Logo Hannoversche Ärzte-Verlags-Union
Karl-Wiechert-Allee 18-22
30625 Hannover
info@haeverlag.de
nä 12/2018
aktualisiert am: 15.12.2018

 

  Fortbildung

Update Notfallmedizin

Renommierte Experten referierten auf dem 18. Oldenburger Ärztetag am 17. November in Bad Zwischenahn zu ausgewählten Aspekten der Notfallversorgung


 


Verbesserungen und Innovationen in der Notfallversorgung interessieren Ärzte aller Fachrichtungen. So war es nicht verwunderlich, das sich am 17. November 450 Teilnehmer in der Wandelhalle des Kurparks von Bad Zwischenahn zur Fortbildung einfanden. Die von der Sonne verzauberte herbstliche Kulisse am Zwischenahner Meer schuf die richtige Atmosphäre für einen spannenden Fortbildungstag, wie immer vorbildlich organisiert von der Bezirksstelle Oldenburg der Ärztekammer Niedersachsen.

Grenzen der Notfallmedizin

Einen fulminanten Einstieg in die Notfallmedizin bot Professor Dr. Hans Anton Adams, Facharzt für Anästhesiologie, der mehr als 19 Jahre lang an der Medizinischen Hochschule Hannover tätig war und dort die Stabsstelle Katastrophenmedizin maßgeblich prägte. Adams referierte am Sonnabendmorgen in Bad Zwischenahn zum Thema "Grenzen der Notfallmedizin". Er beleuchtete die ethischen Aspekte der Notfallmedizin sowie weitere ethische Aspekte des ärztlichen Handelns aus seiner persönlichen Sicht und Haltung und ließ dabei seine reichen praktischen Erfahrungen einfließen. Eindrucksvolle Beispiele und Fotodokumente aus seinem Berufsleben führten die Besonderheiten der Notarzttätigkeit vor Augen und hinterließen nachhaltige Eindrücke.

Professor Dr. Hans Anton Adams

Adams ging auch auf das Lebensende ein, auf die Dinge, die die Menschen ganz zum Schluss bewegen. Anschauliche Beispiele zeigten auf, welche Rolle die Patientenverfügung in der klinischen Praxis spielen kann. Andere Beispiele gaben wertvolle Tipps für das ärztliche Verhalten bei Suizid, bei Suizidversuchen sowie in anderen Ausnahmesituationen. Adams gab auch wertvolle Informationen für die Patientenübernahme, zum Thema Aufnahmeverweigerung von Patienten und auch zur Betreuung der Helfer. Weitere Ratschläge gab er zur professionellen Nach- und Fürsorge in der Notfallmedizin. Zum Anforderungsprofil in der Notarzttätigkeit merkte Adams rückblickend auf seine persönlichen Erfahrungen im Einsatz an: "Charakter geht vor Leistung".

Adams präsentierte seinen Vortrag mit sehr viel Empathie und Ausdrucksstärke - ein Auftakt nach Maß für die Organisatoren der Veranstaltung, dem Fortbildungsausschuss der Bezirksstelle Oldenburg. "Wir wussten ja, wen wir einladen", scherzte der Bezirksstellenvorsitzende Wolfgang Grashorn, der den 18. Oldenburger Ärztetag gemeinsam mit Professor Dr. Claus-Henning Köhne gekonnt moderierte.

Wiederbelebung


Professor Dr. Georg von Knobelsdorff, Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am Sankt Bernward Krankenhaus in Hildesheim, knüpfte mit seinem facettenreichen Vortrag zum Thema "Wiederbelebung" auf gleichem Niveau an und begann mit einem (gekürzten) Zitat von Peter Safar, einem der Urväter der kardiopulmonalen Reanimation: "Wiederbeleben ist sinnvoll, wenn der Körper zu gesund ist zu sterben".

Professor Dr. Georg von Knobelsdorff


Wirklich effektiv sei die möglichst schnelle Hilfe nach dem Herzkreislaufzusammenbruch auch durch Laien wie Angehörige oder zufällige Passanten - wenn die Maßnahmen richtig ausgeführt werden, erklärte von Knobelsdorff: "Helfen kann jeder, denn effektiv hilft schon allein die möglichst ununterbrochene Herzdruckmassage mit einer Frequenz von 100 Einheiten pro Minute und fünf bis sechs Zentimetern Eindrücktiefe. Wenn man bei längerer Dauer auch noch eine Beatmung im Verhältnis 30 Druckmassagen zu zwei Beatmungen durchführt, können auch Zeitintervalle über 30 Minuten bis zur Wiedererlangen eines Spontankreislaufs überbrückt werden. Wenn wir mehr Menschen als jetzt ohne Hirnschäden wiederbeleben wollen, müssen wir die Bereitschaft der Laien zu reanimieren steigern. Hier kommt die Leitzentrale mit der Anleitung zur Telefonreanimation ins Spiel. Möglicherweise können uns auch die modernen Handys helfen, professionelle Hilfe schneller zum Patienten zu führen", so von Knobelsdorff.

