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aktualisiert am: 15.01.2019

 

  Patientensicherheit

Qualitätsindikatoren in der Neonatologie – Qualitätsziel selten nosokomiale Infektion


 


Laut Infektionsschutzgesetz sind nosokomiale Infektionen spezielle Infektionen mit lokalen oder systemischen Infektionszeichen, die auf das Vorhandensein von Erregern oder deren Toxinen zurückzuführen sind sowie im zeitlichen Zusammenhang mit einer medizinischen Maßnahme stehen und nicht bereits zuvor bestanden. [1] In der externen stationären Qualitätssicherung (QS) werden solche Infektionen in verschiedenen QS-Verfahren über Qualitätsindikatoren beschrieben. Letztere bezeichnen dabei nach bundesweit einheitlichen Rechenregeln ermittelte quantitative Größen, die Aussagen zur Erfüllung von Qualitätsanforderungen ermöglichen. [2]

Seit der verpflichtenden Einführung des QS-Verfahrens Neonatologie im Jahr 2010 wird der nach individuellen Patientenrisiken adjustierte Qualitätsindikator 50060: Verhältnis der beobachteten zur erwarteten Rate an Kindern mit nosokomialen Infektionen verwendet, um nosokomiale Infektionen bei neugeborenen, neonatologisch behandelten Kindern abzubilden. Insbesondere Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1.500 g sind gefährdet, da mit der Unreife unter anderem auch der Bedarf an invasiven Therapien steigt und solche Maßnahmen in engem Zusammenhang mit nosokomialen Infektionen stehen. Hinzu tritt das ebenfalls mit der Unreife korrelierende unterentwickelte Abwehrsystem. Vor dem Hintergrund steigender überlebensraten sehr kleiner Frühgeborener sind nosokomiale Infektionen somit eine der wichtigsten Ursachen neonataler Sterblichkeit. [3, 4]

Bei Neugeborenen wird von einer nosokomialen Infektion gesprochen, wenn diese während des stationären Aufenthalts ab 72 Stunden nach der Geburt auftritt ("late onset"). Aktuell werden zur Berechnung nachstehende Kriterien herangezogen:
- kurativ therapierte Neugeborene,
- ohne letale Fehlbildungen,
- mindestens 24+0 Wochen reif,
- zuvor nicht in einer externen Kinderklinik behandelt oder rückverlegt,
- nicht von zuhause aufgenommen,
- bei Entlassung älter als 3 Tage und
- Aufnahme des Kindes am Tag der Geburt.

Unter Berücksichtigung dieser Kriterien wurden bis zum Verfahrensjahr 2016 Kinder mit Septitiden oder systemisch-
inflammatorischen Response-Syndromen (SIRS) mittels dieses Indikators abgebildet. Im Verfahrensjahr 2017 wurde erstmals die später als 72 Stunden nach der Geburt aufgetretene Pneumonie in die Berechnung einbezogen. Gemessen am jährlich festgelegten Referenzbereich lagen die niedersächsischen Kliniken in den letzten fünf Jahren stets signifikant unterhalb des auf Grundlage der bundesweit erhobenen Daten ermittelten Referenzwertes (siehe Abbildung).

Die Vergleichbarkeit der Indikatorwerte im Zeitverlauf ist angesichts veränderter Rechenregeln grundsätzlich nur eingeschränkt möglich. Die letztjährige Änderung trägt jedoch der Tatsache Rechnung, dass Pneumonien neben Septitiden zu den am häufigsten auftretenden Late-Onset-Infektionen gehören. [3]

Verfasser/in:
Lorenz Hein, M.Sc.
ZQ, Qualitätssicherung




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Literatur

[1] Infektionsschutzgesetz vom 20.07.2000, zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 17.07.2017 (BGBl. I S. 2615).
[2] Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) (2018) Methodische Grundlagen V1.1s. Entwurf für das Stellungnahmeverfahren, Berlin: IQTIG.
[3] Obladen M (2017) Infektionen. In: Maier RF, Obladen M (Hrsg.) Neugeborenenintensivmedizin. Evidenz und Erfahrung, 9. Auflage. Heidelberg: Springer, S. 395-413.
[4] Nationales Referenzzentrum (NRZ) für Surveillance von nosokomialen Infektionen (2017) Protokoll. Surveillance von nosokomialen Infektionen, multiresistenten Erregern und Antibiotika-Anwendungen bei Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1.500g. URL: https://www.nrz-hygiene.de/fileadmin/nrz/module/neo/NEOKISS_Protokoll_Sep_2018.pdf [zuletzt abgerufen: 04.12.2018].


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