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aktualisiert am: 15.04.2019

 

  Recht

Die Neuerungen aus der Sicht eines Arztes

Dr. med. Alfred Flaccus vom Helios Klinikum Hildesheim berichtet von seinen Erfahrungen mit der Leichenschau / Wird er als Notarzt zu einem Todesfall gerufen, zieht er nun noch öfter die Polizei hinzu.


 


über die Bedeutung des neuen Niedersächsischen Bestattungsgesetzes für die Arbeit der Ärztinnen und Ärzte referierte aus seiner Sicht Dr. med. Alfred Flaccus beim Aller-Elbe-Forum der Bezirksstellen Lüneburg, Stade und Verden Mitte März in Walsrode. Für den leitenden Oberarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie im Helios Klinikum Hildesheim wirft die Neufassung des Gesetzes vom vorigen Sommer viele Fragen auf: "Wie geht man in der Realität mit einer ärztlichen oder pflegerischen Fehlbehandlung um? Und was ist eine außergewöhnliche Entwicklung im Verlauf der Behandlung?", umriss der Referent seinen Klärungsbedarf.

Klärungsbedarf bei den Kriterien

Flaccus ist selbst als leitender Notarzt des Landkreises Hildesheim regelmäßig im Rettungswagen unterwegs. Aufgrund der eigenen Erfahrungen hält er die Kriterien, nach denen Ärztin oder Arzt die Polizei hinzurufen müssen, teilweise für "zu wenig definiert". Daran ändern für ihn auch die Ergänzungen seitens des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung auf der Webseite
(www.ms.niedersachsen.de/themen/gesundheit/bestattungsgesetz/bestattungsgesetz-14144.html ) nichts: "Das ist kein Gesetzestext, sondern nur eine Hilfestellung, von deren Existenz man erst einmal erfahren muss", berichtet der Arzt. "Im Gesetz steht nur: ,Todesursache ungeklärt´ - nicht mehr und nicht weniger." Vor allem aber bezweifelt Flaccus, dass nun durch das Hinzuziehen der Polizei "unklare Todesursachen" besser ermittelt würden: "Die Polizei ist nur an Fremdverschulden interessiert", betonte der Arzt in seinem Vortrag. Deshalb würden weit mehr als 50 Prozent der Leichen, die den Ermittlungsbehörden gemeldet worden seien, innerhalb von 24 Stunden freigegeben.

Forderung von Obduktionen


Einem Täter wie Niels Högel käme man mit solch einer Vorgehensweise allerdings nicht auf die Spur, kritisierte Flaccus. Der verurteilte Mörder hatte zwischen 2000 und 2005 an den Kliniken Delmenhorst und Oldenburg regelmäßig Patienten Medikamente verabreicht hat, die zum Herzstillstand und vielfach zum Tod führten. Doch solch eine Tat ließe sich zum Beispiel in der Regel nur durch eine Obduktion nachweisen, sagte Flaccus: "Ich wäre zum Beispiel dafür, dass generell jede zehnte Leiche obduziert wird", lautete seine abschließende Empfehlung.


Verfasser/in:
Inge Wünnenberg
Redaktion niedersächsisches ärzteblatt




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