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aktualisiert am: 15.06.2018

 

  Fortbildung

Der Super-GAU wirkt weiter

Bilanz nach 25 Jahren Landesstiftung „Kinder von Tschernobyl“: Die Bevölkerung leidet noch immer


 


Auf eine eindrucksvolle Erfolgsbilanz blicken nach 25 Jahren die "Kinder von Tschernobyl". Die niedersächsische Landesstiftung, die als Hilfe für strahlengeschädigte Kinder begonnen hatte, ist zu einem bedeutenden humanitären Faktor für die gesamte Bevölkerung in den betroffenen Gebieten des Super-GAUs geworden, wie ÄKN-Vorstandsmitglied Dr. med. Gisbert Voigt in seinem Eröffnungsvortrag zum Ärzteforum Weser-Ems berichtete.

Mehr als 320 Ultraschallgeräte zur Früherkennung und Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen wurden von der Stiftung nach Weißrussland, in die Ukraine und die angrenzenden betroffenen Gebiete geliefert. In über 50 Ultraschall-Kursen wurden Ärzte und Ärztinnen aus der Region in der Diagnostik geschult. "Die Bevölkerung wird jetzt regelmäßig und flächendeckend gescreent", freute sich Voigt, der im Jahr 2013 den Vorsitz der Landesstiftung übernommen hatte. Bei fast 70 Delegationsreisen wurden hunderte von Krankenhäusern besucht - viele Einrichtungen schmückten sich jetzt mit dem Logo der Stiftung, wie Voigt berichtete.

"Das humanitäre Engagement der Stiftung hat die Lebensbedingungen vor Ort konkret verbessert", sagte Voigt. Belarus und noch mehr die Ukraine bedürften aber nach wie vor der Hilfe der Landesstiftung, die in den vergangenen 25 Jahren auch andere medizinische Projekte in den beiden Ländern gefördert und einen "segensreichen Einfluss" in der gesamten Region entfaltet habe.

In der betroffenen Bevölkerung gebe es weiterhin eine deutlich erhöhte Morbidität - eine Kausalität zwischen der Strahlenbelastung durch den Super-GAU und der erhöhten Morbidität werde allerdings von Regierung und Behörden offiziell geleugnet. "Die offizielle Linie lautet: Es ist vorbei", erklärte Voigt. "Es gibt aber immer noch einen eindeutigen Zusammenhang der Erkrankungen mit dem Fallout von Tschernobyl."

Die Bevölkerung habe auch heutzutage unter den gesundheitlichen Folgen der radioaktiven Strahlung zu leiden, obwohl die Gebiete inzwischen sauberer seien. Die radioaktiven Zerfallsprodukte blieben in der Nahrungskette und schädigten die Menschen, erklärte Voigt. Jedes Krankenhaus habe ständig neue Fälle zu versorgen. Aktuell gebe es zudem eine massive Zunahme von kaum behandelten psychischen Erkrankungen, berichtete Voigt: "Die psychiatrische und psychosoziale Versorgung ist katastrophal", sagte der Stiftungsvorsitzende. "Hier wollen wir in den nächsten Jahren in der Entwicklung der Kinder-Palliativmedizin einen neuen Schwerpunkt setzen."

Verfasser/in:
Christine Koch





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