eine geringe Anzahl von Müttern mit Dammriss Grad IV bei spontanen und vaginal-operativen Einlingsgeburten erklärtes Ziel der geburtshilflichen Qualitätssicherung im Bereich der Dammrisse [5].


Verfasser/in:
Lorenz Hein, M.Sc.
ZQ, Qualitätssicherung


Marisa Meier
Qualitätssicherung, ZQ




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Literatur


[1] Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) (2018) Umsetzung des Konzepts zu veröffentlichungspflichtigen Kennzahlen, Berlin: IQTIG.
[2] Fernando RJ, Sultan AH, Freeman RM et al. (2015) Green-top Guideline No. 29. The Management of Third- and Fourth-Degree Perineal Tears. Third Edition, London: Royal College of Obstetricians and Gynaecologists (RCOG). URL: https://www.rcog.org.uk/globalassets/documents/guidelines/gtg-29.pdf (zuletzt abgerufen: 09.04.2019).
[3] Feige A (2010) Geburtstraumatische Verletzungen: Dammriss, Zervixriss, Uterusruptur und deren Therapie, in Rath W, Gembruch U, Schmidt S (Hrsg.) Geburtshilfe und Perinatalmedizin. Pränataldiagnostik - Erkrankungen - Entbindung, 2. Auflage, Stuttgart: Thieme.
[4] Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) (2018) Beschreibung der Qualitätsindikatoren für das Erfassungsjahr 2017. Geburtshilfe. Indikatoren 2017, Berlin: IQTIG.
[5] Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) (2018) Beschreibung der Qualitätsindikatoren und Kennzahlen nach QSKH-RL. Geburtshilfe. Erfassungsjahr 2018, Berlin: IQTIG [Stand: 11.04.2019].


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