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Karl-Wiechert-Allee 18-22
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nä 04/2018
aktualisiert am: 16.04.2018

 

  Kammerversammlung

Neues Ärztehaus vorgestellt

Kammerversammlung beschließt ökologisch orientierten, abgestuften Neubau mit gläserner Fassade: Große Zustimmung für Entwurf des Berliner Architektenbüros Grüntuch Ernst


 


Die Mitglieder der Kammerversammlung der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) haben sich am 14. März einstimmig für ein abgestuftes Gebäude mit transparenter Fassade, begrünten Terrassen und nutzungsorientierten Strukturen entschieden. "Der Entwurf des Berliner Architektenbüros Grüntuch Ernst überzeugt durch sein individuelles und nutzungsorientiertes Raumkonzept, seine städtebauliche Integration und seinen hohen ökologischen Anspruch", erläuterte Kammerpräsidentin Dr. med. Martina Wenker.

Vor der Beschlussfassung informierte Vorstandsmitglied Dr. med. Franz Bernhard M. Ensink, MBA ausführlich über die Entwicklung des Projekts und die Ergebnisse der zur Vorbereitung der Neubauentscheidung beauftragten Gutachten. Im Anschluss diskutierte die Kammerversammlung intensiv und lobte die transparente und umfassende Berichterstattung gegenüber Ehrenamt und Kammermitarbeitern.

Bereits zum Ende des vergangenen Jahrs hatten die rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesgeschäftsstelle den Standort an der Berliner Allee 20/Ecke Schiffgraben verlassen und ein Interimsgebäude in der Karl-Wiechert-Allee 18-22 bezogen. Das alte Gebäude muss wegen gravierender baulicher Mängel und aus Gründen des Gesundheitsschutzes der Mitarbeiter abgerissen werden. Es ist in einem erheblichen Umfang mit Schadstoffen wie Asbest und Formaldehyden belastet. Außerdem konnten zeitgemäße Brandschutzauflagen nicht erfüllt werden und es gab gravierende Probleme mit eindringendem Grundwasser. Ohne den dauerhaften Einsatz von Pumpen wären die Kellerbereiche bereits jetzt permanent überflutet. Eine gefährliche Situation, denn die komplette Elektroinstallation war über sogenannte Bodenkanäle ausgeführt worden - über Kabel, die im Wasser liegen, obwohl das Material keine entsprechende Wasserdichtigkeit aufweist.

Mit dem Neubau erhält die ÄKN an ihrem traditionellen Standort im Zentrum Hannovers eine zeitgemäße neue Landesgeschäftsstelle. Die Architektin Professor Almut Grüntuch-Ernst beschrieb den Entwurf auf der nachfolgenden Pressekonferenz am 16. März: "Der Baukörper verläuft mit seiner langen Flanke entlang der Berliner Allee und schafft so eine beruhigende Rahmung für den großen Stadtblock mit seinen drei sehr verschiedenen Gebäuden." Die sanft geschwungene Fassade mit einem mittigen Haupteingang an der Berliner Allee wirke einladend und zugänglich. "Durch die graduelle Höhenstaffelung und die entsprechende Gliederung der Fassade fügt sich der große Baukörper sensibel und selbstbewusst in seine heterogene Umgebung ein", führte Grüntuch-Ernst aus. "Begrünte Dachflächen schaffen eine wohltuende Balance zwischen urbanem Leben und direktem Naturbezug und tragen zu einem ökologisch nachhaltigen Gebäudebetrieb bei. Die aufwärtsstrebende Dynamik der skulpturalen Figur wächst in einer gegenläufigen Schleife empor zu einem zehngeschossigen Hochpunkt an der vielbefahrenen Straßenkreuzung von Berliner Allee und Schiffgraben. Mit seiner klaren Eleganz und der charakteristischen Volumenstaffelung setzt das Haus ein stadtbildprägendes Zeichen."

