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nä 02/2018
aktualisiert am: 15.02.2018

 

  Editorial

Zu früh gefreut


 

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,

das Gespenst der "Bürgerversicherung" ist dem politischen Berlin offenbar nicht auszutreiben. War es im Sondierungspapier der GroKo-Parteien zunächst untergetaucht, steht es bei den folgenden Koalitionsverhandlungen wieder vor der Tür. Die Entwarnung kam zu früh.

Der neue SPD-Vorschlag, die Honorarsätze von GKV und PKV anzugleichen, ist reiner Etikettenschwindel - die Einführung der Bürgerversicherung durch die Hintertür. Der heimliche Gedanke: Bringen Privatpatienten den Ärzten nicht mehr ein, werden sie auch nicht bevorzugt - und damit entfällt der Anreiz, sich privat zu versichern. "Ende der Zwei-Klassen-Medizin" nennen ihre Befürworter das.

Das ist schlicht ein Wahrnehmungsfehler. Schon heute werden alle Patienten unabhängig von ihrer Kassenzugehörigkeit nach denselben hohen medizinischen Standards behandelt. Unterschiede gibt es in anderer Hinsicht: Die GKV-Leistungen sind gedeckelt, die der PKV nicht. Nur logisch, dass es für Privatversicherte auch dann noch Termine gibt, wenn das GKV-Budget aufgezehrt ist.

Die Politik hat es in der Hand, diesen Zustand zu beenden - indem sie das Ende der Budgets beschließt, statt mit Klassenkampfparolen den Leistungserbringern Geld zu entziehen. Die zehn Prozent Privatversicherten sorgen für 25 Prozent der Praxiseinnahmen. Unsere Praxen sind darauf angewiesen, um in moderne Medizintechnik investieren zu können. Davon profitieren alle Patienten.

Baustellen in unserem Gesundheitswesen gibt es genug - allem voran die fehlende Patientensteuerung und der Mangel an Medizinstudienplätzen. Die Gesundheitsexperten aller Parteien hätten wahrlich genug zu tun. Stattdessen verhaken sich die Koalitionäre in ihren Denkschablonen. Bürgerversicherung ist Benachteiligung als Gerechtigkeit: "Leistungsbegrenzung für alle!". Bleibt nur zu hoffen, dass die GroKo-Verhandler auf ihrem Weg zu einer neuen Regierung nicht ihr Gespür für die tatsächlichen Probleme auf der Strecke lassen.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Mark Barjenbruch
Vorstandsvorsitzender der KVN

Dr. Jörg Berling
Stellv. Vorstandsvorsitzender der KVN

Verfasser/in:
Mark Barjenbruch
Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen
Berliner Allee 22, 30175 Hannover

Dr. med. Jörg Berling
Stellvertr. Vorstandsvorsitzender der KVN
Berliner Allee 22, 30175 Hannover



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