Logo Hannoversche Ärzte-Verlags-Union
Karl-Wiechert-Allee 18-22
30625 Hannover
info@haeverlag.de
nä 01/2019
aktualisiert am: 15.01.2019

 

  Telemedizin & Digita

Vom Arzt her denken!

Erfahrungen aus 12 Jahren digitaler Praxis - was läuft gut, was muss besser werden?


 


Im Jahre 2007 waren wir die ersten in unserer Region, die eine Zweigpraxis per VPN angebunden haben und damals noch für schnelles Internet kämpfen mussten. Wir wollen digital unterstützt die Versorgung auf dem Land besser machen. Den Patienten den gleichen guten Standard der Medizin bieten wie in der Stadt, auch wenn die Wege länger sind. Digitale Unterstützung nutzen wir dazu, seitdem es Smartphones gibt, und trotzen täglich vielen Funklöchern. Welche Bilanz kann man nach 12 Jahren Digitalisierung in der Praxis ziehen?

Durch die digitale Anbindung konnten wir seit 2007 zeigen, das Zweigpraxen, angebunden an den Hauptserver einer Hauptpraxis über VPN, ein Weg sind, Hausarztmangel zu lindern und die Versorgung zu verbessern. Wir können für die Patienten seitdem erfolgreich die Wege verkürzen und unseren Versorgungsbereich digital vernetzt und dadurch stets gemeinsam verbunden zum Nutzen der Patientenversorgung in der Fläche ausweiten.

Wir arbeiten jetzt an klaren Entbürokratisierungsstrategien, wie uns die digitale Technik helfen kann, die Praxisabläufe zu optimieren. Seit 12 Jahren haben wir die digitale Akte und seitdem mehr Zeit für die Patienten. Wo andere noch Hektik spüren, können wir mit Ruhe und Muße in Patientengespräche gehen.

Wir würden gern weitere Gadgets und Möglichkeiten testen, Praxisabläufe besser zu machen, da die Benutzerschnittstelle und die Benutzbarkeit, Interoperabilität und die Alltagstauglichkeit vieler hochangepriesener Dinge teilweise enttäuschend sind und sie dadurch ihre Erwartung nicht erfüllen können (die Apple Watch z.B. hängt mehr am Ladekabel als dass sie ihr Stärke zeigen kann - die Konkurrenz hat den besseren Akku). Weitere Beispiele:
- schnelle übertragung digitaler Befundbilder in guter Qualität in das PVS (z.B. Wunden),
- digitale Anbindung von Pflegeheimen und Pflegediensten,
- Austausch von Daten mit Kollegen in sicherer Softwareumgebung.

Neben vielen Insellösungen fehlt hier oft "the next big thing". Aber: Ohne Ärzte lässt sich so etwas auch nicht entwickeln. Wir müssen sonst die Fehlkonstruktionen ausbaden und zumeist auch teuer bezahlen, ohne den digialen Mehrwehrt an besserer Diagnostik zu erhalten oder das digitale Versprechen auf Entbürokratisierung eingelöst zu bekommen.

Am Bedarf vorbei


Schnittstellen dienen zu oft dazu, für den Hersteller Lizenzgebühren zu erzeugen, aber werden nicht stringent genug weiterentwickelt, um den Informationsfluss innerhalb der Versorgungswelt zu verbessern. Hat man sich einmal für eine Software entschieden, läuft eine Praxis dann auf einem System und mit Geräten, die nicht interoperabel genug sind oder schlichtweg oft nicht mehr funktionieren, wie sie sollen (Telefonanlagen, Vernetzung, Scannen, Drucken etc.).

Hier ist die Front für neue Ideen. Hier müssen Ärzte endlich mehr in das Boot der Entwicklung geholt werden. Nur so können die zumeist hohen Investionen sicherer und der Arztnutzen besser werden. Die Erfahrungen daraus helfen, dass die komplexe Welt der Medizin endlich verlässliche digitale Werkzeuge erhält, um eine effiziente und wirksame Hilfe in der Hand der Ärzte zu sein. Eine echte arztkonforme Benutzerschnittstelle eben, oder auch "User Interface" genannt.

Wir denken, kein Arzt ist ein digitaler Verweigerer. Die meisten sind seit Jahrzehnten IT-affin. Nur die Produkte - beginnend mit der Praxissoftware - werden zu oft an Ärzten vorbeientwickelt, ohne sie ausreichend mit einzubeziehen. Die Ärzte müssen dann die schlechte Usability ausbaden und meiden dann das Produkt, könnten es zwar besser machen, bekommen aber nicht die Chance dazu. Hier bleiben dann Innovationen stecken, die der Ärzteschaft und den Patienten Nutzen bringen können.

Wirkliche Entlastung ist gefragt


Wir müssen auch nicht alle Wünsche der IT-Industrie umsetzen. Umgekehrt wird ein Erfolgsmodell daraus: Das iPhone zum Beispiel hat sich strikt nach Benutzbarkeit gerichtet und wurde auf intuitive Bedienung angepasst - der Erfolg veränderte unsere Welt nachhaltig. Man nehme dieselbe Benutzerschnittstelle einmal an für Ultraschallgeräte oder EKGs. Hier braucht die weitere Entwicklung neuer technischer Dinge im Gesundheitswesen dringend ärztlichen Sachverstand.

Ärzte wären gern Teil dieser Entwicklungscommunitiy und können in der täglichen Praxis sicher einen wertvollen Beitrag leisten, die Innovationen der digitalen Gesundheitswelt besser zu machen und praxistauglich zu gestalten zum Nutzen für Ärzte, Patienten und die Versorgung allgemein.

Damit stärken sie den Versorgungsauftrag der KV und die Selbstverwaltung, weil dann Produkte als echte Entlastung und die Behandlungsqualität verbessernde Werkzeuge auf den Markt kommen.

Verfasser/in:
Dr. med. Thomas Carl Stiller
FA f. Allgemeinmedizin

www.stillermed.de


inhalt 01/ 19
service
anzeigenaufgabe
leserbrief
umfragen
archiv
 

Alle Inhalte © Hannoversche Ärzte-Verlags-Union 1998-2019. Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 15.01.2019.
Design by webmaster[at]haeverlag[punkt]de, Support. | Impressum & Datenschutzerklärung