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nä 04/2018
aktualisiert am: 16.04.2018

 

  Fortbildung

Der Hypertonie Herr werden

SPRINT-Studie nicht anwendbar / Strategien gegen therapierefraktären Bluthochdruck


 

Die Maßgaben aus der SPRINT-Studie sollten bei Hypertonie-Patienten nicht angewendet werden. Dafür sprach sich beim Ärzteforum Aller-Elbe Jörg Hamann, Facharzt für Innere Medizin, in seinem Vortrag aus. Der Walsroder Facharzt referierte über ambulante Blutdruckeinstellung im Praxisalltag - und beleuchtete dabei vor allem auch die therapierefraktäre arterielle Hypertonie.

Die in Fachkreisen umstrittene SPRINT-Studie (Systolic Blood Pressure Interventional Trail) hatte impliziert, dass eine aggressivere Blutdrucksenkung mit 120 mmHg als systolischem Zielwert bei bestimmten Risikopatienten klinisch von Vorteil ist. "Die Behandlungsstrategien in Deutschland bleiben aber bei einem Wert von 140/90", betonte Hamann. In der Studie waren zahlreiche Hypertonikergruppen ausgeschlossen worden, darunter Diabetiker, Schlaganfallpatienten und solche mit therapierefraktärem Bluthochdruck. Es waren vermehrt akutes Nierenversagen, signifikante Elektrolytstörungen und Hypotonien aufgetreten.

Bei Patienten mit Diabetes werde jetzt ein Zielwert von unter 140/85 empfohlen. Für ältere Patienten unter 80 Jahren reiche es aus, den systolischen Wert auf 140 bis 150 zu senken, sagte Hamann: "Da sind wir nicht mehr so streng." Kritisch werde es, wenn sich die Hypertonie als therapierefraktär erweise, das Therapieziel trotz ausreichend dosierter Medikation mit mindestens drei Antihypertensiva aus unterschiedlichen Gruppen, unter Einschluss eines Diuretikums, nicht erreicht wird.

Der Facharzt empfahl in einem solchen Fall ein abgestuftes Vorgehen. Im ersten Schritt sollte eine mangelhafte Adhärenz, eine "Weißkittelhypertonie", eine blutdrucksteigende Ko-Medikation sowie der Abusus von Alkohol, Drogen, Anabolika und Kochsalz ausgeschlossen werden. Der zweite Schritt umfasse die Abklärung einer obstruktiven Schlafapnoe und eines sekundären Hypertonus, der zumeist durch eine Erkrankung der Niere oder der Nebenniere entstehe. "Bei den meisten Patienten kann eine Ultraschalluntersuchung erste Hinweise geben", sagte Hamann. Eine Nierenarterienstenose werde nach den neuen Leitlinien nur noch im Ausnahmefall operiert.

Bei weiter refraktärer Hypertonie könne eine Barorezeptorstimulation versucht werden, sagte Hamann: "Die Stimulation hat auch einen nachgewiesenen Placeboeffekt." Letzte Lösung seien mehrere Medikamente, bei denen es allerdings auch bestimmte Contraindikationen gebe: der Mineralrezeptor-Antagonist Spironolacton und Thiazid- Analoga sowie Clonidin. Das sei ein "wunderbares klassisches Medikament" wegen seiner beruhigenden Wirkung auf das vegetative Nervensystem, meinte der Internist. Das allerletzte Reservemedikament sei Minoxidil: "Das können wir nehmen, wenn wir gar nicht mehr weiterwissen."

Verfasser/in:
Christine Koch





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