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nä 08/2018
aktualisiert am: 15.08.2018

 

  Fachsprachprüfung

Drei Jahre Fachsprachprüfungen

Im Juni 2015 fand die erste Fachsprachprüfung für Ärzte in Niedersachsen statt – ein Erfahrungsbericht


 


Nachdem die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) im Juni 2014 ein Eckpunktepapier erarbeitete, um ein einheitliches überprüfungsverfahren der medizinischen Fachsprache für Ärzte zu regeln, wurde dieses im Juni 2015 durch einen Erlass des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung in Niedersachsen umgesetzt. Ziel ist es sicherzustellen, dass Ärzte, bevor sie eine Berufserlaubnis oder Approbation erhalten, nachwiesen haben, über ausreichende Kenntnisse der deutschen medizinischen Fachsprache zu verfügen. Der Niedersächsische Zweckverband zur Approbationserteilung (NiZzA), welcher über die Berufserlaubnisse und die Approbationen zu entscheiden hat, erteilt einen entsprechenden Gutachtenauftrag an die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN). Diese erstattet das Gutachten auf der Grundlage einer von ihr durchgeführten Fachsprachprüfung. Diese Prüfung darf erst stattfinden, wenn durch den NiZzA die Voraussetzungen geprüft wurden. Daher können sich die Kandidatinnen und Kandidaten auch nicht selbst direkt an die ÄKN wenden und um Durchführung einer Fachsprachprüfung nachsuchen.

Die ÄKN hat ein standardisiertes Prüfungsverfahren etabliert, wofür sie sich - wie viele andere Kammern auch - an das Konzept der Ärztekammer Westfalen-Lippe anlehnte. In Westfalen-Lippe wurde im Ländervergleich schon sehr früh mit der überprüfung der deutschen Fachsprache begonnen. Das Verfahren hat sich auch aus organisatorischer Sicht gut etabliert und die Wartezeit auf einen Prüfungstermin beträgt trotz hoher Prüfungszahlen konstant drei bis sechs Wochen.

Innerhalb der Ärzteschaft genießen die Fachsprachprüfungen großes Ansehen, denn ein Einsatz der Kandidaten in Klinik und Praxis ist ohne eine sichere Beherrschung der medizinischen Fachsprache nicht sinnvoll möglich. Und auch die Kandidaten fühlen sich sicherer im Umgang mit Kollegen sowie Patienten, wenn sie die Fachsprachprüfung (FSP) bestanden haben.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass es für Kandidaten einfacher ist, die medizinische Fachsprachprüfung zu meistern, wenn sie bereits eine allgemeine Sprachprüfung auf dem Niveau C1 absolviert haben. Denn das Prüfungsniveau der FSP orientiert sich an den Vorgaben, die zum Erlangen des Sprachzertifikats von Level C1 vorgeschrieben sind. Zwingende Voraussetzung für die Teilnahme an der FSP ist ein Sprachzertifikat auf Level C1 jedoch nicht.

Für viele Kandidaten überraschend und eine Herausforderung ist, dass die FSP auch in medizinischen Fachgebieten stattfinden kann, in denen der Kandidat gegebenenfalls nicht mehr oder nicht schwerpunktmäßig tätig ist. Gerade erfahrene Ärzte aus dem Ausland, die in ihrem Heimatland eventuell bereits einen Facharzttitel erworben haben, sind nervös, wenn die Sprachprüfung Themen betrifft, die nicht aus ihrem Fachgebiet stammen. Das liegt jedoch daran, dass es sich bei der FSP um einen Bestandteil des Approbationsverfahrens handelt, mit dem die Erlaubnis beantragt wird, in Deutschland als Arzt zu arbeiten. Die Approbation ist aber eine umfassende und daher nicht auf bestimmte Fachgebiete beschränkte Erlaubnis zur Heilkundeausübung. Die Kandidaten können mit einer Approbation, auch wenn die gewissenhafte Ausübung des Berufs die notwendige fachliche Qualifikation erfordert, grundsätzlich in allen medizinischen Bereichen tätig werden. Umgekehrt müssen sie daher auch sprachlich in der Lage sein, sich in der deutschen Fachsprache fachgebietsübergreifend sicher zu verständigen, das heißt sich mündlich und schriftlich mit Kollegen anderer Disziplinen auszutauschen. Wenn überhaupt fachliche Fragen gestellt werden, dann weil man den Eindruck gewonnen hat, dass der Kandidat entsprechende Erfahrungen besitzt und es dem Gesprächsverlauf dienlich ist. Es wäre also nicht nachteilig zu bewerten, wenn der Kandidat aussagt, er könne die Frage fachlich nicht beantworten oder fachlich eine falsche Antwort gibt.

Praxiserfahrung hilfreich


Viele Rückmeldungen von Kandidaten haben gezeigt, dass am besten in der Praxis gelernt wird, zum Beispiel bei Hospitationen vor Ort. In Klinik und Praxis und unter Anleitung eines erfahrenen Arztes erfahren die Kandidaten hautnah die besonderen Erfordernisse und Situationen, die ein Arzt im Rahmen seiner Berufstätigkeit bewältigen muss, wie zum Beispiel Aufklärungsgespräche mit Patienten, Fachgespräche unter Kollegen und auch heikle Patientengespräche wie das überbringen schlechter Nachrichten.

Viele Kandidaten wünschen sich daher eine noch praxisbezogenere Sprachausbildung verbunden mit der Möglichkeit der Einübung in medizinischen Einrichtungen. Je länger entsprechende Erfahrungen nachgewiesen werden können, desto größer ist tatsächlich die Chance, die FSP zu bestehen.

