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nä 12/2018
aktualisiert am: 15.12.2018

 

  Leserbrief

Leserbrief


 

Zum Beitrag "Antibiotikaresistenzen in Niedersachsen:
Aktuelle Daten aus ARMIN (Antibiotika-Resistenz-Monitoring in Niedersachsen) veröffentlicht" und zum Editorial "Antibiotikaresistenzen: wir alle sind gefordert" in nä 9/2018

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt bereits seit langem, im Jahr 2050 könnte die Haupttodesursache weltweit Antibiotikaversagen sein, wenn wir es versäumen, Antibiotikaresistenzen rechtzeitig und wirksam zu bekämpfen. Ende letzten Jahres hat die WHO ihre Empfehlungen für den Umgang mit Antibiotika neu geordnet und die besondere Bedeutung der Reserveantibiotika für die Humanmedizin unterstrichen.

Insofern ist es nur zu begrüßen, wenn der Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamts, Dr. Pulz, auf die Verantwortung aller Verantwortlichen hinweist, in ihrem Verantwortungsbereich Maßnahmen gegen die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen stringent durchzuführen. Alle Bemühungen von uns Humanmedizinern laufen allerdings solange ins Leere, als nach wie vor mehr Antibiotika an gesunde Tiere als an kranke Menschen abgegeben werden! (Zahlen der WHO 2012). Diese Problematik kann uns als Ärzte gerade in Niedersachsen als einem Land mit konzentrierter Tierhaltung nicht gleichgültig lassen.

Zwar sind die Gesamtabgabemengen an Antibiotika in der Veterinärmedizin seit der erstmaligen Erfassung 2011 stark gesunken, aber gleichzeitig ist der Verbrauch der Antibiotika mit besonderer Bedeutung für die Therapie beim Menschen angestiegen! So sind im Jahre 2017 in der Tiermedizin über 20 Prozent mehr Fluorchinolone eingesetzt worden als noch 2011. Außerdem wurden in der Veterinärmedizin im letzten Jahr unter anderem 74 Tonnen Colistin abgeben. Colistin ist von der WHO als besonders wichtiges Reserveantibiotikum eingestuft worden, das vor allem für Menschen mit einer Mukoviszidose überlebenswichtig ist. Die von der Veterinärmedizin 2017 im Stall verschleuderte Menge würde ausreichen, um die gesamte Bevölkerung Deutschlands einmal komplett mit Colistin zu behandeln! In diesem Zusammenhang kommt besonders schwerwiegend hinzu, dass bereits Ende 2015 weltweit Colistin-Resistenzen nachgewiesen wurden, die sich plasmid-gebunden schnell ausbreiten können. Ein Verbot des Einsatzes in der Tiermedizin ist daher mehr als überfällig.

Gemeinsam mit anderen Kollegen in Niedersachsen habe ich vor vier Jahren die Vereinigung "Ärzte gegen Massentierhaltung" ins Leben gerufen, die sich schwerpunktmäßig mit den Auswirkungen der industriellen Tierhaltung auf die menschliche Gesundheit befasst.

Wir halten folgende Maßnahmen für unerlässlich:
1. Verbot des Einsatzes von Reserveantibiotika in der Tierhaltung. Antibiotika, die von der WHO in der Kategorie "Highest Priority Critically Important Antimicrobials" aufgeführt sind, sowie zusätzlich die Carbapeneme und Colistin, bleiben der Humanmedizin vorbehalten. Diese Regelung ist umgehend einzuführen.
2. Einsatz von Antibiotika nur bei klinisch kranken Tieren nach Anfertigung eines Antibiogrammes. Die (prophylaktische) Behandlung von Tiergruppen, um die Ausbreitung einer Krankheit zu verhindern (Metaphylaxe) sollte nur in wenigen Ausnahmefällen auf Anweisung eines Tierarztes erfolgen dürfen. Diese Ausnahmen sind von der European Medicines Agency festzulegen.

Unseren Forderungen haben sich seitdem zahlreiche Ärztinnen und Ärzte in ganz Deutschland (viele von ihnen in Niedersachsen) angeschlossen. Wir erwarten, dass auch unsere Vertreter in der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung zum Antibiotikamissbrauch in der Landwirtschaft deutlich Position beziehen.

Für Ärzte gegen Massentierhaltung n.e.V.
( http://www.aerzte-gegen-massentierhaltung.de/Wer-wir-sind/Verein ):
Dr.med. Gerd-Ludwig Meyer, Nienburg
Arzt und Landwirt


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