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nä 12/2018
aktualisiert am: 15.12.2018

 

  Patientensicherheit

Projekt „AHOI“: Patienten aktiv in die Krankenhaushygiene einbinden


 


Bisherige Maßnahmen zur Infektionsprävention zielten lediglich auf das Verhalten der behandelnden Ärzte und Pflegekräfte ab. Es stellt sich aber die Frage, wieso nicht auch die Patienten, Pflegebedürftigen und Angehörigen einbezogen werden sollten? Schließlich sind Patienten und ihre Angehörigen nicht nur potenzielle Opfer einer Infektion, sondern auch überträger der Erreger.

Das durch den Lohfert-Preis 2018, welcher von der Christoph Lohfert Stiftung gestiftet wird, ausgezeichnete Projekt "AHOI-Patienten im Boot" der Universitätsmedizin Greifswald tut genau dies. Die Initiatoren haben sich zum Ziel gesetzt einen Kulturwandel in der Infektionsprävention anzustoßen, indem Patienten, Pflegebedürftige und Besucher aktiv eingebunden werden. Es bedient sich dabei einer bisher kaum genutzten Chance der Infektionsprävention: es holt die Patienten mit ins Boot und weist ihnen eine aktive Rolle in der Gesundheitsversorgung zu.

Jeder Patient der Universitätsmedizin Greifswald erhält bei seiner Aufnahme eine Einweisung in die grundlegenden Hygienevorkehrungen zum Eigenschutz, wird ermuntert sich aktiv zu beteiligen und erhält ein Aufklärungspaket. In der sogenannten AHOI-Box finden die Patienten u.a. Informationsmaterial und praktische Utensilien für den persönlichen Infektionsschutz. Hierzu zählen z.B. Informationen zur richtigen Händedesinfektion, Hinweise zum richtigen Verhalten bei bestimmten Risikokonstellationen, wie z.B. den Urinbeutel unter Blasenniveau zu halten oder das Abduschen von offenen Wunden mit Leitungswasser nur mit Sterilfilter durchzuführen. Das ärztliche und pflegerische Personal wird geschult Patienten zu motivieren beim Infektionsschutz mitzuarbeiten, aber auch deren Anregungen anzunehmen. Denn die Patienten, Pflegebedürftigen und Angehörigen sollen das ärztliche und pflegerische Personal aufmerksam beobachten, um ggf. sogar die Hygienemaßnahmen einzufordern ("Speak up").

Das Projekt ist 2017 auf mehreren chirurgischen Stationen erprobt worden und wird aktuell auf die gesamte Universitätsmedizin Greifswald ausgeweitet.

Befragungen im Rahmen des AHOI-Projekts zeigen, dass die Implementierung dieses Vorhabens die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter nicht signifikant erhöht. Weiterhin wird deutlich, dass eine Reduktion der nosokomialen Infektionen, Verweildauern und Isolationszeiten durch die aktive Beteiligung der Patienten, Pflegebedürftigen und Angehörigen möglich ist. Es lohnt sich also den Patienten als Partner im Behandlungsprozess zu gewinnen.

Verfasser/in:
Isabelle Henning
ZQ




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Literatur


1. AHOI - Patient im Boot c/o Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Greifswald KöR (Hrsg.)(2018): Das AHOI-Projekt, https://www.ahoi-infektionsschutz.de/was-genau-ist-ahoi/ , Stand: 2018
2. Hassel, A.-V. et al. (2017): Patienten und Angehörige mit an Bord, in: KU Gesundheitsmanagement, S. 17-20
3. Krafczyk-Korth J et al. (2017): Aktive Einbeziehung von Patienten und Pflegebedürftigen in die Hän-dedesinfektion ,in: Epidemiologisches Bulletin, Nr.18/19, S. 166-168
4. Christoph Lohfert Stiftung (Hrsg.) (2018): Genau auf die Finger schauen, ist hier erwünscht, https://www.christophlohfert-stiftung.de/panorama/genau-auf-die-finger-zu-schauen-ist-hier-erwunscht/Bericht Lohfert Preis genau auf die finger zu schauen ist hier erwünscht, Stand: 04.09.218


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