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aktualisiert am: 15.11.2018

 

  Selbstverwaltung

Auf der Datenautobahn in die Überholspur

KBV-Zukunftspraxis: Gewinner des digitalen Ideenwettbewerbs stehen fest. Jetzt werden Testpraxen für die innovativen Anwendungen gesucht


 


Innovationsfreundliche Praxen können schon demnächst digitale Anwendungen der Zukunft auf ihre Praxistauglichkeit testen. Der KBV-Vorstand prämierte jetzt im Rahmen des Projektes "KBV-Zukunftspraxis" zehn digitale Produkte, die das Potenzial haben, den Alltag der Ärzte zu erleichtern und einen Zusatznutzen für Patienten zu bringen. In einem Ideenwettbewerb wurden von Januar bis Juni 2018 digitale Anwendungen und Dienste gesucht, mit denen eine sinnvolle Digitalisierung der Gesundheitsversorgung in Deutschland gestaltet werden kann. Eine Expertengruppe hat aus allen Bewerbern die jetzt gekürten Preisträger ausgewählt.

Damit erhalten diese Produkte die Chance zum "Praxistest" im doppelten Wortsinn. Ab 2019 sollen sie mit KV-Unterstützung in ausgewählten Praxen getestet und evaluiert werden. "Ziel ist es, erste Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sich neue digitale Dienste in Praxen bewähren und wo sich Schwierigkeiten in der Umsetzung zeigen", so KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen bei der Preisverleihung in Berlin. Daraus ließe sich dann im besten Fall ein standardisiertes Vorgehen für die Nutzenbewertung und Implementierung digitaler Anwendungen in der ambulanten Versorgung entwickeln.

Die Anwendungen lassen sich in vier Gruppen gliedern: Medizinprodukte, Dienste für bessere Prozessabläufe in Praxen, Anwendungen aus dem Bereich Dokumentation sowie Cloud-basierte Praxisverwaltungssysteme. Ihnen ist gemein, dass sie Vorteile für Ärzte und/oder Patienten bringen sollen; sei es im Hinblick auf die Versorgungsqualität, auf den Austausch von Informationen oder auf den Bürokratieaufwand im Praxismanagement. Im Praxistest geht es um die Frage, ob sie dieses Versprechen halten und ob Ärzte und Praxispersonal sie als alltagstauglich und hilfreich erleben.

Mit dem Projekt KBV-Zukunftspraxis treibt die KBV als aktiver Spieler die Digitalisierung im Gesundheitswesen weiter voran.

Das sind die Gewinner


Den ersten Preis des Ideenwettbewerbs hat die Firma AMA Xpert Eye GmbH mit ihrer Datenbrille XpertEye gewonnen. Pflegekräfte können die Brille in Kombination mit einem Smartphone bei Pflegeheim- oder Hausbesuchen von Patienten nutzen und bei Bedarf Ärzte hinzuschalten. Der Arzt bekommt Bild und Ton in Echtzeit übertragen.

Auf Platz zwei folgt die Software Idana der Tomes GmbH. Damit können die Praxen Patienten zur Vorbereitung auf Termine digitale Anamnese-Fragebögen über bestimmte Krankheitsbilder per Smartphone-App zukommen lassen. Die abgefragten Daten sollen automatisch in der ärztlichen Dokumentation gespeichert werden können.

Gewinner des dritten Preises ist die Magnosco GmbH mit ihrem Gerät DermaFC zur lasergestützten Dermatofluoroskopie, das krankhafte Veränderungen durch Krebszellen anhand des Hautfarbstoffs Melanin in einem sehr frühen Stadium erkennt.

Weitere Gewinner


Aaron.ai der Aaron GmbH ist ein KI-basierter Telefonassistent (Software), der Anrufe der Praxis entgegennimmt, wenn Medizinische Fachangestellte überlastet sind. Er nimmt die Wünsche des Patienten (z.B. Termin, Wiederholungsrezept) auf und verarbeitet diese zum Teil automatisiert.

Respiro von Amiko Digital Health Limited dient der Verbesserung der Behandlung von Atemwegserkrankungen mittels sensorbasiertem Feedback (Add-on zu den Inhalatoren) und künstlicher Intelligenz. Der Inhalatorsensor erfasst beim Inhalieren entsprechende Daten, die sich der Arzt in der Sprechstunde und der Patient per Smartphone-App anzeigen lassen kann. So lässt sich die Anwendung optimieren. Eine übertragung in die ärztliche Dokumentation ist geplant.

intellipix der zollsoft GmbH ist eine standortübergreifende, vernetzende Gesamtlösung für dermatologisch-fachärztliche Leistungen und dermatoskopische Diagnostik mithilfe von künstlicher Intelligenz. Mittels Smartphone-Aufsatz aufgenommene Bilder von Hautveränderungen können automatisch mit einem großen Bildarchiv verglichen und mittels künstlicher Intelligenz ausgewertet werden. Auch ein Abgleich mit vorherigen Aufnahmen ist möglich, um Veränderungen zu erkennen.

Ada/Dx der Ada Health GmbH dient der Vordiagnose bzw. zur Diagnoseunterstützung für seltene Erkrankungen über einen durch künstliche Intelligenz gesteuerten Fragenkatalog. Laut Hersteller erkennt Ada mittlerweile 1.500 Krankheitsbilder und 200 seltene Krankheiten. Der Patient gibt dazu die Parameter im Wartezimmer in die Software ein.

Die Software KLINDO der KLINDO GmbH dient der digitalen Erfassung und Auswertung von standardisierten psychometrischen Fragebögen (z.B. psychometrische Tests bei ADHS, Demenz oder auch Depression) in ärztlichen und psychologisch-psychotherapeutischen Praxen.

doctorly der doctorly GmbH ist ein cloudgestütztes PVS, das eine ganzheitliche Plattform für Ärzte und Patienten anbietet. Durch moderne Technologie und Prozessflüsse soll es eine Reduzierung des administrativen Aufwandes um bis zu 50 Prozent erreichen.

Ein webbasiertes Cloud-PVS bzw. Arzt-Informations-System ist RED Medical der RED Medical Systems GmbH. Das System wird als "Software as a Service" (SaaS) vollständig außerhalb der Praxis geführt. Es ist bereits durch die KBV zertifiziert.

Verfasser/in:

KBV



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Pilotpraxen gesucht


Die KBV sucht passende Praxen, die Interesse an einer Teilnahme und an der Erprobung eines der Produkte haben. Der Praxistest dauert etwa 12 bis 18 Monate. Die teilnehmenden Praxen werden dabei eng von der KBV und ihrer regionalen KV begleitet und unterstützt. Ihre Erfahrungen halten die Zukunftspraxen regelmäßig in Form von Fragebögen fest.

Grundsätzlich können sich alle Praxen bewerben. Nur für den Test des Sensoren-Aufsatzes für Inhalatoren und des Gerätes zur Untersuchung von Hautveränderungen werden bestimmte Fachgruppen gesucht.

Ziel der KBV ist es, die Praxen so zu unterstützen, dass sie finanziell nicht belastet werden. Der zeitliche Aufwand, beispielsweise für Schulungen oder die Umstellung auf neue Prozesse, kann jedoch auch nicht vergütet werden.

Interessierte Praxen können sich bis voraussichtlich Dezember bewerben. Hierfür finden Sie einen Fragebogen, weitere Informationen zum Projekt sowie eine Liste der teilnehmenden digitalen Anwendungen auf http://www.kbv.de/zukunftspraxis . Den ausgefüllten Fragebogen senden Sie bitte an zukunftspraxis@kbv.de.


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