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aktualisiert am: 15.10.2018

 

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Der Vorstand trifft… IQWiG-Chef Prof. Dr. Jürgen Windeler

Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen beklagt Mangel an verlässlichen klinischen Studien und unzureichende unabhängige Forschungsstrukturen


 


öffentlich finanzierte klinische Studien sind in Deutschland Mangelware. Um Fragen zu klären, die Ärzten wirklich unter den Nägeln brennen, befürwortet der Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Prof. Dr. Jürgen Windeler, einen Studienfonds, in den der Staat, die Krankenkassen und die Industrie einzahlen sollen. Diese Forderung stellte Windeler im Rahmen der KVN-Veranstaltung "Der Vorstand trifft...Prof. Dr. Jürgen Windeler" am 7. September in Hannover auf.

Vor Mitgliedern der Vertreterversammlung der KVN beklagte Windeler eine mangelhafte Studienkultur in Deutschland. Es gebe in Deutschland zu wenige klinische Studien, die für die Versorgung relevant sind.

Dabei gehe es ihm um Studien, die alltägliche Entscheidungssituationen aus der Praxis abbilden. Windeler nannte die positiven Beispiele zweier niederländischer Studien. Die einfachen Fragestellungen waren: Brauchen wir bei kleineren Eingriffen am Bein Heparine? Bekommen die Patienten eine Thrombose oder nicht? Das Ergebnis: Die Heparinisierung hat nach kleineren Eingriffen keine Vorteile. Ärzte könnten darauf verzichten. Vernünftige Studien zu solchen Fragen, randomisiert und groß genug, seien in Deutschland Mangelware.

In Deutschland gebe es weder entsprechende Forschungsstrukturen noch genug Geld. Außerdem interessiere man sich hierzulande nicht genug für Fragen, die Einfluss auf die Versorgung nehmen könnten. "Diese Kultur ist bei uns nicht sehr ausgeprägt. Und deswegen gibt es auch keine entsprechenden Strukturen, kein Geld und keine Studien", sagte Windeler.

Bei Medikamentenstudien sehe dies anders aus. Sie würden von der Industrie angestoßen, um Medikamentenzulassungen zu erhalten. "Das ist keine Studienkultur. Das ist Abarbeiten von Industrieaufträgen", kritisierte der IQWiG-Leiter.

Allerdings müsse jedem Arzt in Deutschland klar sein, der eine Studie aufsetzen will, dass er sich um die Finanzierung und das Studiendesign selbst kümmern muss. Das sei für viele Ärzte ein zu großer Aufwand und oft gar nicht zu leisten. Wenn Ärzte also eine gute Idee oder eine wichtige Forschungsfrage hätten, gebe es keine Struktur, an die sie sich wenden könnten. In den USA, den Benelux-Staaten und in Skandinavien gebe es diese Strukturen.

"Entscheidend ist ein klares politisches Signal, dass uns in Deutschland die klinische Forschung wichtig ist - weil wir wissen wollen, wie wir unsere Patienten besser versorgen können. Dann kommen auch Strukturen und Geld", so Windelers Forderung.

Der IQWiG-Leiter setzt auf einen Studienfonds, um die Probleme zu lösen. "Wenn man sieht, wie für den Innovationsfonds über Nacht eine Milliarde aus dem Hut gezaubert wird, weil einige Leute ihre Interessen bündeln, dann ist das beeindruckend. Einen solchen Fonds für klinische Studien hätte man schon vor vielen Jahren realisieren können. Es fehlt offensichtlich nicht am Geld, sondern am Willen", so seine Kritik. Der Studienfonds könne aus drei Quellen Geld bekommen: aus Steuern, aus Kassenbeiträgen sowie aus der Industrie.

Verfasser/in:

KVN




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