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aktualisiert am: 15.04.2019

 

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Genforscher aus sieben Ländern fordern ein Moratorium für Keimbahntherapien


 


Mit der Entwicklung der sogenannten Genschere namens CRISPR/Cas kündigte sich 2012 ein großes Potenzial für Eingriffe in das Erbgut einzelner Menschen, aber auch der Menschheit insgesamt an. Seither wird mit Hochdruck an dem gentechnischen Verfahren geforscht. Hundertprozentig zuverlässig ist es bis heute jedoch nicht. Es drohen zum Beispiel Veränderungen an nicht beabsichtigten Stellen der angesteuerten Gene. Doch auf mehr als explizite Warnungen vor Eingriffen in die Keimbahn des Menschen mittels Gen-Editing konnten sich die Humangenetiker in den vergangenen Jahren nicht einigen: Das Statement des ersten 2015 abgehaltenen "International Summit on Human Gene Editing" etwa postulierte, dass das Erzeugen von genetisch veränderten Kindern unverantwortlich sei, bevor das Verfahren nicht als absolut sicher gelte.

Dann aber schreckte es die internationale Forschergemeinde auf, als Ende des vorigen Jahres beim zweiten "International Summit on Human Genome Editing" in Hongkong der chinesische Wissenschaftler He Jiankui von der Geburt zweier genmanipulierter Kinder berichtete: He hatte ein Gen inaktiviert, das den Körper anfällig für den HIV-Virus macht. Der Preis allerdings scheint eine größere Anfälligkeit für andere Infektionen etwa mit dem West-Nil- oder dem Grippevirus zu sein. Längst haben sich die chinesischen Behörden von Hes Experimenten distanziert und ihnen ein Ende bereitet. Sein Alleingang soll strafrechtliche Konsequenzen haben.

18 namhafte und bekannte Wissenschaftler aus sieben Ländern zogen jetzt allerdings die Konsequenz aus Hes Tabubruch: In einem Artikel im renommierten Fachmagazin "Nature" forderten sie nun ein fünfjähriges Moratorium für Keimbahntherapien, bei denen die genetischen Veränderungen an die Nachkommen weitergegeben werden. Zu den Autoren gehören aus Deutschland Emmanuelle Charpentier, Direktorin am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin und eine der Erfinderinnen von CRISPR/Cas, der Münchner Gentechnikpionier Ernst-Ludwig Winnacker, die Münsteraner Medizinerin und Philosophin Bettina Schöne-Seifert und Bärbel Friedrich, Mikrobiologin und Mitglied des Präsidiums der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Das Moratorium soll auf keinen Fall die Forschung behindern, den Ländern allerdings die Möglichkeit einräumen, die Anwendung der Technologie zu regulieren. Das Ziel ist, einen breiten gesellschaftlichen Konsens zu erzielen, ob und wie die Technik am Ende genutzt werden soll.

Verfasser/in:
Inge Wünnenberg
Redaktion niedersächsisches ärzteblatt




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