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aktualisiert am: 15.11.2017

 

  Patientensicherheit

Die Robson-Klassifikation der Sectio caesarea

am Beispiel Niedersachsens


 


Seit Jahren gibt der Anstieg der Kaiserschnittraten auch hierzulande Anlass zu Diskussionen. Um die Gründe dieses Anstiegs zu analysieren und gleichermaßen eine Basis für die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung werdender Mütter und ihrer Neugeborenen zu schaffen, ist ein möglichst einfaches, eindeutiges, reproduzier- und überprüfbares sowie klinisch relevantes Klassifikationsverfahren der Sectio caesarea vonnöten. Nach einer systematischen übersichtsarbeit von Torloni und Kollegen schneidet unter den dort betrachteten 27 Kaiserschnitt-Klassifikationen jene nach Robson am besten ab. [1, 2] Diese Systematik macht sich Patientencharakteristika zunutze, um Schwangere, die per Kaiserschnitt entbunden haben, in zehn Gruppen einzuteilen, die zum Teil weiter untergliedert werden können.

Das Klassifikationsschema wird seit 2015, das heißt beginnend mit dem Erfassungsjahr 2014, für die Darstellung der Kaiserschnittraten in den jährlichen geburtshilflichen Statistiken Niedersachsens genutzt. Im Zeitraum von 2014 bis 2016 brachten 32,4 Prozent (62.129) der insgesamt 191.944 Schwangeren ihre Kinder in niedersächsischen Geburtsabteilungen/-kliniken per Kaiserschnitt zur Welt. Von ihnen waren 99,8 Prozent eindeutig einer der Gruppen der Robson-Klassifikation zuzuordnen, in 151 Fällen war dies nicht möglich. In der nebenstehenden Abbildung sind die beiden größten Gruppen (eins und drei) nach Klinikstruktur dargestellt. Auf den ersten Blick werden große Unterschiede zwischen den verschiedenen Klinikstrukturen deutlich. Die höchsten Sectio-Raten finden sich in diesen Gruppen in den Level-I-Perinatalzentren (29,9 / 28,4 Prozent) und den hauptamtlich geleiteten Abteilungen ohne Level mit  500 Geburten jährlich (34,8 / 32,4 Prozent). Erwartungsgemäß haben belegärztlich geleitete Abteilungen in diesen Gruppen die geringste Sectio-Rate. Auffällig sind aber zwei Punkte: (1) die 25 beziehungsweise 20 Prozentpunkte Unterschied zwischen den hauptamtlich geleiteten Abteilungen ohne Level mit  500 Geburten jährlich und den Level-II-Perinatalzentren einerseits wie auch den perinatalen Schwerpunkten andererseits, und (2) die geringe Differenz (circa fünf Prozentpunkte) zwischen den Level-I-Perinatalzentren und den hauptamtlich geleiteten Abteilungen ohne Level mit  500 Geburten jährlich. Bisher unberücksichtigt bleiben in dieser Auswertung die Risikokonstellationen des Schwangerenkollektivs. In einer differenzierten Analyse sollten diese künftig bedacht werden.

Verfasser/in:
Lorenz Hein, M.Sc.
ZQ, Qualitätssicherung




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Literatur
[1] Torloni MR, Betran AP, Souza JP et al. (2011) Classifications for Cesarean Section: A Systematic Review, PLoS ONE, 6:1, e14566.
[2] Robson MS (2001) Classification of caesarean sections. Fetal and Maternal Medicine Review, 12:1, 23-39.


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