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nä 01/2019
aktualisiert am: 15.01.2019

 

  Telemedizin & Digita

Beurteilen und überzeugen

Die KVN setzt auf Digitalisierung: Seit zwei Monaten ist Dr. Philip Degener Digitalisierungsmanager im Gesundheitswesen für die KVN. Welche Ansprüche verknüpfen sich mit der neugeschaffenen Position?


 


Herr Dr. Degener, einen Digitalisierungsmanager hatte die KVN noch nicht. Wo sehen Sie Ihre Aufgaben?
Degener: Die Digitalisierung des Gesundheitswesens schreitet voran. Sie lässt sich auch nicht mehr aufhalten. Meine Aufgabe wird es sein, Trends auf diesem Gebiet zu beobachten und zu bewerten. Auf Fachkongressen versuche ich, up to date zu bleiben und mit relevanten Akteuren ins Gespräch zu kommen. Die andere Seite ist die Information unserer Mitglieder über die Entwicklungen. Mir ist es wichtig, dabei selbst eine Mitgliedersicht einzunehmen. Digitale Anwendungen sollen den Arzt unterstützen, aber nicht substituieren.

Auch deshalb scheint die Schar der Digitalisierungskeptiker in der Ärzteschaft noch groß zu sein ...
Degener: Bislang habe ich mitbekommen, dass gerade für Ärzte wichtig ist, dass die Digitalisierung kein Selbstzweck darstellt, sondern ärztliche Prozesse besser gestalten sollte. Sie wird auf mehr Akzeptanz stoßen, wenn man ihren Nutzen besser herausstellt. Viele Ärzte sind daran interessiert, aber sie sind natürlich keine homogene Gruppe. Ich habe den Eindruck, viele fühlen sich nicht ausreichend informiert, weil aktuell so viele Digitalisierungsthemen auf den Markt drängen.

Sie haben also eine Art Filterfunktion?
Degener: Durchaus. Die größte Herausforderung ist, dass der Markt so dynamisch ist, dass man die Entwicklungen kaum noch überblicken kann. Es gibt viele Gesundheitsanwendungen, die auch als Medizinprodukte eingestuft werden könnten, aber es gibt keine unabhängige, öffentlich zugängliche Datenbank dazu und keine Filterung. Der Markt muss selektiert werden. Die Ärzteschaft erwartet von digitalen Anwendungen im Gesundheitswesen insbesondere Datenschutz, Datenqualität und Anwendernutzen. Die müssen von anderen vorsortiert und eingeschätzt werden.

In welchen Bereichen wäre das besonders erforderlich?
Degener: Im Bereich der künstlichen Intelligenz kommt das Thema immer wieder auf. Wenn ein System auf Millionen von Daten zurückgreifen kann, kann es potentiell bessere Entscheidungen treffen als eine Einzelperson und diese bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Aber das System kann nur so gut sein wie seine Datenbasis. Hier sollte es in naher Zukunft eine Instanz geben, die die Datenqualität einschätzt und die Maßstäbe vorgibt.

Die KI ist ein Zukunftsthema, aber noch etwas entfernt. Welche Digitalisierungsthemen berühren uns denn jetzt unmittelbar?
Degener: Ein sehr einflussreiches Thema ist die Telematik-Infrastruktur. Sie ist omnipräsent und nicht geliebt - da ist natürlich in der Vergangenheit auch einiges schief gelaufen. Aber sie wird wegen der Zeitvorgaben für die Praxen das nächste Jahr stark bestimmen. Auch beim Thema Telemedizin wird viel vorangetrieben. Die Medizin wird dadurch allerdings nicht verändert, sondern primär der Prozess, wie der Patient versorgt wird. Ein drängendes Problem sind die vielen digitalen Insellösungen, die überall entstehen. Hier stellt sich die Frage: Wie können gute Anwendungen in die Regelversorgung überführt werden?

Ist die Digitalisierung und insbesondere die Telemedizin ein Mittel gegen den Ärztemangel?
Degener: Hier sehe ich auf jeden Fall Potential, etwa, um im ländlichen Bereich chronische und immobile Patienten dauerhaft zu betreuen. Das geht auch per Videokonferenz. Aber genügt die auch beim Erstkontakt? Möglich wäre das. Die Frage ist: Wollen wir das? Ich habe wahrgenommen, dass dies in der Ärzteschaft durchaus umstritten ist.

Wollen Sie da überzeugungsarbeit leisten?
Degener: Ich sehe meine Aufgabe darin, die Entwicklungen zu bewerten und dann die Skeptiker mit guten Argumenten zu überzeugen, soweit eine Anwendung tatsächlich geeignet ist. Ich bin aktuell in die Umsetzung von Projekten der KBV-Zukunftspraxis in niedersächsischen Praxen involviert und werde dadurch spannende Einblicke erhalten. Ich bin überzeugt, dass die Akzeptanz kommt, wenn man den Nutzen herausstellt. Mein Vorteil ist ja, dass wir als KV neutral urteilen können und auf der Seite der Ärzte stehen.

Mit Dr. Degener sprach Dr. Uwe Köster

Verfasser/in:
Dr. Uwe Köster
Pressestelle der KVN
Berliner Allee 22, 30175 Hannover



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