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nä 04/2019
aktualisiert am: 15.04.2019

 

  Praxis & Versorgung

Sicherheit für Versorgung mit Grippeimpfstoffen

„Impfgipfel“ von Ärzten, Apothekern, Krankenkassen und Pharmaindustrie einigt sich auf verbessertes Verfahren zur Berechnung benötigter Impfstoffmengen


 


In der nächsten Grippe-Impfsaison 2019/2020 soll jeder Impfwillige gemäß der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) rechtzeitig und wohnortnah geimpft werden können. Lieferengpässe beim Grippeimpfstoff wie in der zurückliegenden Saison sollen der Vergangenheit angehören. Darauf haben sich die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN), die gesetzlichen Krankenkassen, der Landesapothekerverband Niedersachsen sowie die Impfstoffhersteller verständigt. Zukünftig wird mit einem neuen Verfahren die voraussichtlich benötigte Impfstoffmenge kalkuliert. Die Verteilung der Impfstoffe erfolgt in die Arztpraxen nach vorheriger Bestellung über die Apotheken.

Die in einigen Regionen Niedersachsens zeitweilig erschwerte Versorgung mit Grippeimpfstoffen hatte den Handlungsbedarf deutlich gemacht. Künftig werden alle Beteiligten mit einem gemeinsam erstellten neuen Versorgungskonzept eine zuverlässige Versorgung mit qualitativ hochwertigem Vierfach-Impfstoff sicherstellen. Das vereinbarte Vorgehen soll gewährleisten, dass in allen Regionen Niedersachsens jederzeit der benötigte Impfstoff vorhanden ist.

Im März haben alle impfenden Arztpraxen in Niedersachsen von der KVN eine Mitteilung über den voraussichtlichen Impfstoffbedarf für die Saison 2019/2020 erhalten. Die Menge berechnet sich aus dem Mittelwert der verimpften Grippeimpfstoffe der vergangenen drei Impfsaisons. Zunächst sollen Arztpraxen bis zu 90 Prozent dieser Menge bei den Apotheken bestellen. Die restlichen zehn Prozent gelten als Reserve für Nachbestellungen.
übergeordnetes Ziel ist die zuverlässige Versorgung der Impfwilligen mit einem qualitativ hochwertigen Vierfach-Impfstoff.

Das neue Verfahren trägt den Interessen der Beteiligten Rechnung: Die Impfstoffhersteller erhalten die Sicherheit über die zu produzierenden Einheiten, die Apotheken in Niedersachsen die Sicherheit über die angemessene Bestellung sowie Verteilung, die Arztpraxen die Sicherheit, dass der voraussichtlich benötigte Impfstoff ihnen in ausreichender Menge zur Verfügung steht sowie die Krankenkassen die Sicherheit eines wirtschaftlichen Umgangs bei der Versorgung.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grippeimpfung generell ab einem Alter von 60 Jahren, Bewohnern von Alten- oder Pflegeheimen und Patienten mit chronischen Krankheiten. Eine Empfehlung gibt es auch für Schwangere. Impfen lassen sollte sich zudem medizinisches Personal.

Verfasser/in:

KVN




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Dringlichkeit ohne Priorisierung?

Zum Beitrag über den ersten Impfgipfel: "Kein Höhepunkt der Versorgung" in nä 12, 2018, S. 37 erreichte uns folgender Leserbrief:

In der Praxis ist der Impfstoffmangel längst bei uns angekommen, seit Ende Oktober unsere Praxis nicht mehr mit Grippeimpfstoff versorgt. Die vorgeschlagene Lösung der KVN lautet: "Sollte der Gruppeimpfstoff dennoch knapp werden, gilt es, den Bestand nach Dringlichkeit zu verimpfen".

Das ist ein problematischer Rat. Wer ist denn dringlich zu impfen? So etwas ist Priorisierung, das kenne ich nur aus der Entwicklungshilfe-Medizin. Das habe ich nicht gelernt und kann und will es auch nicht umsetzen. Die STIKO-Empfehlungen sind keine Hilfe, denn dort gibt es nur eine Empfehlung oder Nicht-Empfehlung zur Impfung, aber keine medizinische Dringlichkeit. Wie soll ich diese also festlegen, und zwar gerichtsfest, nicht nach Gefühl und Wellenschlag? Denn der Patient, dem ich eine Impfung trotz vollem Lager und bestehender STIKO-Indikation verweigere, hat ja eventuell einen Haftpflichtanspruch gegen mich. Eigentlich kann man unter diesen Bedingungen guten Gewissens keine Grippeimpfungen mehr durchführen.

Martin Schwarzwälder
FA für Allgemeinmedizin
Spiekeroog



Dazu verweist die KVN auf folgende Stellungnahmen des Robert-Koch-Instituts:
"Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Influenzaimpfung
- für alle Personen ab 60 Jahre,
- für alle Schwangeren ab dem 2. Trimenon, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens ab 1. Trimenon (siehe "Warum wird die saisonale Influenzaimpfung auch für Schwangere empfohlen?"),
- für Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (wie z.B. chronische Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten, chronische neurologische Grundkrankheiten wie z.B. Multiple Sklerose mit durch Infektionen getriggerten Schüben, angeborene oder erworbene Immundefizienz oder HIV) sowie
- für Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen,
- Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben Haushalt lebende oder von ihnen betreute Risikopersonen gefährden können. Als Risikopersonen gelten hierbei Personengruppen mit Grundkrankheiten, bei denen es Hinweise auf eine deutlich reduzierte Wirksamkeit der Influenza-Impfung gibt, wie z.B. Personen mit dialysepflichtiger Niereninsuffizienz oder Personen mit angeborener oder erworbener Immundefizienz bzw. -suppression.

Geimpft werden sollten im Rahmen eines erhöhten beruflichen Risikos außerdem
- Personen mit erhöhter Gefährdung (z.B. medizinisches Personal) und
- Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr und
- Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen fungieren können."

"Warum wird gesunden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unter 60 Jahren eine Impfung gegen Influenza nicht ausdrücklich empfohlen?

Die saisonale Influenzaimpfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für gesunde Kinder, Jugendliche und Erwachsene unter 60 Jahren nicht ausdrücklich empfohlen (außer in der Schwangerschaft und bei beruflicher Indikation). Eine Erkrankung an Influenza in diesen Bevölkerungsgruppen verläuft in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen. Die STIKO-Empfehlungen der Influenzaimpfung für bestimmte Personengruppen bedeutet jedoch nicht, dass die STIKO von einer Influenzaimpfung anderer Personen abrät. Jeder, der sich impfen lassen möchte, sollte dies mit seinem Arzt oder Ärztin besprechen. Auch bieten viele Arbeitgeber ihren Angestellten die Influenzaimpfung an, um Grippeerkrankungen und dem damit verbundenen Arbeitsausfall vorzubeugen.

Es sei an dieser Stelle nochmals betont, dass bestimmte Personengruppen im Falle einer Influenzaerkrankung ein erhöhtes Komplikationsrisiko haben und sich deshalb unabhängig vom Lebensalter unbedingt gegen Influenza impfen lassen sollten.
Stand: 28. August 2018"

Wir hoffen, dass mit den neuen Vereinbarungen auf dem letzten "Impfgipfel" die Versorgungsengpässe beim Grippeimpfstoff der Vergangenheit angehören.

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