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aktualisiert am: 15.11.2018

 

  Qualitätsmanagement

Selbstregulation spielerisch fördern

ein Unterstützungsprogramm für Eltern früh- und reifgeborener Kinder (FILU-F) in Niedersachsen


 


Verschiedene Studien und das seit 2004 durchgeführte Niedersächsische Frühgeborenen-Nachuntersuchungsprojekt zeigen, dass extrem unreife Frühgeborene, mit einem Gestationsalter unter 28 Wochen, ein hohes Risiko für Entwicklungsstörungen aufweisen. Im Rahmen des Nachuntersuchungsprojekts werden diese Hochrisikokinder in den Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) Niedersachsen und Bremen strukturiert mit sechs Monaten, zwei, fünf und zehn Jahren nachuntersucht. In dieser Längsschnittuntersuchung werden körperliche, entwicklungsneurologische und psychologische Daten erhoben. Erste Analysen konnten bereits zeigen, dass bei 32,3 Prozent von 85 nachuntersuchten Kindern im Alter von zwei Jahren eine Verhaltensauffälligkeit diagnostiziert wurde.

Die Selbstregulationsfähigkeit ist das bewusste Steuern und Kontrollieren von Gefühlen und Handlungen und wird von Kindern bereits in frühem Alter erlernt. Frühgeborene haben jedoch ein deutlich erhöhtes Risiko für Störungen bei der Aufmerksamkeitsentwicklung und Selbstregulation gegenüber Reifgeborenen. In der Folge haben sie häufiger als andere Entwicklungsschwierigkeiten, zum Beispiel im Bereich des schulischen Lernens. Hier sind insbesondere die Eltern gefordert. Im Rahmen des Frühgeborenen-Nachuntersuchungsprojekts (NU) werden seit 2018 Elternkurse in den niedersächsischen SPZ angeboten, in denen das Vermitteln konkreter Strategien zur Unterstützung der Selbstregulation bei zweijährigen Kindern im Vordergrund steht. Es werden Techniken zum feinfühligen Umgang mit den kindlichen Gefühlen ("Signale wahrnehmen", "Gefühle benennen", "Umgang mit Angst") nach dem FILU-F Konzept der Universität Heidelberg (Prof. Dr. Silke Hertel, PD Dr. Gitta Reuner) vermittelt. Die Kursleiter in den SPZ vor Ort wurden dafür in einem zweitägigen Train-the-Trainer Kurs von der Universität Heidelberg in den Räumlichkeiten der Ärztekammer Niedersachsen ausgebildet. Seit Beginn des Jahres werden die Eltern von zweijährigen Frühgeborenen in den jeweiligen SPZ rekrutiert. Bei Interesse erhalten sie ausführliche Unterlagen zum Projekt, sowie einen Aufklärungsbogen und eine Einverständniserklärung.

Bevor der erste Kurstag/-abend von vier aufeinanderfolgenden Terminen stattfindet, füllen die Eltern verschiedene standardisierte Fragebögen zur Anamnese sowie der Verhaltens-, Spiel- und Sprachentwicklung des Kindes aus. Eltern lernen an Beispielen und in übungen Praktisches zur exekutiven Funktion und der Emotionsregulation des Kindes. Videobeispiele, Rollenspiele und Spielmaterialien dienen der Einschätzung von aktuellen Kompetenzen des Kindes und der Erarbeitung von Unterstützungsmöglichkeiten durch die Eltern, in Form von verschiedenen Scaffolding-Strategien (Rahmen gebenden, stützenden Strategien). Eine erste Kursevaluation wurde bereits durchgeführt und zeigt, dass es speziell mit der Rekrutierung der Eltern aus organisatorischen Gründen noch Probleme gibt. Genannt wurden hier die Punkte "lange Kursdauer" und "fehlende Kinderbetreuung", obwohl zumindest die Hälfte der angesprochenen Eltern großes Interesse an den Kursen hat. In Absprache mit der Universität Heidelberg können die Kurse künftig an sechs Abenden mit verkürzter Zeit erfolgen. Fazit der Evaluation ist trotz aller Startprobleme, "Es ist ein toller Kurs!".

Verfasser/in:
Dipl.-Dok. Silvia Berlage
Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen, Einrichtung der Ärztekammer Niedersachsen
Berliner Alle 20, 30175 Hannover
silvia.berlage@zq-aekn.de


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