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nä 12/2018
aktualisiert am: 15.12.2018

 

  Vertreterversammlung

„Ein Hauch von Staatsmedizin“

„Bericht zur Lage“ als Parforceritt durch die Baustellen des Gesundheitswesens


 


Die Auseinandersetzung mit dem geplanten Terminservice- und Versorgungsgesetz nahm auch im "Bericht zur Lage" des Vorstands breiten Raum ein. Für KVN-Chef Mark Barjenbruch ist das Gesetz "übergriffig und haucht den Atem von Staatsmedizin." Er ließ die eklatantesten Problemstellen Revue passieren: Die "Offene Sprechstunde" etwa dürfe von den Patienten nur auf überweisung in Anspruch genommen werden - "das ist so ein Quatsch, das kann man gar nicht darstellen." Die Einhaltung der Mindest-Sprechstundenzeit solle von den KVen überwacht werden - aber wie? "Wir müssten uns bei Ihnen vor die Tür stellen, um zu sehen, wann da noch Licht brennt." Vor allem befürchtete Barjenbruch, dass sich durch die geplanten Vergütungsmechanismen "das Arzt-Patienten-Verhältnis völlig drehen" könnte. Denn: Patienten, die über die Terminservicestelle in die Praxis kämen, würden unbudgetiert behandelt, Patienten aber, die die offene Sprechstunde nutzten, wären ein Budgetfall. Aus wirtschaftlichen Gründen könnten viele Praxen dann versuchen, möglichst viele Patienten über die Terminservicestellen zu lenken. "Es gibt so viele Systemfehler, dass das nicht der richtige Weg ist", schloss Barjenbruch. "Man braucht mehr Ärzte, dafür braucht man mehr Geld."

Nicht zufrieden zeigte sich Barjenbruch auch mit dem Ergebnis der Honorarverhandlungen. Sie sähen eine Steigerung des Orientierungspunktwertes um 1,58 Prozent vor, da die Morbiditätsentwicklung in Niedersachsen deutlich über dem Bundestrend liege. Das Honorarergebnis sei deshalb vom Bundesversicherungsamt beanstandet worden. Die KVN halte jedoch daran fest, dass die Anpassung des Honorars an die Diagnoseentwicklung auf Landesebene erfolgen müsse. Sie werde gegen die Beanstandung durch das Bundversicherungsamt klagen - daher liege derzeit noch kein Beschluss vor. Die Prüfung der Kostensteigerungen in den Bereichen Hygiene, Datenschutz und Digitalisierung sei auf 2020 vertagt worden, die Höherbewertung der Hausbesuche auf die EBM-Reform. So bleibe unter dem Strich nicht mehr als ein reiner Inflationsausgleich übrig.

Das Ergebnis des Richtgrößen-Ablösepaket wertete KVN-Vize Dr. Jörg Berling als Erfolg: Fast 96 Prozent der Praxen hätten sich durch Einhaltung der Zielquote in den Verordnungen, zu einem geringen Teil auch durch die Erfüllung der Arzneimittelziele von Regressen befreien können. In 2019 werde das Ablösepaket mit moderaten Veränderungen der Zielwerte fortgeführt.

Die Grippeschutzimpfung stelle jedes Jahr wieder ein neues Dilemma dar. Es liege nicht an den Ärzten, wenn die Bevölkerung nicht ausreichend mit Impfstoff versorgt wird. "Beim Impfen liegt der Sicherstellungsauftrag bei den Kassen - aber das wollen die nicht hören!" betonte Berling. Er machte aber auch klar: "Es darf nicht sein, dass Sie mehr Impfstoffe bestellen als Sie am Ende verbrauchen. Zwischen Engpass und Schmutzquote dürfen wir nicht die Opfer sein!"

Nur leicht verbessert habe ich sie Situation bei der Telematik-Infrastruktur. Bislang habe sich noch nicht einmal ein Drittel der Praxen angeschlossen. Eine abermalige Verlängerung der Frist sei nicht ausgeschlossen. Dennoch gab Berling den Praxen die klare Empfehlung: "So schnell wie möglich bestellen!"

Zufrieden zeigte sich der KVN-Vize am Ende mit dem Ergebnis der Mitglieder-Umfrage der KVN, des "KVN-Barometers". Nach kontinuierlichen Steigerungen in den alle zwei Jahre durchgeführten Befragungen habe die KVN sich in den Benotungen von einer 3,1 jetzt auf eine 3,5 hochgearbeitet. "Das erfüllt uns mit Stolz und wollen wir weiter fortsetzen mit Richtung auf Note 4."

Nach der ausgiebigen Auseinandersetzung mit Gesundheitsministerin Carola Reimann fiel die Diskussion zum "Bericht zur Lage" kürzer aus. Jens Wagenknecht wies auf das Problem hin, dass mitbehandelnden Ärzten oft nicht bekannt sei, ob ein Patient in der Hausarztzentierten Versorgung eingeschrieben ist, und daher die Steuerungsmöglichkeit über den Hausarzt nicht nutzen könnten. Er regte an, die Krankenversichertenkarte entsprechend zu kennzeichnen, um die HzV zielgerichtet einsetzen zu können. Für Dr. Christian Albring war die Benotung der KVN in der Mitgliederbefragung zu gering ausgefallen. Seine Mutmaßung: "Viele Kollegen können nicht unterscheiden, was von der Politik kommt und was von der KV." Die Arbeit der Selbstverwaltung sei seiner Wahrnehmung nach deutlich besser.

Verfasser/in:

KVN




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