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aktualisiert am: 15.10.2018

 

  Patientensicherheit

Datenstrom soll Patienten dienen

Studie zeigt Zustimmung von niedergelassenen Ärzten zur Digitalisierung / Neues Frühgeborenen-Nachuntersuchungsprojekt vorgestellt / Veranstaltung der Qualitätsinitiative e.V.


 


Ärzte sind an einer weiteren Digitalisierung ihrer Praxen interessiert - vor allem um ihren Patienten einen besseren Service anbieten zu können. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die Dr. Bernhard Tenckhoff von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) am 19. September beim "3. Tag der Qualitätsinitiative" in Hannover vorstellte. Die digitalen Entwicklungen müssten sich aber am tatsächlichen Bedarf der Patienten und der Akteure im Gesundheitswesen orientieren und dürften nicht fachfremden Computerexperten überlassen werden, sagte der Medizininformatiker und Facharzt für Innere Medizin.

Zu der Veranstaltung im Haus der Industrie hatte die Qualitätsinitiative e.V. eingeladen. Das Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen der Ärztekammer Niedersachsen (ZQ) stellte in einem weiteren Vortrag einen neuen Ableger seines neues Frühgeborenen-Nachuntersuchungsprojektes vor. Die Qualitätsinitiative konnte zum Abschluss ihren Promotionspreis 2018 vergeben.

An der Studie zur Digitalisierung nahmen rund 1.700 Praxen in ganz Deutschland teil. Durchgeführt wurde sie vom KBV-Geschäftsbereich Versorgungsmanagement und dem IGES-Institut, einem von Wissenschaftlern geführten privatwirtschaftlichen Forschungs- und Beratungsinstitut.

"Die Praxen sind schon sehr weit in der Digitalisierung, alle rechnen mit digitalen Systemen ab", sagte Tenckhoff, der in Berlin die Stabsstelle ISI leitet (Innovation, Strategische Analyse und IT-Beratung). Der Anteil der digitalen Kommunikation der niedergelassenen Ärzte untereinander und mit den Krankenhäusern seit mit fünf Prozent aber "erschreckend niedrig". Auch die elektronische Patientenakte gehöre noch zur Zukunftsmusik, genauso wie die administrative Entlastung, die sich Ärzte bei Verordnungen, überweisungen und Terminplanungen wünschen - nicht zuletzt auch im Sinne der Patienten. "Es gibt den Wunsch, hier einen gewissen Grad an digitaler Dienstleistung anzubieten", erklärte der Medizininformatiker. Dadurch mehr Zeit für den Patienten zu haben, erwartet allerdings nur ein geringer Teil der befragten Ärzte, wie aus dem Praxisbarometer hervorgeht.

Größte Hemmnisse der Digitalisierung sind laut Studie bestehende Sicherheitslücken in der EDV und ihre Fehleranfälligkeit. Als Strategie gegen fehlende oder falsche Angebote am Markt, die ebenfalls den digitalen Fortschritt behinderten, errichtet die KBV künftig ein "Innovations-Gewächshaus", wie der ISI-Leiter erklärte. Damit könnten sinnvolle digitale Angebote identifiziert, gefördert und letztlich den Ärzten bereitstellt werden. "Ärzte sind die Kommunikationsplattform für die Digitalisierung im medizinischen Bereich", betonte Tenckhoff. Auch bei der Digitalisierung von übermorgen müssten die Mediziner selbst eine zentrale Rolle spielen. So gehe es bei der Künstlichen Intelligenz (KI) nicht nur um das ärztliche Selbstverständnis, sondern vor allem auch um die Verifizierbarkeit der Datengrundlagen, auf der das Selbstlernen der KI erfolge. Basierend auf falschen Daten könne dies medizinische Systeme fehlsteuern, warnte Tenckhoff. Hier sei menschliches Medizinwissen neben den KI-Kenntnissen gefragt: "Wir haben in Deutschland gute Ärzte, die Daten bewerten können", sagte der Medizininformatiker. Er forderte, dass KI -Anwendungen künftig ethische Grundsätze sowie Transparenz- und Qualitätsanforderungen erfüllen müssen - auf einer neuen gesetzlichen Grundlage.

Im zweiten Teil der Vortragsveranstaltung kam Silvia Berlage, die fachliche Leiterin der Qualitätssicherung im ZQ, zu Wort. Sie berichtete von einem neuen Unterstützungsprogramm für Eltern, das im Rahmen des langjährigen Frühgeborenen-Nachuntersuchungsprojekts ebenfalls von der Qualitätsinitiative gefördert wird. Auf freiwilliger Basis können in ganz Niedersachsen Eltern von zweijährigen Frühchen in Sozialpädiatrischen Zentren an Kursen teilnehmen, in denen sie lernen, die psychische Selbstregulation ihrer oftmals beeinträchtigten Kinder zu fördern. Eine Evaluation gehört dazu. "Unser Nachuntersuchungsprojekt hat ein Kind bekommen", sagte Berlage schmunzelnd.

Dem Medizin-Nachwuchs war der letzte Punkt der Tagesordnung gewidmet. Dr. Sinja Alexandra Ernst vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen erhielt für ihre Doktorarbeit zu intrauterinen Wachstumsverzögerungen bei Feten den mit 2000 Euro dotierten und durch eine Bronzefigur symbolisierten Promotionspreis der Qualitätsinitiative.

Verfasser/in:
Christine Koch





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