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nä 08/2018
aktualisiert am: 15.08.2018

 

  Selbstverwaltung

Eine lange und erfolgreiche Geschichte

In den 70 Jahren ihres Bestehens hat sich die KVN immer wieder an wechselnde Herausforderungen angepasst. Mit ihrem Erfahrungsschatz kann sie sicher in die Zukunft blicken


 

Am 11. August 1948 hat sich die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) in Hannover neu konstituiert. Sie blickt in diesen Tagen auf 70 Jahre zurück - eine lange und erfolgreiche Geschichte.

Kaum ein Lebensbereich hat sich in den vergangenen 70 Jahren so verändert wie das Gesundheitswesen. Veränderungen, die auch die KVN immer wieder neu herausgefordert haben. Das ambulante Gesundheitswesen in Niedersachsen bietet den Bürgerinnen und Bürgern heute eine leistungsfähige und umfassende medizinische Versorgung. Eine Versorgung, die für jeden zugängig ist: unabhängig vom Alter, unabhängig von der wirtschaftlichen Situation, unabhängig von der Schwere der Erkrankung. Darum beneiden uns viele andere Länder.

Zum Erfolg der ambulanten Versorgung tragen die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in erheblichem Maße bei. Organisiert wird diese ambulante medizinische Versorgung von der KVN. 70 Jahre KVN sind also auch 70 Jahre gelungene ambulante medizinische Versorgung!

Die KVN erlebte ihre Geburtsstunde als Körperschaft des öffentlichen Rechts im Jahr 1948 - nur drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Dieses Jahr markiert den Beginn einer neuen Selbstverwaltung, die bis heute trägt und sich im ständigen Wandel befindet. Sicherlich ist nicht immer alles reibungslos und ohne Probleme vonstattengegangen - auch die KVN erlebte stürmische Zeiten und erlebt sie immer noch.

70 Jahre Erfolgsgeschichte


Die KVN hat aber zahlreiche Erfolge aufzuweisen. Ein Erfolg ist zum Beispiel, dass der Sicherstellungsauftrag bis heute von der KVN erfüllt wird. Und das vor dem Hintergrund ständiger gesellschaftlicher Umwälzungen. In den 1950er-Jahren musste ein zerstörtes Niedersachsen erst wieder aufgebaut und eine medizinische Versorgung neu geschaffen werden. In den 60ern gab es eine Phase der Konsolidierung, die Deutschen genossen ihr Wirtschaftswunder und die ambulante Versorgung stabilisierte sich.

Schließlich die 70er, in denen nicht nur die politischen Extreme ihre verheerenden Spuren hinterließen, sondern in denen auch die Wirtschaft zu stottern begann - was wiederum seine Auswirkung auf das ambulante Gesundheitswesen hatte. Denn in diesem Jahrzehnt wurde ein erstes Kostendämpfungsgesetz verabschiedet, dem noch viele weitere folgen sollten. In diesem Zusammenhang wurde oft und gerne über die Ärzteschwemme lamentiert - das hat sich mittlerweile ins Gegenteil verändert.

Dann schließlich Ende der 80er-Jahre die Wende mit dem beispiellosen Kraftakt der Wiedervereinigung. Es folgten die 90er-Jahre, die vor allem von der technischen Entwicklung im EDV- und Kommunikationsbereich auch in den Praxen geprägt waren, und die Jahre des neuen Jahrtausends mit ihrer sich abzeichnenden demografischen Entwicklung, die uns bis heute vor weitreichende Probleme stellt.

Leistungsfähig durch Zukunftsorientierung


Das ambulante System in Niedersachsen war und ist enorm leistungsfähig. Die KVN hat dabei neue Modelle und Lösungen geschaffen. Wir haben früh die technische Entwicklung einer sich immer mehr vernetzenden Wirtschaft und Gesellschaft aufgegriffen und - auch wenn das manchmal in der öffentlichkeit anders dargestellt wird - die elektronische Vernetzung der Heilberufe untereinander vorangebracht. Das KV-System hat Innovationen in der Versorgung aufgenommen oder weiterentwickelt, die Versorgung von chronisch Kranken wurde entscheidend verbessert.

Nicht zuletzt hatte die KVN einen erheblichen Anteil daran, in der ambulanten Versorgung eine Qualitätssicherung etabliert zu haben, die passgenau auf die Situation der Praxen zugeschnitten ist. Wer sich heute von einem Vertragsarzt behandeln lässt, kann sich sicher sein, dass die höchsten Qualitätsstandards eingehalten werden.

