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aktualisiert am: 15.11.2018

 

  Hochschule

Grenzüberschreitende Medizin

In Oldenburg liegen die wissenschaftlichen Schwerpunkte in der Hörforschung, den Neurowissenschaften, der Versorgungsforschung und der Allgemeinmedizin.


 


An der Universität Oldenburg findet sich eine der jüngsten Medizinischen Fakultäten Deutschlands. Im Jahr 2012 gegründet, bildet sie in Kooperation mit der Universität Groningen an der "European Medical School Oldenburg-Groningen" derzeit 40 Medizinstudierende pro Jahr aus. Die wissenschaftlichen Schwerpunkte der Oldenburger Universitätsmedizin liegen unter anderem in der Hörforschung, den Neurowissenschaften, der Versorgungsforschung und der Allgemeinmedizin. Ein Einblick in aktuelle Forschungstätigkeiten:

Molekularer Nachweis von Lymphknotenmetastasen


Rund 12.000 Männer in Deutschland sterben pro Jahr an einem Prostatakarzinom. Wird die Erkrankung frühzeitig entdeckt, bestehen allerdings gute Heilungschancen. Eine wichtige Rolle kommt dabei der Lymphknotenchirurgie zu. Denn wandernde Krebszellen finden sich bei vielen Betroffenen zuerst in Lymphknoten nahe der Prostata. Die Oldenburger Mediziner Prof. Dr. Friedhelm Wawroschek, Direktor der Universitätsklinik für Urologie am Klinikum Oldenburg, und PD Dr. Alexander Winter, stellvertretender Leiter des Prostatakarzinom-Zentrums Oldenburg, haben ein neues molekulargenetisches Verfahren auf das Prostatakarzinom übertragen, um befallene Lymphknoten noch während der Operation identifizieren zu können - die so genannte OSNA-Analyse (One-Step Nucleic Acid Amplification). Bislang müssen Pathologen verdächtige Lymphknoten nach der OP auf mögliche Metastasen untersuchen. Da das Lymphknotengewebe hierbei nicht vollständig untersucht wird, besteht das Risiko, dass Krebszellen übersehen werden. Zudem müssen die Patienten womöglich ein zweites Mal operiert werden. Die OSNA-Analyse hingegen ermöglicht den Nachweis von Metastasen innerhalb von 30 bis 40 Minuten, wie die Oldenburger Forscher in Pilotuntersuchungen zeigten. Das weitgehend automatisierte Verfahren detektiert Prostatakrebszellen in den Lymphknoten durch Boten-RNA, die zu einem bestimmten Protein gehört. Dieses Eiweiß kommt in der Prostata vor, aber normalerweise nicht in den Lymphknoten, weshalb die zugehörige RNA ein Anzeiger für Metastasen ist. Anhand der gemessenen Menge können die Forscher erkennen, wie groß diese sind. "Wir können die Lymphknotenentfernung dann im Zweifelsfall erweitern", berichtet Wawroschek. Winter betont: "Die Methode ist für die Prostataforschung ein Novum mit großer klinischer Relevanz. Die Umsetzung liegt in greifbarer Nähe." Mitte 2018 stellte er das Verfahren auf dem Jahreskongress der Amerikanischen Gesellschaft für Urologie in San Francisco vor und wurde im Themenbereich Prostatakrebs als bester Beitrag ausgezeichnet.

Organisationsbezogene Versorgungsforschung


Sollten Brustkrebs-Patientinnen bei Tumorkonferenzen anwesend sein oder nicht? Selbsthilfegruppen wünschen es sich, viele Ärzte halten eine Beteiligung der Patientinnen dagegen für kaum praktikabel. In der von der Deutschen Krebshilfe geförderten Studie PINTU (Patient involvement in multidisciplinary tumor conferences in breast cancer care) untersucht die Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Dr. Lena Ansmann von der Universität Oldenburg gemeinsam mit ihrer Kollegin Prof. Dr. Nicole Ernstmann von der Universitätsklinik Bonn die Vor- und Nachteile dieser Idee.

Ansmanns Professur für organisationsbezogene Versorgungsforschung ist bundesweit die erste, die systematisch untersucht, wie Unterschiede zwischen Organisationen im Gesundheitswesen die Patientenversorgung beeinflussen. Denn es wird zunehmend deutlich, dass das Ergebnis medizinischer Behandlungen nicht allein vom Können der Ärzte abhängt - sondern auch davon, wie ihr Arbeitsumfeld organisiert ist.

Im Falle der Tumorkonferenzen gibt es sowohl Pro- als auch Contra-Argumente. Für eine Anwesenheit der Patientinnen spricht eventuell, dass sie so besser entscheiden können, welche Therapie sie bevorzugen. Ein möglicher Nachteil besteht darin, dass die Patientinnen durch die verwendete Fachsprache überfordert sein könnten.

Das Team hat bereits Mediziner in verschiedenen Brustzentren interviewt. "Es gibt Ärzte, die sagen: Das ist eine super Idee, die Patientinnen sind sehr zufrieden damit", berichtet Ansmann. Andere sähen eher die Nachteile - etwa, dass weniger offen diskutiert werden könne. Im nächsten Schritt wird das Team Patientinnen vor und nach den Konferenzen interviewen und Videoaufnahmen auswerten - und herausfinden, wie sich die unterschiedliche Vorgehensweise auf die Zufriedenheit sowie die emotionale und kognitive Verfassung der Patientinnen auswirkt.

Grundlagen für bessere Hörgeräte


Ein intelligentes Ohrpassstück zur optimalen akustischen Kommunikation in allen Hörsituationen, das eine hohe Klangqualität bietet, Rückkopplungen unterdrückt und Störgeräusche reduziert - daran arbeiten unter der Leitung von Prof. Dr. Volker Hohmann Forscherinnen und Forscher des neuen Sonderforschungsbereichs (SFB) "Hörakustik" der Universität Oldenburg. Das kürzlich gestartete Großprojekt untersucht die Wechselbeziehung zwischen Menschen mit eingeschränktem Hörvermögen und ihrer akustischen Umgebung. "Hörsituationen verändern sich ständig, weil Menschen auf Stimmen und Geräusche reagieren, indem sie beispielsweise ihren Kopf zur Schallquelle hinwenden", erläutert Hohmann. Bislang wurde das in der Hörakustik nicht berücksichtigt - was zur Folge hat, dass viele Hörgeräte in realen Situationen weniger gut funktionieren als im Labor. Das Team arbeitet daran, die Grundlagen für verbesserte Hörgeräte und Hörassistenzsysteme zu schaffen. Aufbauend auf Modellen der Sprachwahrnehmung und Hörqualität bei Normal- und Schwerhörenden wollen die Forscherinnen und Forscher zum Beispiel die Algorithmen verbessern, die akustische Signale in Hörhilfen verarbeiten. Außerdem untersuchen sie, wie sich komplexe akustische Szenen realitätsnah über Kopfhörer oder Lautsprecher wiedergeben lassen. Probanden könnten in Zukunft in eine virtuelle Realität eintauchen, die sowohl optisch als auch akustisch einer echten Umgebung ähnelt - etwa einem belebten Café. Dies ermöglicht realitätsnahe und aussagekräftige Tests von Hörsystemen. Auch Anwendungen im Bereich der öffentlichen Durchsagesysteme sowie der Unterhaltungselektronik sind denkbar.

Verfasser/in:
Petra Wilts
Presse & Kommunikation
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
petra.wilts@uni-oldenburg.de


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