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nä 02/2018
aktualisiert am: 15.02.2018

 

  Patientensicherheit

Fehlerberichts- und Lernsysteme für die ambulante Versorgung

Das vom Innovationsfonds geförderte Projekt „CIRSforte“ soll Praxisteams unterstützen


 

Die Verbesserung der Patientensicherheit nimmt auch in der ambulanten Versorgung einen immer höheren Stellenwert ein und wird auch im Patientenrechte-Gesetz und den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) besonders hervorgehoben. Fehlermanagement und Fehlermeldesysteme in der vertragsärztlichen Versorgung werden explizit in der Qualitätsmanagement-Richtlinie gefordert. Das Risiko für den einzelnen Patienten, zu Schaden zu kommen, mag zwar gering erscheinen, aus den hohen Kontaktzahlen resultiert jedoch ein dringender Handlungsbedarf.

Für die Praxen bedeutet das, dass sich Ärzte und Mitarbeiter systematisch mit Fehlern, kritischen Ereignissen, Risiken und Beinahe-Schäden auseinandersetzen sollten. Denn nur so kann man daraus lernen. Es gibt in keiner Organisation eine Null-Fehler-Garantie. Fehler entstehen, weil das System sie zulässt. Die Frage nach einer im Umkehrschluss "gelebten Sicherheitskultur" lautet dementsprechend: "Wie konnte das passieren?" und nicht: "Wer ist der oder die Schuldige?"

Um Fehler und kritische Ereignisse systematisch zu analysieren, bieten sich sogenannte CIRS an (s. Kasten). Es gibt öffentlich zugängliche, wie http://www.cirsmedical.de oder http://www.jeder-fehler-zaehlt.de, das sich primär an Hausarztpraxen richtet. Wichtiger sind aber praxisinterne Systeme, die dazu dienen, im Alltag auftretende Fehler festzuhalten, um dann später in Ruhe genauer hinzuschauen und systematisch nach den Ursachen oder begünstigenden Faktoren zu suchen. Das Lernen - der wichtigste Schritt eines Berichts- und Lernsystems - besteht dann in der Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen, die einen solchen Fehler in Zukunft in der eigenen Praxis vermeiden sollen.

Mit dem vom Innovationsfonds geförderten Projekt Cirsforte, das am Institut für Allgemeinmedizin der Uniklinik in Frankfurt/Main angebunden ist, sollen Praxisteams bei der Einführung und Nutzung eines solchen Systems unterstützt werden. Bisher wurden nationale und internationale Erfahrungen dazu gesammelt und bewertet. Aktuell werden darauf basierend praxisrelevante Empfehlungen für die Einführung und Nutzung von CIRS im ambulanten Bereich in einer multidisziplinären Arbeitsgruppe erarbeitet.

Die Praxisphase erfolgt ab April 2018, in der Praxisteams dabei unterstützt werden, CIRS optimal für das interne Qualitäts- und Fehlermanagement zu nutzen und sich mit anderen Praxen auszutauschen. Die einzelnen Maßnahmen umfassen zum Beispiel Teamworkshops, Praxisrelevante Materialien, Onlineschulungen und vieles mehr. Interessierte Praxen, Praxisnetze oder regionale Praxisverbünde können weitere Informationen über Dr. Beate Müller, (b.mueller@allgemeinmedizin.unifrankfurt.de) erhalten.

Verfasser/in:
Dr. med. Anouk Siggelkow





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CIRS = Critical Incident Reporting System


Ein CIRS ist ein Berichts- und Lern-System in der Patientenversorgung. Es dient dazu, kritische Ereignisse zu berichten, zu analysieren und Maßnahmen zu deren Prävention abzuleiten. Die Begriffe "CIRS" und "Berichts- und Lernsystem" werden synonym verwendet.
Die Ärztekammer Niedersachsen bietet einen Intensivkurs zu pragmatisch-praktischem Fehlermanagement im Mai 2018 im Rahmen der "Woche der Praktischen Medizin" auf Langeoog an. Weitere Infos unter http://www.aekn.de/fortbildung/langeooger-fortbildungswochen/


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