Update Apoplex


"Drei Jahre nach Veröffentlichung der ersten fünf großen Thrombekomie-Studien gibt es spannende Neuigkeiten zu relevanten Teilaspekten rund um die endovaskuläre Schlaganfallbehandlung", sagte Privatdozent Dr. Christian Mathys, Chefarzt am Institut für Radiologie und Neuroradiologie im Evangelischen Krankenhaus Oldenburg und machte die Teilnehmer damit sehr neugierig auf die Inhalte seines Vortrags.

PD Dr. Christian Mathys


Mathys erläuterte das Potenzial der kathetergestützten Therapie für Patienten mit deutlich verzögertem Eintreffen im Krankenhaus, das bedeutet mehr als sechs Stunden nach dem Symptombeginn. "Die in diesem Jahr veröffentlichten Ergebnisse der randomisierten Studien DAWN und DEFUSE-3 legen nahe, dass das auf der iv-Lyse basierende Konzept eines ´Zeitfensters´ nicht sinnvoll auf die endovaskuläre Schlaganfallbehandlung übertragen werden kann. Die Studien zeigen eindrucksvoll, dass mithilfe der CT-Perfusionsbildgebung noch mindestens bis 24 Stunden nach Symptombeginn reichlich Patienten identifiziert werden können, die erheblich von einer kathetergestützten Therapie profitieren. Der Anteil funktionell unabhängiger Patienten in der DAWN-Studie lag in der Thrombektomie-Gruppe bei 49 Prozent gegenüber 13 Prozent in der Kontroll-Gruppe. Beide Studien bestätigen die Einschätzung, dass die Perfusionbildgebung ein integraler und unentbehrlicher Bestandteil der bildgebenden Schlaganfalldiagnostik ist", fasste Mathys zusammen. Ferner erläuterte er die prognostische Bedeutung von Tandem-Läsionen, Rescue-Stenting und Intubationsnarkose (versus Wacheingriff).

Sepsis: Der unterschätzte Notfall


Die Sepsis ist genau wie der Myokardinfarkt oder der Schlaganfall ein Notfall, bei dem durch schnelle Diagnostik und sofortige Therapie Menschenleben gerettet werden können. Privatdozent Dr. Matthias Gründling aus dem Qualitätsmanagementprojekt "Sepsisdialog" an der Klinik für Anästhesiologie Anästhesie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin der Universitätsmedizin Greifswald warb bei seinem Vortrag in Bad Zwischenahn für ein flächendeckendes Qualitätsmanagement bei Sepsis: "Die Sepsis ist ein extrem relevanter medizinischer Notfall, der bisher nur unzureichend beachtet wird. In Deutschland erkranken pro Jahr rund 280.000 Menschen an einer Sepsis. Alle sechs bis acht Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an Sepsis - pro Jahr zwischen 70.000 und 95.000 Menschen. Um Sepsispatienten rechtzeitig zu erkennen, müssen Risikopatienten auf das Vorhandensein einer Sepsis gescreent werden."

PD Dr. Matthias Gründling


Nach dem Erkennen einer Sepsis müsse eine sofortige mikrobiologische Diagnostik mit Blutkulturen und eine schnelle Therapie unter anderem mit Antibiotika und einer Herdsanierung erfolgen. "Es ist zu fordern, dass die mikrobiologische Diagnostik rund um die Uhr als Schnelldiagnostik verfügbar ist", fuhr Gründling fort.

Kindernotfälle


Kindernotfälle sind seltene Notfälle - daher stellen diese immer eine besondere Herausforderung für die Behandelnden dar, sagte Michael Brackhahn, Oberarzt Anästhesie, Kinderintensiv- und Notfallmedizin im Kinder- und Jugendkrankenhaus "Auf der Bult" in Hannover, eingangs seines Vortrags. "Die drei häufigsten Notfälle im Kindesalter sind respiratorische Störungen, Krampfanfälle und Traumata."

Michael Brackhahn


Essenziell bei der Versorgung von Kindernotfällen sei die Antizipation und die Prävention sowie das Ausschöpfen nicht- und wenig invasiver Maßnahmen, wie zum Beispiel die Sauerstoffgabe, das Freihalten der Atemwege sowie adäquate Analgesie. "Ein alternativer Applikationsweg von Medikamenten ist die intranasale Gabe. In angepasster Dosierung ein sicherer und nicht invasiver Weg. Denn ein häufiges Problem bei kleinen Kindern ist die inadäquate Schmerztherapie bei fehlendem intravenösem Zugang", erklärte Brackhahn.

Nach den Vorträgen der Experten wurden zwei ausgewählte Fallbeispiele aus der Region vorgestellt und diskutiert. Dieses spannende Veranstaltungsformat fand erneut großen Zuspruch bei den Teilnehmern und Referenten.

Verfasser/in:
Jörg Blume
Chefredakteur "niedersächsisches ärzteblatt"
Berliner Allee 20, 30175 Hannover



inhalt 12/ 18
service
anzeigenaufgabe
leserbrief
umfragen
archiv
 

Alle Inhalte © Hannoversche Ärzte-Verlags-Union 1998-2018. Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 15.12.2018.
Design by webmaster[at]haeverlag[punkt]de, Support. | Impressum & Datenschutzerklärung