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nä 11/2018
aktualisiert am: 15.11.2018

 

  Editorial

Wir sind dann mal weg


 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

wenn die Politik noch lange so weiter macht, wird unsere Versorgungslandschaft aussehen wie unserer Titel: Gähnende Leere. Das Terminservice- und Versorgungsgesetz gleicht einem Aktionsplan zum Vergraulen der Ärzteschaft.

Vordergründig will es das Gegenteil: Mehr Behandlungstermine für Patienten. Also verdonnert es uns Ärzte dazu, unsere Praxiszeiten um fünf Stunden zu verlängern. Die Terminservicestellen sollen rund um die Uhr Patienten auf die Praxen verteilen - selbst dann, wenn sie geschlossen sind. Die Politik tut so, als müssten die Ärzte von allerhöchster Stelle zu ihrer Pflicht gegenüber dem Patienten gezwungen werden. Als seien Wartezeiten das Symptom ärztlicher Arbeitsunlust!

Jetzt soll Planwirtschaft es richten. Die Regelungswut der Politik greift tief in unser Versorgungssystem und in die Autonomie der Praxen ein. Sie stellt die Terminvergabe auf den Kopf, aber sie bringt keine Lösung. Weder "offene Sprechstunden" noch Terminservicestellen schaffen mehr Kapazitäten - sie schichten die Termine lediglich um.

Solche Scheinlösungen brauchen wir nicht. Was wir brauchen, ist eine Steuerung des Zugangs der Bevölkerung zur ärztlichen Versorgung und eine Diskussion darüber, welche Leistungen die Gesetzliche Krankenversicherung in Zukunft bezahlen soll. Aber vor dem drohenden Unmut der Wähler schreckt die Politik zurück.

Die Folge wird eine weitere Verschlechterung der Versorgung sein. In manchen Regionen lässt sie sich nur noch mühsam durch ältere Ärzte stützen, die unverdrossen ihren Patienten treu bleiben. Doch viele von ihnen kündigen jetzt an, dass sie aus ihrer ärztlichen Tätigkeit aussteigen wollen. Staatliche Bevormundung und Reglementierung wollen sie sich auf der Zielgeraden vor dem Ruhestand nicht mehr bieten lassen. Und immer weniger junge Ärzte werden bereit sein, die Nachfolge anzutreten. Das Nachsehen werden die haben, für die die Politik angeblich eintritt: die Patienten.

Eine Einladung, seine Vorstellungen in unserer Vertretersammlung zu diskutieren, hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn leider nicht angenommen. Aber wir VV-Vorsitzenden werden gemeinsam mit dem KVN-Vorstand unsere Einwände im Gesundheitsminsterium vortragen können. Dort werden wir deutlich machen: In ärztefreien Zonen wird es mit der Terminvergabe am Ende wirklich schwierig werden.

Herzlichst

Dr. Christoph Titz
Vorsitzender der Vertreterversammlung
der KVN


Dr. Eckart Lummert
Stellv. Vorsitzender der Vertreterversammlung
der KVN

Verfasser/in:
Christoph Titz
Vorsitzender der Vertreterversammlung der KVN
Berliner Allee 22, 30175 Hannover

Dr. Eckart Lummert
Stellv. Vorsitzender der Vertreterversammlung der KVN




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