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aktualisiert am: 15.10.2018

 

  Arzneimittel & Veror

Low dose ASS und Methotrexat

ATIS informiert: Diskrepanz zwischen ärztlich-wissenschaftlicher Empfehlung und pharmakolegalen Vorgaben


 

Anfrage an ATIS
Ein Kollege, Facharzt für Innere Medizin, betreut einen Patienten mit Psoriasisarthritis und plant eine Basistherapie mit Methotrexat in einer Dosis von 15 mg pro Woche. Der Patient wird bei Zustand nach Apoplex mit Acetylsalicylsäure (ASS) 100 mg pro Tag behandelt. Laut Beipackzettel von ASS 100 - 1A Pharma® TAH sei die geplante Methotrexat-Therapie kontraindiziert. Der Kollege bittet um klinisch-pharmakologische Bewertung und Stellungnahme.

Antwort von ATIS
Gemäß den Fachinformationen zu niedrig-dosierter ASS (z.B. Godamed® 100 mg, Aspirin® N, ASS gamma® 75 mg) besteht eine Kontraindikation zur Kombination mit Methotrexat in einer Dosis von 15 mg oder mehr pro Woche (1). Dieselbe Kontraindikation wird in den Fachinformationen der ASS-Handelspräparate zur analgetischen/antiphlogistischen Therapie genannt.
In den verschiedenen Fachinformationen zu niedrig dosiertem Methotrexat (z.B. Lantarel®, Methotrexat "Lederle"®, MTX HEXAL®) wird zu Vorsicht bei Kombination mit "nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAR) einschließlich Salicylsäure" geraten, die Kombination ist jedoch nicht als Kontraindikation aufgeführt (1).

Hintergrund ist die Interaktion von Salicylsäure, des Metaboliten von ASS, mit Methotrexat. Durch Verminderung der renalen Methotrexat-Elimination sowie Verdrängung aus der Plasmaproteinbindung durch Salicylate kann es zu erhöhter Methotrexat-Toxizität kommen.

Diese Interaktion ist abhängig von der Menge an systemisch-verfügbarer Salicylsäure, welche bei niedrig dosierter ASS sehr gering ist. Dementsprechend führt die klinisch-pharmakologische Datenbank AiDKlinik® (2) auf, dass ASS in antiinflammatorischen Dosen zu einem Anstieg der Methotrexat-Plasmakonzentration und einer Zunahme unerwünschter Methotrexat-Wirkungen führen kann, niedrig dosierte ASS zur Plättchenhemmung dagegen sicher zu sein scheint.

Zusammenfassung und Empfehlung

Es besteht eine Diskrepanz zwischen ärztlich-wissenschaftlicher Empfehlung und den pharmakolegalen Vorgaben in den Fachinformationen/Beipackzetteln:
- Aus klinisch-pharmakologischer Sicht spricht nichts gegen die Kombination von ASS zur Plättchenaggregationshemmung und einer Methotrexat-Basistherapie, gegebene Indikation und adäquate Therapiekontrolle vorausgesetzt.
- Formell besteht eine Kontraindikation für die Kombination von niedrig-dosierter ASS und der geplanten Methotrexat-Basistherapie mit 15 mg pro Woche.

Wir raten daher zu besonders sorgfältiger Dokumentation der Nutzen-Risiko-Abwägung und Therapieplanung (dieses Konsil ist Teil dieser Dokumentation), dokumentierter Aufklärung und Einwilligung des Patienten, Verlaufskontrolle und lückenloser Behandlungsdokumentation.

Verfasser/in:
Dr. med. Kristine Chobanyan-Jürgens
Institut für Klinische Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover


PD Dr. med. Dirk O. Stichtenoth
Institut für Klinische Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover



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Literatur

1. Fachinformation; Fachinfo CD, BPI Service GmbH 2018
2. Datenbank AiDKlinik® (AiDKlinik® Release 2.3.1 Revision 33974 - © 2018)


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