"Der Neubau vereint die Funktionen eines effizienten Bürogebäudes mit einem modernen Zentrum für Schulungen und Veranstaltungen. Das Gebäude ist zugleich repräsentativer Sitz der Landesgeschäftsstelle und offenes Haus für die Selbstverwaltung der rund 41.000 Ärztinnen und Ärzte in Niedersachsen", erklärte der Hauptgeschäftsführer der ÄKN, Professor Dr. med. Nils R. Frühauf, MBA. So entstünden Räume für Fortbildungen, für das Prüfungswesen von Ärzten und Medizinischen Fachangestellten, für Patientenforen, öffentliche Veranstaltungen und Kunst. "Das neue Ärztehaus wird ein Haus der Begegnung", so Frühauf. Diese Vernetzung finde ihren architektonischen Ausdruck in einer dreigeschossigen Wandelhalle im Zentrum des Hauses, erläuterte Grüntuch-Ernst: "Sie verbindet alle gemeinschaftlichen Bereiche: die Seminar- und Konferenzräume im Erdgeschoss, das Kasino (Cafeteria) in der ersten Etage und die Prüfungsräume im zweiten Geschoss. Das großzügige Raumgefühl und die helle, freundliche Atmosphäre der Wandelhalle stärken den offenen und kommunikativen Charakter des Hauses." Die klare Gliederung und geschossübergreifende Blickbezüge nach innen und außen sollen die Orientierung erleichtern. "Die Büroebenen mit insgesamt circa 200 Büroräumen sind so organisiert, dass eine flexible Raumaufteilung möglich ist und auch die Flure als Aufenthaltsorte genutzt werden können. Optimierte Bürogrundrisse ermöglichen einen nachhaltigen, effizienten Betrieb", ergänzte Frühauf.

"Der Neubau bildet einen klaren, prägnanten Stadtbaustein, der die zugrundeliegenden Werte erkennbar vertritt: Transparenz und Offenheit, Vernetzung und Nachhaltigkeit, Repräsentation, Klarheit und Vertrauen", fasste Kammerpräsidentin Wenker zusammen. Sie untermauerte außerdem die Notwendigkeit eines Neubaus: "Wir haben den Neubaubedarf durch fachkundige und unabhängige Stellen mit der gebotenen Sorgfalt ermitteln lassen. Das haben wir getan, weil wir verantwortungsvoll mit den Beitragsmitteln der freien Berufsgruppe der rund 41.000 Ärztinnen und Ärzte in Niedersachsen umgehen. Alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, so auch unsere Beschäftigten in der Ärztekammer Niedersachsen, haben das Recht, in gesunder Umgebung zu arbeiten. Die Ärztekammer Niedersachsen hat eine Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter."

Der Neubau soll in vier Jahren fertiggestellt sein. Mit dem positiven Beschluss der Kammerversammlung startete auch die Schadstoffsanierung, bei der das alte Ärztehaus von innen entkernt und die verbauten Schadstoffe ohne Risiko für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen sowie für die übrigen Nachbarn und Passanten abgetragen werden. Bis zum Ende dieses Jahres soll das alte Gebäude komplett abgerissen sein. "Wir liegen gut im Zeitplan", betonte Vorstandsmitglied Ensink in der Kammerversammlung. Das sei bei einem Projekt dieser Größenordnung keine Selbstverständlichkeit.

Das Finanzierungskonzept


Die Delegierten der niedersächsischen Kammerversammlung haben auch das Finanzierungskonzept für den Neubau an der Berliner Allee einstimmig beschlossen. Dr. med. Helmut Anderten, Vorsitzender des Ausschusses für Finanz- und Beitragsangelegenheiten, stellte ausführlich die aktuelle Finanzsituation der Ärztekammer Niedersachsen sowie den vor allem aus dem Bauvorhaben resultierenden Nachtragshaushalt für das Jahr 2018 vor.

Die ersten Kosten, die im Zuge des Neubauprojekts in diesem Jahr anfallen - darunter sind die Mietkosten und einzelne Verbesserungsmaßnahmen für die Interimsimmobilie in der Karl-Wiechert-Allee, Baunebenkosten, die den Rückbau des alten Gebäudes beinhalten sowie Finanzierungskosten - können aus der auf der Kammerversammlung am 25. November 2017 beschlossenen Bauerneuerungsrücklage gedeckt werden. Nach Entnahme der genannten Kosten wird die Bauerneuerungsrücklage am Jahresende voraussichtlich noch rund 2,8 Millionen Euro betragen. Diese Mittel sollen bei der Finanzierung des Neubaus einbezogen werden.

