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nä 06/2018
aktualisiert am: 15.06.2018

 

  Qualitätsmanagement

Suche nach „Bad Apples“ unter den Frauenkliniken?


 


Am 24. März 2017 ist die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zu planungsrelevanten Qualitätsindikatoren in Kraft getreten. Damit wird erstmals Qualität als weiteres Kriterium in der Krankenhausplanung eingesetzt und ein Paradigmenwechsel eingeleitet. Bereits im Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) wird der besondere gesetzliche Stellenwert der Qualität festgeschrieben, um wie es heißt "[...] eine qualitativ hochwertige, patienten- und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit leistungsfähigen, qualitativ hochwertigen und eigenverantwortlich wirtschaftenden Krankenhäusern zu gewährleisten."

Die Richtlinie sieht die übermittlung der Auswertungsergebnisse zu planungsrelevanten Qualitätsindikatoren an die Landesplanungsbehörden, bei einer "in erheblichem Maß unzureichenden Qualität", vor. Ausgewählt wurden dafür in einem ersten Schritt ausschließlich Indikatoren aus dem Bereich der Frauenheilkunde und Geburtshilfe: Fünf Indikatoren stammen aus der Qualitätssicherung Geburtshilfe, drei aus dem Bereich der gynäkologischen Operationen und drei aus der Mammachirurgie. Es wird davon ausgegangen, dass die ausgewählten Qualitätsindikatoren geeignet sind, qualitativ unzureichende Ergebnisse zu identifizieren. Maßstab für die Beurteilung der Qualitätsergebnisse bilden die festgelegten Referenzbereiche. Allerdings stellt sich die Frage, wie die Qualität verschiedener Leistungen bei der Beurteilung einer Fachabteilung gewichtet und zusammengefasst werden kann. Was passiert, wenn das Qualitätsziel in nur einem von fünf Indikatoren, beispielsweise in der Geburtshilfe, nicht erreicht wird?

Qualität oder Bedarf?


Einerseits könnte es durch die neuen QS-Instrumente zur "Verdrängung von Krankenhäusern vom Markt" oder zum Leistungsverbot kommen, wenn bestimmte Qualitätsanforderungen nicht erfüllt werden. Andererseits liegt die gesetzliche Forderung nach Sicherstellung der "bedarfsgerechten Versorgung durch Planung" vor. Wie sind Konflikte in diesem Spannungsfeld zu lösen?

Zurück zum "Bad-Apple"-Prinzip?


Kehren wir mit dem Instrument der planungsrelevanten Qualitätsindikatoren wieder zum "Bad-Apple"-Prinzip mit den üblichen Mechanismen der Sanktionsvermeidung zurück?
Konsequenzen könnten sein, dass eine Risikoselektion stattfindet, das heißt Patienten mit hohem Risiko abgewiesen werden oder eine Verbesserung der Qualitätsstatistik, aber nicht der Qualität der Versorgung, erfolgt.

Kliniken müssen die Möglichkeit haben, mit den Strategien des Qualitätsmanagements und dem damit verbundenen Streben nach Verbesserung von Strukturen und Prozessen gegenzusteuern. Hierfür gibt es etablierte Instrumente wie Benchmarking oder Peer Review Verfahren, aber die gewünschten Ergebnisse lassen sich, auch mit größten Anstrengungen, meistens nicht innerhalb eines Jahres erreichen.

Viele Fragen und NOCH keine Antworten!

Verfasser/in:
Dr. rer. pol. Frédéric Pauer
Versorgungsplanung, ZQ


Dipl.-Dok. Silvia Berlage
Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen, Einrichtung der Ärztekammer Niedersachsen
Berliner Alle 20, 30175 Hannover
silvia.berlage@zq-aekn.de


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