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nä 09/2017
aktualisiert am: 15.05.2017

 

  Leserbriefe

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Zum Beitrag: "Machen die Kommunen mobil?"
in nä 7/ 2017

In Ihrem o.g. ausführlichen Artikel über "Die Rolle von niedersächsischen Kommunen für die zukünftige ärztliche Versorgung  Eine Befragung der Bürgermeister und Landräte" lautet eine Zwischenüberschrift "Wahrnehmung versus Wirklichkeit". Hier beschreiben Sie, daß nur 29% der befragten Bürgermeister und Landräte die Versorgung mit Fachärzten für ausreichend halten. Vor allem Augenärzte und Kinderärzte seien nicht ausreichend vertreten. Abgesehen davon, daß hierin schon eine Unschärfe liegt (die Kinder- und Jugendärzte zählen zum hausärztlichen Versorgungsbereich), sehen Sie darin einen Widerspruch zu aktuellen Analysen und zur Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Aus meiner unerheblichen Sicht vergleichen Sie hier Äpfel mit Birnen, wenn Sie die Bürgermeister nach ihrer Sichtweise der lokalen Versorgungssituation befragen, deren "subjektiv empfundene Versorgungsdefizite" dann aber disqualifizieren mit dem Argument, daß in Niedersachsen 39 von 44 Planungsbezirken wegen überversorgung für Kinder- und Jugendärzte gesperrt sind.

Sie wollen damit suggerieren, daß nicht nur 29%, sondern 88% der Bürgermeister zufrieden sein müssten mit der Versorgung durch Fachärzte / Kinderärzte.

Der Planungsbezirk, in dem ich hier arbeite, umfasst den Landkreis Osnabrück mit 2.121 Quadratkilometern, 34 Gemeinden und 21 Kinderarztsitzen. Daß tendenziell die Bürgermeister kleinerer Gemeinden unzufriedener mit der fachärztlichen Versorgung wären, kann man sich gut vorstellen, aber die Zulassungsplanung lässt genauso Gegenbeispiele zu:

Als einziger Kinder- und Jugendarzt in einer Gemeinde mit 31.500 Einwohnern und knapp 5.600 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren bin ich auch zumindest teilweise für die benachbarte Gemeinde Hilter (ohne Kinder- und Jugendarzt) mit 10.200 Einwohnern und 1.920 Kindern und Jugendlichen zuständig.

Hingegen haben zwei benachbarte Gemeinden (Bissendorf und Hagen a.T.W.) mit 15.000 bzw. 13.500 Einwohnern und 2.780 bzw. 2.475 Kindern und Jugendlichen jeweils zwei Kinderarztsitze.

Nach der Bedarfsplanungs-Richtlinie in der Fassung vom 16. Juni 2016 ist für den Landkreis Osnabrück = Kreistyp 4 ein Kinderarzt pro 3.990 Kinder und Jugendliche (bezogen auf die unter 18jährigen Einwohner) vorgesehen. Diese Richtlinie regelt jedoch nur die zahlenmäßigen Verhältnisse, keineswegs den lokalen Bedarf, sondern zementiert in Verbindung mit dem S 103 Sozialgesetzbuch V sogar den Status quo durch die dort genannten Kriterien für das Nachbesetzungsverfahren. Außerdem berücksichtigt sie in keiner Weise die erheblich angewachsenen Aufgaben durch zunehmend sozialpädiatrische Fragestellungen, die Aufwertung der Prävention sowie die neu eingeführten und zeitaufwendigen Vorsorgeuntersuchungen U7a, U10, U11, J2 und mehrere zusätzliche Impfungen.

Auf dem 120. Ärztetag im Mai 2017 in Freiburg hat die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in ihrem Acht-Punkte-Wahlprogramm unter Punkt 4 beschlossen: "Die Bedarfsplanung muss von einer reinen Zulassungsplanung zu einer echten Bedarfsplanung weiterentwickelt werden. Die Festlegung des Bedarfs darf sich nicht ausschließlich an der Demografie der Bevölkerung orientieren, sondern ist um indikationsbezogene Parameter und regionale Strukturparameter zu ergänzen."

Vielleicht kämen wir dann der Wirklichkeit der Bürgermeister aus Ihrer Befragung näher ?


Dr. med. Thomas Hacker
Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin,
Allergologie
Georgsmarienhütte

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