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nä 11/2017
aktualisiert am: 15.11.2017

 

  Editorial

Mehr Verantwortung bitte!


 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

dreißig Prozent mehr Medizin-Studienplätze für Niedersachsen! Das verlangen gemeinsam die KVN und der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund. Ein Paukenschlag? Das mag manchem so klingen - für uns ist es nur eine logische Folgerung. Die aktuell rund 600 Plätze für Medizinstudierende in Niedersachsen reichen nicht mehr aus. Denn immer mehr Ärztinnen und Ärzte suchen eine Teilzeitbeschäftigung im Angestellenverhältnis. An die Stelle so manchen Vollzeitarztes, der in den Ruhestand geht, werden wahrscheinlich zwei Teilzeitmedizinerinnen treten. Wir rechnen mit einem Personalmehrbedarf von etwa dreißig Prozent in der Zukunft. Entsprechend mehr Ärztinnen und Ärzte müssen wir ausbilden.

Schon vor Jahren wurde die Zahl der Medizin-Studienplätze in Niedersachsen deutlich abgesenkt. Das rächt sich nun. Es ist absehbar, dass wir in vielen Gegenden auf Versorgungsengpässe im hausärztlichen Bereich zusteuern - weil die erforderlichen jungen Hausärzte und -ärztinnen nie ausgebildet wurden. Hier ist die KVN, sind Städte und Gemeinden machtlos. Das ist Sache des Landes. Die Politik muss handeln, und zwar jetzt. Etwa zwölf Jahre braucht es, bis die heutigen Studienanfänger als fertige Ärzte in die Versorgung eintreten. Die Aufstockung der Studienplätze darf also nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Eine "Hausarztquote" allein tut es nicht. Einfach nur zehn Prozent der knappen Medizin-Studienplätze für künftige Hausärzte zu reservieren hieße, Lücken bei anderen Fachrichtungen zu reißen, die ebenso dringend benötigt werden. Wir brauchen mehr Mediziner insgesamt, damit sich die Versorgungsaufgaben auf mehr Schultern verteilen können. Denn in einer alternden Gesellschaft wird auch die Zahl der Behandlungen absehbar zunehmen.

Nur in Kombination mit mehr Studienplätzen wäre eine Hausarztquote sinnvoll. Hinzu kommen müssen dann Niederlassungsanreize und Existenzgründungs-Programme, um die fertigen Hausärzte dann auch dorthin zu lenken, wo sie gebraucht werden. Dafür werden wir mehr finanzielle Mittel brauchen als bisher aufgewendet.

Die Selbstverwaltung hat in den vergangenen Jahren erfolgreich gehandelt, um die medizinische Versorgung sicherzustellen. Doch der programmierte Mangel an medizinischem Nachwuchs ruft die Politik in die Verantwortung. Medizin ohne Ärzte gibt es nicht.

Mit freundlichem kollegialem Gruß

Mark Barjenbuch
Vorstandsvorsitzender der KVN

Dr. Jörg Berling
Stellv. Vorstandsvorsitzender der KVN

Verfasser/in:
Mark Barjenbruch
Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen
Berliner Allee 22, 30175 Hannover

Dr. med. Jörg Berling
Stellvertr. Vorstandsvorsitzender der KVN
Berliner Allee 22, 30175 Hannover



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