Logo Hannoversche Ärzte-Verlags-Union
Karl-Wiechert-Allee 18-22
30625 Hannover
info@haeverlag.de
nä 08/2018
aktualisiert am: 15.08.2018

 

  Telemedizin & Digita

Triage digital

Was tun gegen die steigende Überlastung der Notfallaufnahmen und Bereitschaftsdienstzentralen? Intelligente Software kann künftig dabei helfen, die Patientenströme zu lenken


 


Immer mehr Menschen wenden sich bei einem medizinischen Notfall an die Notaufnahmen der Krankenhäuser. Oft sind es ambulante Notfallbehandlungen, die auch hausärztlich versorgt werden könnten. Die Folgen sind überlastungen in den Notaufnahmen, eine Erhöhung der Risiken der notfallmedizinischen Versorgung und gesundheitsökonomisch steigende Kosten der Notfallbehandlung. Lässt sich durch digitale Systeme eine bessere Steuerung der Notfallpatienten erreichen? Aktuell werden zwei Softwareentwicklungen in Pilotprojekten getestet, an denen auch die Kassenärztlichen Vereinigungen beteiligt sind.

Im Juni ist im Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst an der Universitätsmedizin Göttingen unter Beteiligung der KVN das Projekt "OPTINOVA" an den Start gegangen. Sein Ziel ist es, eine differenzierte Steuerung von Notfallpatienten in der ambulanten und stationären Behandlung in der Notaufnahme einzuführen. Dies soll durch intelligente Assistenzdienste erreicht werden, die Notfallmediziner und niedergelassene Ärzte im Bereitschaftsdienst bei der strukturierten Ersteinschätzung in Bezug auf Behandlungsdringlichkeit und erforderliche Notfallversorgungsstufe unterstützen. Für die häufigsten notfallmedizinischen Leitsymptome und -diagnosen stehen sogenannte Notfall-Algorithmen zur Verfügung, die über ein mobiles Endgerät oder direkt in der Klinik vor Ort abgerufen werden können. In enger Kooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung und den Modellkliniken soll so eine bessere und bedarfsgerechte Verteilung der Patientenströme ermöglicht werden.

Im Projekt wird überprüft, ob durch die neue Versorgungsform der Anteil der ambulanten Notfallbehandlungen reduziert werden kann. Darüber hinaus werden die mittleren Kosten aller Patienten und Parameter wie Wartezeiten und Verweildauer in der Notaufnahme untersucht. Dafür werden die Daten aller Patienten vor und nach Einführung der Versorgungsform verglichen. Die Versorgungsform wird zudem vom medizinischen Personal in Bezug auf Akzeptanz, Anwendbarkeit und Nutzen bewertet. Das Projekt wird für dreieinhalb Jahre mit insgesamt ca. 4,3 Millionen Euro gefördert. Im Erfolgsfall kann das Verfahren bundesweit eingesetzt werden. Da die technologische Umsetzung auf einer internetbasierten Softwarelösung basiert, ist der Einsatz orts- und zeitunabhängig.
Ein vergleichbares System wird die Kassenärztliche Bundesvereinigung für die zentrale Bereitschaftsdienstnummer 116117 erproben. Die Software namens SmED (Strukturiertes medizinisches Ersteinschätzungsverfahren für Deutschland) kann überall dort zur Unterstützung eingesetzt werden, wo hilfesuchende Patienten vorstellig werden. Das standardisierte Verfahren ermöglicht eine sichere Empfehlung, wer tatsächlich die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen muss. Die Patienten erhalten eine gezielte Empfehlung, etwa: "Sofort ins Krankenhaus", "Termin beim niedergelassenen Arzt reicht aus" oder "Hausmittel verschaffen Linderung". Daneben bietet SmED auch eine Dokumentation für die anschließende Behandlung. Die Krankenhäuser und die Bereitschaftspraxen sollen so von den sogenannten unechten Notfällen entlastet werden.

SmED wird ab dem ersten Quartal 2019 im Alltagseinsatz auf dem Gebiet von elf Kassenärztlichen Vereinigungen evaluiert und kontinuierlich verbessert. Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) fördert ein Evaluationsprojekt unter Leitung des aQua-Instituts. SmED wird darüber hinaus allen Kassenärztlichen Vereinigungen zur Verfügung stehen, die sie in ihren Telefonvermittlungszentralen und in den Bereitschaftspraxen einsetzen können.

Verfasser/in:

KVN




inhalt 08/ 18
service
anzeigenaufgabe
leserbrief
umfragen
archiv
 

Alle Inhalte © Hannoversche Ärzte-Verlags-Union 1998-2018. Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am: 15.08.2018.
Design by webmaster[at]haeverlag[punkt]de, Support. | Impressum & Datenschutzerklärung