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aktualisiert am: 15.11.2018

 

  Selbstverwaltung

Mit dem Arzt in der Tasche

Pilotprojekt „Hausarzt mit Telemedizin“ in Osnabrück erfolgreich abgeschlossen


 


Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Mark Barjenbruch, hat auf einer Pressekonferenz in Osnabrück die Verfügbarkeit von großen Datenmengen für die Entwicklung neuer Produkte und Anwendungen im Gesundheitswesen befürwortet. "Im Gesundheitswesen wie in anderen Bereichen wird es neue Wertschöpfungsmöglichkeiten durch Telemedizin und Big Data" geben, sagte der KVN-Vorstandsvorsitzende bei seinem Besuch der KVN-Bezirksstelle Osnabrück.

Barjenbruch informierte sich intensiv über das Projekt "Hausarzt mit Telemedizin", das in diesen Tagen im Bereich der Bezirksstelle Osnabrück seine Pilotphase abgeschlossen hat. Das Projekt fördert die digitale Zusammenarbeit im hausärztlichen Bereich und entlastet die teilnehmenden Hausärzte. Speziell geschulte medizinische Fachangestellte konnten bei Hausbesuchen per telemedizinischem Equipment Befunddaten der Patienten in die Arztpraxis senden. Bei Bedarf wurde zudem über eine Videokonferenz mit der Ärztin oder dem Arzt Kontakt aufgenommen. "So konnten die Hausärzte die Zahl der Hausbesuche reduzieren. Die Entlastung durch das Wegfallen langer Fahrstrecken kam den Patienten in der Praxis zugute. Gerade ländlichen Regionen bietet die Telemedizin neue Behandlungsstrukturen, ohne dass die medizinische Versorgung, gerade für chronisch Erkrankte, hochbetagte oder immobile Patienten, leidet", sagte Barjenbruch.

"Die Praxis fährt zum Patienten", beschreibt Dr. Uwe Lankenfeld, Vorsitzender der KVN-Bezirksstelle Osnabrück, das Modell. Vor Ort misst die medizinische Fachangestellte bei den Patienten den Blutdruck - und der Hausarzt wird bei Bedarf per Video über ein Tablet zugeschaltet. "Die Fachangestellte hat den Arzt quasi in der Tasche", sagte Lankenfeld. Der persönliche Kontakt mit dem Patienten leide deshalb nicht. Die Messwerte werden in die Praxis geschickt. "Das System ist geschlossen. Die anonymisierten Daten kommen vom Tablet in die Praxis - der Anbieter speichert keine Patientendaten", erklärte Lankenfeld.

Barjenbruch bewertet das Projekt positiv. "Wir möchten diese Form der Versorgung in Niedersachsen ausweiten. Dazu sind wir mit den Krankenkassen in Verhandlung. Das Pilotprojekt hat bislang der Landkreis Osnabrück finanziell unterstützt. Wir können uns sogar vorstellen, ein Gesamtsystem zu entwickeln, in dem der Hausarzt den Kern bildet und Spezialisten wie Kardiologen hinzugeschaltet werden können. Wichtig ist, dass wir Lösungen entwickeln, wie die älter werdende Bevölkerung mit gleich guter Qualität von dem jeweiligen Hausarzt und Facharzt versorgt werden kann", sagte Barjenbruch.

"Als erste Schritte im Bereich der Telemedizin" bezeichnete Barjenbruch das Pilotprojekt. In Zukunft werde es mehr derartige Versorgungsformen geben, die zusätzlich eine Menge Gesundheitsdaten sammeln. "Diese Daten müssen von der Ärzteschaft klug genutzt werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Anbieter von großen Plattformen die Wertschöpfungskette von Gesundheitsdaten für sich entdecken", warnte der Vorstandsvorsitzende.

Verfasser/in:

KVN




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