Die reinen Baukosten für den Neubau an der Berliner Allee werden mit 50 Millionen Euro kalkuliert. Hier ist für eine nachhaltige Finanzplanung bereits ein Puffer von zehn Prozent mit eingerechnet. Hinzu kommt noch ein Posten für Baunebenkosten, der mit 25 Millionen beziffert ist. Auch hier wurde ein zehnprozentiger Puffer eingerechnet. Insgesamt muss also ein Gesamtfinanzvolumen in Höhe von 75 Millionen Euro abgedeckt werden. Anderten erläuterte: "Zieht man nun die Kosten ab, die über die Entnahme aus der Bauerneuerungsrücklage gedeckt werden sowie die Eigenmittel, die bereits für das Projekt verwendet wurden, bleibt ein Finanzierungsvolumen von circa 60 Millionen Euro übrig." Der Ausschuss empfahl der Kammerversammlung, auch bei der Kreditaufnahme einen Puffer einzurechnen - in diesem Fall von zwei Millionen Euro.

Die Geschäftsführung der ÄKN hatte bereits im Vorfeld mit verschiedenen Kreditinstituten Gespräche geführt und konnte Finanzierungen mit einer bis zu 30-jährigen Laufzeit und - unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Weltwirtschafts- und Zinssituation - sehr günstigen Zinssätzen in Aussicht stellen. Nach intensiven Diskussionen stimmten die Mitglieder der Kammerversammlung einstimmig dem Finanzierungskonzept zu. In den nächsten drei Jahren wird die Eigenkapitalbasis um gut 10 Millionen Euro zu erhöhen sein. Die ÄKN wird außerdem zur Finanzierung des Neubaus an der Berliner Allee Kredite in Höhe von bis zu 62 Millionen Euro bei bis zu 30-jährigen Laufzeiten aufnehmen. Durch die Kreditaufnahme entsteht während der 30-jährigen Laufzeit ein Mehrbedarf an finanziellen Mitteln von circa drei Millionen Euro pro Jahr. Anderten kündigte an, dass der Ausschuss für Finanz- und Beitragsangelegenheiten in der Kammerversammlung am 24. November mit dem Haushaltsplan für 2019 ein generationen- und einkommensgerechtes Konzept vorlegen werde, wie dieser Mehrbedarf gedeckt werden kann.

Verfasser/in:
Jörg Blume
Chefredakteur "niedersächsisches ärzteblatt"
Berliner Allee 20, 30175 Hannover

Stephanie Aue
Pressestelle der ÄKN




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Die Architekten


Armand Grüntuch und Almut Grüntuch-Ernst haben 1991 ihr gemeinsames Architekturbüro in Berlin gegründet. Er hat an der RWTH Aachen und der IUAV Venedig studiert, sie an der Universität Stuttgart und der AA in London. Beide haben an der HdK Berlin gelehrt. Seit 2011 ist Almut Grüntuch-Ernst Professorin an der TU Braunschweig. Von 2010 bis 2015 war sie Mitglied der Kommission für Stadtgestaltung München und ist seit 2016 Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Armand Grüntuch ist seit 2016 Mitglied des Beirats der Bundesstiftung Baukultur. Das Werk umfasst Wohn- und Bürogebäude, Verkehrsbauten, Hotels und Bildungseinrichtungen, aber auch Sonderaufgaben wie die Konzeption und Gestaltung des deutschen Beitrags auf der Architekturbiennale 2006 in Venedig. Ihre Bauten tragen zur Transformation und Funktionsmischung, Vielfalt und Verdichtung des urbanen Raums bei. Die hohe Qualität ihrer realisierten Projekte, unter anderem in Berlin, Hamburg, Leipzig und zuletzt Chemnitz und Madrid, führte zu zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen.

http://www.gruentuchernst.de


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