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aktualisiert am: 15.10.2018

 

  Patientensicherheit

Orales Methotrexat – Dosierungsverwechselung kann tödlich sein


 


Methotrexat (MTX) ist ein häufig eigesetzter Wirkstoff aus der Gruppe der Zytostatika und Immunsuppressiva. Niedrig dosiert wird es wegen seiner guten Wirksamkeit und Verträglichkeit als Basistherapeutikum in der Behandlung rheumatologischer oder dermatologischer Erkrankungen, wie der rheumatoiden Arthritis, der juvenilen ideopathischen Arthritis oder der Psoriasis vulgaris, genutzt. Anders als in der Tumortherapie darf MTX hier nur einmal wöchentlich verabreicht werden. Angesichts dieser eher ungewöhnlichen Applikationsfrequenz ist bei der Verabreichung von MTX höchste Sorgfalt geboten, damit das MTX nicht versehentlich täglich statt wöchentlich verschrieben, verabreicht oder eingenommen wird. Diese Fehldosierung hat Nebenwirkungen wie eine interstitielle ("atypisch") Pneumonitis, gastrointestinale Symptome, Mukositis und toxische Effekte auf Leber und hämatopoetisches System zur Folge. In schwerwiegenden Fällen kann es zu Multiorganversagen, einer Neutropenie oder Sepsis kommen und damit zum Tod des Patienten führen.

Auf Fehlermeldeplattformen wie CIRSmedical.de für den stationären Bereich, oder http://www.jeder-fehler-zaehlt.de für den ambulanten Sektor sind immer wieder Berichte über die fehlerhafte tägliche Verabreichung von MTX, mit schwerwiegenden Folgen für den Patienten zu finden. Verstirbt der Patient in Folge einer MTX-überdosierung, kann dies auch rechtliche Folgen für die behandelnden Ärzte mit sich bringen. Wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung sind in Niedersachsen bereits mehrere Strafverfahren gegen Ärzte betrieben worden.

Die Ursachen für MTX-überdosierungen sind auf allen Ebenen des Medikationsprozesses zu finden: bei der ärztlichen Verordnung, bei der Bereitstellung durch die Apotheke, bei der Verabreichung durch Pflegende als auch bei der Einnahme durch den Patienten. Eine intensive Schulung der behandelnden Ärzte, Pflegekräfte und Apotheker, eine regelmäßige überwachung der Therapie, sowie eine entsprechende Aufklärung des Patienten über die korrekte Dosierung sind zwingend notwendig. Verschiedene medizinische Fachgesellschaften und Bundesinstitutionen haben Leitlinien und praktische Anleitungen veröffentlicht, wie diese Fehler vermieden werden können. Zu nennen sind hier unter anderem die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) ( https://dgrh.de/Start/Publikationen/Leitlinien/DGRh-Leitlinien-(federführend).html ) und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) ( http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/ 013-001.html ). Da die Problematik der Methotrexat-Intoxkation häufig an der Schnittstelle von der ambulanten zur stationären Behandlung berichtet wurde, hat das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) mit der Handlungsempfehlung "Oral appliziertes Methotrexat" Empfehlungen für beide Versorgungssektoren "ambulant und stationär" herausgegeben. Diese kann kostenfrei auf der Homepage des APS unter http://www.aps-ev.de/handlungsempfehlungen/ heruntergeladen werden.

Verfasser/in:
Lena Strodtmann, M.A.





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