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nä 08/2018
aktualisiert am: 15.08.2018

 

  Bezirksstellen

„Bewegen, bewegen, bewegen!“

Unter Beteiligung der Bezirksstelle Hildesheim der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) fand am 6. Juni im Kreishaus des Landkreises Hildesheim eine Fachtagung zum Modellprojekt „Einbindung der Hausarztpraxen bei Demenz“ mit Franz Müntefering statt.


 


Hildesheim. Erstmal zuhören, was die anderen zu sagen haben. Wie die Erfahrungen vor Ort sind und welche Lösungsansätze es gibt. Mit dieser Einstellung kam Franz Müntefering am 6. Juni in das Hildesheimer Kreishaus. Es ging um die "Einbindung der Hausarztpraxen bei Demenz". Manuel Stender vom Senioren- und Pflegestützpunkt des Landkreises Hildesheim und die "Lokale Allianz für Menschen mit Demenz" hatten eingeladen.

Mobilität sei die Lebensqualität im Alter, sagte der 78-jährige ehemalige Minister und Vizekanzler Müntefering, der sein Ministeramt aufgab, als er sich um seine erkrankte Lebensgefährtin kümmerte. Er betonte, wie wichtig das Sprechen über Demenz sei. Dabei würden auch die Hausärzte eine entscheidende Rolle spielen. Zu ihnen hätten die Menschen immer noch Vertrauen. Telemedizin und Digitalisierung seinen in diesem Punkt fehl am Platz. "Die Menschen brauchen den Händedruck ihres Arztes." Und sie brauchen natürlich eine Diagnose, dass eine Demenz vorliegt. Als die Pflegeversicherung konstruiert wurde, sei diese Krankheit nicht mit bedacht worden - ein Fehler. "Das ist keine Altersvergesslichkeit."

"Einer der Gründe, warum ich hier nach Hildesheim gekommen bin: die Ärzte sind mit dabei", betonte Müntefering, der seit 2015 auch Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen ist. Bei seinem Vortrag vor Ärzten und deren Mitarbeitern sowie Aktiven in der Seniorenarbeit sprach Müntefering Klartext und stellte Forderungen. Zum Beispiel nach einem "Altenhilfesicherungsgesetz". "Es kann nicht sein, dass es Hospizeinrichtungen nur punktuell gibt." Ansätze zeigten aber in die richtige Richtung. "Die lokalen Allianzen funktionieren ganz gut."

An den Einzelnen gerichtet, rät er, keine Opferhaltung einzunehmen. Und bei der Pflege von Angehörigen sollte man sich nicht verausgaben. "Das sind Berufe, die man können muss. Da geht manche Liebe kaputt", weiß Müntefering, der in diesen Fällen eher zu stationären Einrichtungen rät. Pflegeheime seien aber zu oft ein "Hospiz light", zudem ohne eine professionelle Palliativversorgung. "Wir brauchen mehr Pflegekräfte und eine bessere Bezahlung." Und noch ein Rat an jeden einzelnen: "Bewegen, bewegen, bewegen."

Manuel Stender erläuterte den Gästen das Konzept der "Informationsmappe Demenz", die über die Arztpraxen der Region sowie den Landkreis zu bekommen ist und sich guter Nachfrage erfreuen. Darin enthalten: Informationsmaterialien zu den Beratungs- und Hilfsangeboten jenseits der ärztlichen Versorgung. "Wir müssen die Hausarztpraxen und Krankenhäuser im Bereich Demenz besser vernetzen", fordert Stender.

Ein wichtiger Programmpunkt war auch die Diskussionsrunde mit Angehörigen von Demenzpatienten, bei der Dr. med. Dorothea Mordeja, Vorsitzende der ÄKN-Bezirksstelle Hildesheim und selbst Allgemeinmedizinerin sowie ihr Berufskollege Stefan Brunotte aus der Praxis berichteten. Moderiert von Helga Kassebom von der Alzheimer Gesellschaft Hildesheim wurde deutlich, mit welchen Schwierigkeiten Partner zu kämpfen haben.

Verfasser/in:
Heiko Stumpe





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Hinweis:

Mit freundlicher Genehmigung des KEHRWIEDER am Sonntag, Wochenzeitung in der Region Hildesheim/Vorharz (Erstveröffentlichung am 9./10. Juni 2018)


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