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aktualisiert am: 16.04.2018

 

  Arzneimittel & Veror

Interaktion Rifampicin - Rivaroxaban

Bei Rifampicintherapie wird ein Vitamin K-Antagonist bzw. Heparin statt eines NOAK empfohlen


 

Anfrage an ATIS
Herr Dr. S., Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, fragt: "Als einziges Biofilm-aktives Antibiotikum hat Rifampicin eine große Bedeutung in der Therapie von grampositiven Erregern. Inwiefern muss bei Patienten mit Xarelto®-Einnahme die Dosis angepasst bzw. auf eine alternative Antikoagulation umgestellt werden?"

Antwort von ATIS
Rifampicin ist ein potenter Induktor von P-Glykoprotein
(P-gp) sowie der Cytochrom P450-Isoenzyme CYP3A4, CYP2C19, CYP2C9, CYP1A2, CYP2C8 und CYP2B6. Rivaroxaban ist ein P-gp-Substrat und wird hauptsächlich durch CYP3A4 und CYP2J2 abgebaut. Rifampicin senkt die Plasmakonzentration von Rivaroxaban auf bis zu 50 Prozent, was eine entsprechende Verminderung der Wirksamkeit zur Folge hat (1). In der Literatur sind Lungenembolien, zum Teil mit tödlichem Ausgang, beschrieben, bei denen ein Therapieversagen von Rivaroxaban aufgrund der Wechselwirkung mit Rifampicin vermutet wird (2, 3). Laut Fachinformation zu Rivaroxaban (Xarelto®) sollte die gleichzeitige Therapie mit beiden Wirkstoffen vermieden werden (1). Eine Dosisempfehlung im Fall dieser Kombination besteht nicht, jegliche Dosiserhöhung von Rivaroxaban über die empfohlene Dosis wäre zudem "off-label". Eine vergleichbare Interaktion ist auch bei Kombination von Rifampicin mit Apixaban, Dabigatran, Edoxaban oder Vitamin K-Antagonisten zu erwarten. Vitamin K-Antagonisten haben in dieser Situation gegenüber Rivaroxaban oder anderen Nicht-Vitamin-K-antagonistischen oralen Antikoagulantien den Vorteil, dass sich das Ergebnis dieser Interaktion durch INR-Bestimmung quantifizieren und somit durch Dosisanpassung kontrollieren lässt.

Empfehlungen

Wir empfehlen, bei längerer Therapie mit Rifampicin und Indikation zur Dauerantikoagulation einen Vitamin-K-Antagonisten einzusetzen. Wenn nur eine kurzfristige perioperative Antikoagulation erforderlich ist, empfehlen wir die Gabe eines niedermolekularen Heparins.

Verfasser/in:
PD Dr. med. Stefan Engeli



Dr. med. Kristine Chobanyan-Jürgens
Institut für Klinische Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover


PD Dr. med. Dirk O. Stichtenoth
Institut für Klinische Pharmakologie, Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Str. 1, 30625 Hannover



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Literatur

1 Fachinformation; Fachinfo CD, BPI Service GmbH 2018
2 Altena R, van Roon E, Folkeringa R, de Wit H, Hoogendoorn M. Clinical challenges related to novel oral anticoagulants: drug-drug interactions and monitoring. Haematologica 2014; 99: e26-7
3 Kaur J, Rizvi S, Tewari P, Tamer S, Nafsi T. Rivaroxaban Treatment Failure From Possible Drug Interaction: A Case Report. Chest World Congress 2016, Poster Presentation, Volume 149, Issue 4, A501 [ http://journal.chestnet.org/article/S0012-3692(16)01141-7/pdf ]

Kontakt zu ATIS

Alle Anfragen zur Arzneimitteltherapie können auf folgendem Wege an ATIS gestellt werden: Vorzugsweise per Fax: 0511 380-1003462. Telefon: 0511 380-3222. Postanschrift: KV Niedersachsen, z.H. Frau Dr. Friederike Laidig, Berliner Allee 22, 30175 Hannover. Die ATIS-Homepage mit elektronischem Anfrageformular ist im KVN-Mitgliederportal unter Verordnungen > Arzneimittel > Therapeutische Informationen zu finden. Wir bitten aus organisatorischen Gründen, Anfragen an die genannte KVN-Adresse zu richten. Ihre Anfrage wird dann entweder dort direkt beantwortet oder an das Institut für Klinische Pharmakologie der MHH weitergeleitet.



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