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aktualisiert am: 15.11.2017

 

  Patientensicherheit

Hier kommt es auf Minuten an

Das Peer Review zur Herzinfarktversorgung nimmt auch die Prähospitalphase unter die Lupe


 


Bei der Versorgung von sogenannten STEMIs (ST-Elevation-Mycardial-Infarction) hängt das Outcome der Patienten wesentlich von der Zeit bis zur therapeutischen Intervention, hier der PCI (Percutane Coronar Intervention), sprich: dem Herzkatheter, ab. In einem 2006 regional initiierten Qualitätsma­­nagement-Interventionsprojekts zur Verkürzung der "contact-to-balloon"-Zeit, konnte diese im Median um 26 Minuten verkürzt und damit das überleben der Patienten verbessert werden (www.fitt-stemi.com). Die Interventionen wurden inzwischen deutschlandweit an über 50 Kliniken in die Routine übernommen und 2016 wurde von der Arbeitsgemeinschaft Herzinfarktversorgung Niedersachsen gemeinsam mit dem Zentrum für Qualität und Management im Gesundheitswesen (ZQ) der Ärztekammer Niedersachsen ein prozessbezogenes Peer Review-Verfahren dazu entwickelt. Die Besonderheit dieses Peer Reviews ist die institutionsübergreifende Einbeziehung von Beteiligten aus der gesamten Versorgungskette, inklusive Rettungsdienst, Notaufnahme, Herzkatheterlabor (HKL) und der (intensiv-)medizinischen Nachbetreuung.

Die Ausbildung der interprofessionellen Peer-Teams im Rahmen des Pilotprojekts fand bereits im Februar 2017 nach dem Curriculum der Bundesärztekammer statt. Am 17. August begrüßte die Abteilung der Kardiologie des Krankenhauses Buchholz das Peer-Team, bestehend aus den verantwortlichen Ärzten beziehungsweise Pflegekräften der kardiologischen Fachabteilungen mit Herzinfarktversorgung anderer Krankenhäuser, zum ersten durchgeführten Peer Review-Besuch. Auch Vertreter des regionalen Rettungsdiensts des Landkreises Buchholz waren mit von der Partie. Als leitender Peer stand dankenswerterweise Dr. Frank Logemann zur Verfügung, der seine weitreichenden Erfahrungen aus dem Peer Review in der Intensivmedizin zur Etablierung dieses neuen Verfahrens einbrachte.

Während des ganztägigen Besuchs wurde die Zeit zum wohlwollenden und konstruktiven Austausch entlang des vorgegebenen Fragenkatalogs intensiv genutzt: Es wurden unter anderem SOPs sowie die unterschiedlichen Strukturen und Ausstattung der Abteilungen und Rettungsdienste mit den entsprechenden Auswirkungen diskutiert sowie Fragen zur Software und zum Feedback besprochen. Lobend wurden neben vielen anderen Punkten das Einarbeitungskonzept und die hohe Quote an Direktübergaben an das HKL besonders hervorgehoben. Die gemeinsame Begehung der Abteilungen entlang des Behandlungspfads - beginnend vom Transport aus dem Rettungswagen, über die Notaufnahme und HKL bis hin zur Intensiv- und Normalstation - komplettierte das Review. Die Ergebnisse inklusive der
Ideen, wie der Behandlungsprozess noch verbessert werden könnte, stehen der besuchten Klinik in Form eines von allen konsentierten Berichts zur Verfügung.

Das Fazit des Tages war eindeutig: Alle Teilnehmer waren begeistert und motiviert, das Peer Review als ein Instrument zur Verbesserung der Patientenversorgung weiter voranzubringen. Die nächsten Besuche sind bereits terminiert.

Verfasser/in:
Dr. med. Anouk Siggelkow





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