Spezifische Kurse bieten die ÄKN und NiZzA allerdings nicht an. Sprachlehrer und Kursanbieter sollen jedoch die Möglichkeit erhalten, konkrete Fragen persönlich zu stellen und Informationen direkt zu erhalten. Interessierte beziehungsweise Einrichtungen aus diesem Bereich sind daher herzlich eingeladen, am 9. November 2018 um 14 Uhr in der Ärztekammer Niedersachsen an einem Informationsnachmittag teilzunehmen. Themenplan ergänzen

Weitere Informationen erhalten Sie per E-Mail an fachsprachpruefung@aekn.de und zu gegebener Zeit online auf http://www.aekn.de.


Verfasser/in:
Markus Schwinn
Sachgebietsleiter, Ärztekammer Niedersachsen




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Die grundlegenden Level sind:
A: Elementare Sprachverwendung
B: Selbstständige Sprachverwendung
C: Kompetente Sprachverwendung
Diese sind nochmals in insgesamt 6 Stufen des Sprachniveaus unterteilt:

A1 - Anfänger
Kann vertraute, alltägliche Ausdrücke und ganz einfache Sätze verstehen und verwenden, die auf die Befriedigung konkreter Bedürfnisse zielen. Kann sich und andere vorstellen und anderen Leuten Fragen zu ihrer Person stellen - zum Beispiel wo sie wohnen, was für Leute sie kennen oder was für Dinge sie haben - und kann auf Fragen dieser Art Antwort geben. Kann sich auf einfache Art verständigen, wenn die Gesprächspartnerinnen oder Gesprächspartner langsam und deutlich sprechen und bereit sind zu helfen.

A2 - Grundlegende Kenntnisse
Kann Sätze und häufig gebrauchte Ausdrücke verstehen, die mit Bereichen von ganz unmittelbarer Bedeutung zusammenhängen (zum Beispiel Informationen zur Person und zur Familie, Einkaufen, Arbeit, nähere Umgebung). Kann sich in einfachen, routinemäßigen Situationen verständigen, in denen es um einen einfachen und direkten Austausch von Informationen über vertraute und geläufige Dinge geht. Kann mit einfachen Mitteln die eigene Herkunft und Ausbildung, die direkte Umgebung und Dinge im Zusammenhang mit unmittelbaren Bedürfnissen beschreiben.

B1 - Fortgeschrittene Sprachverwendung
Kann die Hauptpunkte verstehen, wenn klare Standardsprache verwendet wird und wenn es um vertraute Dinge aus Arbeit, Schule, Freizeit und so weiter geht. Kann die meisten Situationen bewältigen, denen man auf Reisen im Sprachgebiet begegnet. Kann sich einfach und zusammenhängend über vertraute Themen und persönliche Interessengebiete äußern. Kann über Erfahrungen und Ereignisse berichten, Träume, Hoffnungen und Ziele beschreiben und zu Plänen und Ansichten kurze Begründungen oder Erklärungen geben.

B2 - Selbstständige Sprachverwendung
Kann die Hauptinhalte komplexer Texte zu konkreten und abstrakten Themen verstehen; versteht im eigenen Spezialgebiet auch Fachdiskussionen. Kann sich so spontan und fließend verständigen, dass ein normales Gespräch mit Muttersprachlern ohne größere Anstrengung auf beiden Seiten gut möglich ist. Kann sich zu einem breiten Themenspektrum klar und detailliert ausdrücken, einen Standpunkt zu einer aktuellen Frage erläutern und die Vor- und Nachteile verschiedener Möglichkeiten angeben.

C1 - Fachkundige Sprachkenntnisse
Kann ein breites Spektrum anspruchsvoller, längerer Texte verstehen und auch implizite Bedeutungen erfassen. Kann sich spontan und fließend ausdrücken, ohne öfter deutlich erkennbar nach Worten suchen zu müssen. Kann die Sprache im gesellschaftlichen und beruflichen Leben oder in Ausbildung und Studium wirksam und flexibel gebrauchen. Kann sich klar, strukturiert und ausführlich zu komplexen Sachverhalten äußern und dabei verschiedene Mittel zur Textverknüpfung angemessen verwenden.

C2 - Annähernd muttersprachliche Kenntnisse
Kann praktisch alles, was er/sie liest oder hört, mühelos verstehen. Kann Informationen aus verschiedenen schriftlichen und mündlichen Quellen zusammenfassen und dabei Begründungen und Erklärungen in einer zusammenhängenden Darstellung wiedergeben. Kann sich spontan, sehr flüssig und genau ausdrücken und auch bei komplexeren Sachverhalten feinere Bedeutungsnuancen deutlich machen.
Quelle: http://www.europaeischer-referenzrahmen.de

Statistik


Die Anzahl der jährlich durchgeführten Fachsprachprüfungen ist leicht steigend von 749 Prüfungen im Jahr 2016 auf 783 Prüfungen im Jahr 2017. überwiegend handelt es sich um weibliche Kandidaten. Die Erfolgsquote der weiblichen Kandidaten ist um circa zwei Prozent höher als die der männlichen.

Die meisten Bewerber kommen aktuell aus Syrien. Weitere stark vertretene Herkunftsländer waren Ägypten, Ukraine, die Russische Föderation, Iran und Serbien. Bemerkenswert ist, dass die Kandidatenzahl aus der Russischen Föderation und aus der Ukraine im Jahr 2016 noch nicht unter den TOP 5 lag.


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