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nä 08/2018
aktualisiert am: 15.08.2018

 

  Telemedizin & Digita

Johanniter entlasten Ärzte durch Telemedizin

Gesundheitsministerin Carola Reimann und KVN-Vorstandsvorsitzender Mark Barjenbruch stellten in Delmenhorst neues Pilotprojekt vor: Innovative Notfallversorgung zu Hause durch telemedizinische Unterstützung


 


Die neuen technischen Möglichkeiten im Rahmen der Digitalisierung werden in Niedersachsen dazu genutzt, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten auf dem Land zu verbessern. Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann hat am 2. August gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Mark Barjenbruch, ein neues innovatives Projekt aus dem Raum Oldenburg vorgestellt. Notfallsanitäter der Johanniter-Unfall-Hilfe führten vor, wie sie bei einem Hausbesuch per Telemedizin von einem Arzt am Klinikum Oldenburg beraten werden können. Das von der KVN initiierte Projekt "116 117 - neues Versorgungsmodell für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst mit telemedizinischer Unterstützung von Gesundheitsfachkräften" wurde am Josef-Hospital Delmenhorst präsentiert.

Patientinnen und Patienten, die ab sofort am Wochenende von freitags, 21.00 Uhr, bis montags, 7.00 Uhr, in Delmenhorst, Ganderkesee oder Lemwerder den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 anrufen, landen in der Telefonzentrale der Johanniter-Unfall-Hilfe. Hier wird zunächst geprüft, ob ein Hausbesuch beim Patienten notwendig ist. Wenn das der Fall ist, macht sich eine Gesundheitsfachkraft der Johanniter auf den Weg zum Patienten nach Hause. Die examinierte Gesundheitsfachkraft - Rettungsassistentin, Notfallsanitäter oder Krankenpfleger - nimmt bei ihrem Hausbesuch eine erste Einschätzung beim Patienten vor und kann vor Ort dank ärztlich validierter Handlungsempfehlungen schon erste Maßnahmen einleiten.

Ist eine ärztliche Expertise erforderlich, so zieht sie zunächst über eine telemedizinische Verbindung Notfallmediziner aus dem Klinikum Oldenburg hinzu. Wie das funktioniert, demonstrierte vor Ort Dr. Daniel Overheu, Projektverantwortlicher und Ärztlicher Leiter der Telemedizin am Klinikum Oldenburg, gemeinsam mit Klaus-Dieter Berner vom Ortsverband Stedingen der Johanniter-Unfall-Hilfe, Beauftragter der Johanniter für das telemedizinische Projekt.

Die Johanniter-Fachkraft ist mit einem entsprechenden Gerät ausgestattet. Im Klinikum Oldenburg ist eine Telemedizin-Zentrale vorhanden, die rund um die Uhr von der Universitätsklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie in Oldenburg (AINS) betrieben wird. Bei Bedarf werden (nach Zustimmung durch den Patienten) die Vitaldaten dorthin übermittelt und der Arzt kann sich per Videoübertragung ein eigenes Bild vom Patienten machen. So kann er der Gesundheitsfachkraft der Johanniter in der Wohnung des Patienten weitere Anweisungen geben oder im Notfall einen Transport in die Notaufnahme des Josef-Hospitals Delmenhorst anordnen. Die Notfall- und Intensivmediziner vom Klinikum Oldenburg versorgen bereits gemeinsam mit dem Fachbereich Offshore Rettung des Ortsverbandes Stedingen der Johanniter-Unfall-Hilfe telemedizinisch die Plattformen und Schiffe in den Offshore-Windparks der Nord- und Ostsee und auch einige Schiffe auf hoher See und verfügen daher über entsprechende Erfahrungen und Kapazitäten.

"Wir gehen davon aus, dass 85 Prozent aller Patienten zuhause geholfen werden kann. Wir greifen auf Erfahrungen zurück, die wir am Klinikum Oldenburg im Zusammenhang mit der Offshore-Rettung gesammelt haben. Die telemedizinische Beurteilung erfolgt durch versierte Notärzte im Klinikum Oldenburg", so Dr. Overheu. Florian Friedel, Geschäftsführer des Josef-Hospitals in Delmenhorst, geht ebenfalls davon aus, dass sich die Patienten, die letztlich in der Notaufnahme versorgt werden müssen, auf eine kleine Anzahl beschränken. "In einem solchen Fall wird der Patient mit einem regulären Krankentransport zur Klinik gefahren."

"Falls sich während der Untersuchung vor Ort herausstellen sollte, dass eine ernstere Erkrankung vorliegt, kann die Gesundheitsfachkraft der Johanniter begleitet von Anweisungen des Mediziners im Telemedizin-Zentrum des Klinikums schon die wichtigsten Maßnahmen einleiten und entsprechend der Arztfreigabe Medikamente geben", ergänzte Klaus-Dieter Berner. Außerdem werden den zuständigen Ärzten in der Notaufnahme in Delmenhorst die Daten übermittelt, so dass sie schon vor dem Eintreffen des Patienten über Informationen verfügen. "Dadurch können sie sofort mit der Behandlung beginnen, wenn der Patient die Notaufnahme erreicht."

"Die Initiatoren und Beteiligten dieses Projekts greifen auf Erfahrungen zurück, die in der telemedizinischen Betreuung der in den Offshore-Windparks der Nord- und Ostsee tätigen Arbeitskräfte gesammelt wurden", würdigte Sozialministerin Carola Reimann das KVN-Projekt: "Niedersachsen zählt mit innovativen Projekten im Bereich der Digitalisierung und Telemedizin zu den Vorreitern, das bekommen wir heute hier in Delmenhorst und Oldenburg plastisch vor Augen geführt." Dr. Carola Reimann wies darauf hin, dass dieses Projekt durchaus Modellcharakter für andere niedersächsische Regionen haben kann: "Dadurch, dass sich Notfallsanitäter bei einem Hausbesuch per Telemedizin von einem Arzt beraten lassen können, verbessern wir die Versorgung insbesondere der auf dem Land lebenden Patientinnen und Patienten. Und mit Blick auf das Problem überfüllter Notaufnahmen an Kliniken gelingt es mit diesem Modell, Patientinnen und Patienten frühzeitig den richtigen Behandlungsweg zu weisen, der oftmals in die ambulante ärztliche Versorgung führt."

KVN-Vorstandsvorsitzender Mark Barjenbruch betonte vor Journalisten in Delmenhorst die Bedeutung des Projekts für die ärztliche Versorgung in Niedersachsen: "Ziel des auf zwei Jahre angelegten Projekts ist es, die medizinische Versorgung der Menschen im kassenärztlichen Bereitschaftsdienst vor dem Hintergrund der abnehmenden Zahl an Hausärzten auch weiterhin in der gewohnten Qualität aufrechtzuerhalten oder sogar zu verbessern. Die Entlastung im kassenärztlichen Bereitschaftsdienst steigert die Attraktivität für Hausärzte und andere ärztliche Fachgruppen, eine Praxis in der Region zu übernehmen oder zu eröffnen. Wir sind sicher, mit diesem Projekt eine Blaupause zu schaffen, die auch in anderen Regionen umgesetzt werden kann."

Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF), der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, der Johanniter-Unfall-Hilfe und des Klinikums Oldenburg finanziert.

Verfasser/in:

KVN




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