Die KVN leistet in den Gremien der gemeinsamen Selbstverwaltung Zukunftsarbeit mit hoher fachlicher Kompetenz. Die Entscheidungen, die die gemeinsame Selbstverwaltung trifft, mögen nicht immer allen gefallen. Sie sind aber auf jeden Fall besser als Entscheidungen, die am grünen Tisch von Politikern getroffen werden würden.

Nicht zuletzt bedeutet gemeinsame Selbstverwaltung auch das Aushandeln von Honoraren für Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten. Hier setzt die KVN mit den Krankenkassen Jahr für Jahr die Rahmenbedingungen fest.

Es ist aber nicht alles Gold, was glänzt. Die Investitionen in den Praxen gehen zurück, die Umsätze aus dem GKV-Bereich stagnieren, der Ärger über Budgetierungen nimmt zu. Hier ist das vielzitierte Bohren dicker Bretter nötig.

Berufsbild im Wandel


70 Jahre KVN - das sind auch 70 Jahre des Wandels des Berufsbildes von Ärzten. Ungebrochen positiv ist das Bild, das die Bevölkerung von ihren Ärzten hat. Seit 1966 führt das Allensbach-Institut seine Umfrage zum Renommee der Berufsgruppen durch - und stets führen die Ärzte diese Liste an. Mehr noch: Ärzte genießen in erheblichem Maße das Vertrauen ihrer Patienten. Aber genießen sie auch das Vertrauen der Politik? Wenn wir aktuell zum Beispiel auf die Diskussion um die Erhöhung der Sprechstundenzeiten blicken, dann wohl eher nicht.

Wie hat sich das Eigenbild des Arztes in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Der Landarzt, der rund um die Uhr für seine Patienten da ist, entspricht nicht mehr unbedingt den Vorstellungen der jüngeren Generation. Die romantische Vorstellung, es werde auch in Zukunft in jedem Dorf einen Arzt geben, ist endgültig zum Alleinstellungsmerkmal der medizinischen Versorgung in Vorabendserien geworden.

Es gibt immer mehr Mediziner, die sich zwar niederlassen wollen, die dabei aber ein anderes Verständnis von ihrem Beruf und ihrer Rolle als Arzt haben. Das Verhältnis von Beruf, Familie und Freizeit soll ausgewogen sein. Schuften bis der Arzt kommt - dieser Devise gilt für die nachrückende Ärztegeneration nicht mehr. Kann man es ihr verdenken? Wohl kaum.

Die KVN hat längst Maßnahmen ergriffen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch für Niedergelassene voranzubringen. Entgegen aller Klischees: Die Tätigkeit als niedergelassener Arzt in einer Einzelpraxis oder in einer Gemeinschaftspraxis kann so organisiert werden, dass die Bedürfnisse der jungen Generation erfüllt werden. Dies unterstützt die KVN.

Kooperation und Vernetzung


Wie wird sich das ambulante Gesundheitswesen in Niedersachsen in den kommenden 70 Jahren entwickeln? Wir werden mehr vernetzte Strukturen haben, die Heilberufe werden noch enger zusammenarbeiten. Der ambulante Bereich wird viel stärker in die Aus- und Weiterbildung des medizinischen Nachwuchses involviert sein. Sektorengrenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung werden in weiten Teilen fallen.

Die elektronische Vernetzung und Digitalisierung von Gesundheitsdaten wird intensiv sein und viele Dinge deutlich einfacher machen. Die Patienten werden noch viel stärker in die Organisation der Behandlung einbezogen werden - nicht zuletzt dank des technischen Fortschritts. Sie werden noch viel mehr zum Partner des Behandlungserfolges, weil sie auch mehr Verantwortung übernehmen.

Das ambulante medizinische System der Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten hat sich in siebzig Jahren als robust erwiesen. Es hat aus sich heraus Lösungen für die jeweiligen Herausforderungen gefunden und griff dabei auf das Selbstverständnis eines freien Berufes zurück. Dieses Selbstverständnis, das für die Ärzte und Psychotherapeuten im besonderen Maße gilt, ist die Kraft, aus der heraus neue Dinge angestoßen werden können.

Niedersachsen braucht eine starke KVN. Nur die Selbstverwaltung des KV-Systems kann die ambulante medizinische Versorgung auch in den kommenden Jahrzehnten sicherstellen. Die Herausforderungen sind groß - packen wir es gemeinsam an!


Verfasser/in:
Dr. med. Martina Wenker
Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen
Kreiskrankenhaus Diekholzen, Am Bahnberg 5, 31199 Diekholzen

Marion Charlotte Renneberg
Allgemeinärztin
Eichstraße 5, 31241 Ilsede



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